Das Chameleon fürs Fahrrad und Büro

Normal 0 21 Wer ständig zwischen Arbeit und Zuhause mit dem Rad pendelt, und nicht mehr im Alter der Rucksackgeneration ist, braucht zum Transport von Unterlagen und Büchern eine spezielle Tasche. Sie soll nicht sonderlich auffallen, etwa im Trend liegen und alles aufnehmen, was man so mit ins Büro schleppt. Natürlich reicht auch die Tourentasche. Doch dieser kängeruhbeutelartige Sack, an dem eventuell noch der Sand von der letzten Radtour nach Dänemark klebt, ist wirklich nicht bürokompatibel. Trekkingbags und Rucksäcke können auf der Arbeit auch schon mal zur Frage führen: „Sind Sie der bestellte Fahrradkurier?“. Doch deswegen auf die Fahrt zur Arbeit mit dem Drahtesel verzichten? Keineswegs, denn es gibt spezielle Rad-Aktentaschen, die ganz normal aussehen und nicht unter dem Bügel des Gepäckträger geklemmt werden müssen. Die Preisspanne dieser mit Haken ausgestatteten bike- und bürokompatiblen Taschen liegt zwischen 80 und 200 Mark, passend für den Geldbeutel vom Schüler, Studenten und Steuerberater.
 
Sie lassen sich allesamt schnell am Rad befestigen, manche allerdings haben ihre Schwächen beim Abnehmen. Die meisten schlucken auch mehr als nur einen dicken Aktenordner. Knitterfreiheit ist garantiert, und die Eselsohren in der Präsentationsmappe gehören auch der Vergangenheit an. Für Kleinkram gibt es oft Extrafächer. Leider verfügen nicht alle Taschen über einen integrierten Regenschutz. Dabei ist der gerade für unersetzbare Bürosachen immens wichtig. Doch auch mit Regenüberzieher sind die Taschen keinesfalls als wasserdicht, sondern eher als wasserabweisend zu bezeichnen. Einen Regenschauer überstehen die meisten jedoch schon. Richtig wasserdicht sind aber nur zwei Taschen: Die „Office Bag“ von Ortlieb und mit leichten Abstrichen die „Script“ von „vauDe“ für je 149 Mark.
 
Mit leichten Abstrichen deshalb, weil man sich bei „vauDe“ für einen sehr ansprechenden klassischen Deckel entschieden hat, durch den aber schon mal Feuchtigkeit dringen kann. Das kann mit dem Rollverschluß von Ortlieb nicht passieren. Ideal wäre eine Kombination aus beidem! Der Vorteil der Ortliebtasche ist unschlagbar. Denn sollte die Tasche nicht nur naß, sondern auch vom Straßenschmutz richtig eingesaut worden sein, so kann man sie ganz leicht absprühen und trocknen. Normale Taschen fallen nach einem kräftigen Regenschauer erst einmal für Tage aus.
 
Mit 13 Liter Fassungsvermögen geht in die „Office Bag“ ein Aktenordner und ein dickes Buch locker hinein. Es gibt auch zwei Einschubfächer, allerdings keine Reißverschlüsse für wirklichen Kleinkram. Muß viel transportiert werden, kann man sie auch im offenen Zustand benutzen. Für kurze Fahrten läßt sie sich auch sehr gut über die Schulter hängen.Ganz wichtig bei allen Taschen ist die Aufhängung, denn was transportiert wird, soll freilich nicht schon bei der geringsten Erschütterung vom Rad fliegen. Nicht alle Tasche sind da wirklich gut ausgerüstet. Die bis vor einigen Jahren standardmäßige Aufhängung mit zwei Metall- oder Kunststoffhaken und einer Gummiabspannung, wird heute immer mehr von Schnellverschlüssen abgelöst. Bei diesen braucht man dann auch nicht mehr den Gummiabspanner in die Öse zu fummeln und bekommt dadurch auch keine schmutzigen Finger mehr. Zudem sitzt die Tasche einfach fester: Nachdem ein Clip über eine Gepäckträgerstrebe geschoben wurde, werden die Haken eingehängt und verschließen sich automatisch. Ein Ruck am Trageriemen löst die Verriegelung schnell und unproblematisch. Die Systeme heißen beispielsweise „Quick-Lock“ (Ortlieb) oder „Ultrafix“ (Jack Wolfskin), die sich beide bestens bei Reiseradtaschen bewährt haben.Einziger Haken an der „Office Bag“ sind die Haken, denn die lassen sich nicht so einfach verstecken. Der Tasche sieht man immer an, wo ihr eigentliches Zuhause ist. Zusätzlich stören sie beim Tragen der Tasche mit dem Schultergurt. Irgendetwas drückt da immer.
 
In der Beziehung sind andere Firmen schon weiter,  allerdings  - wie gesagt - auf Kosten eines trockenen Innenlebens. Bei der „Diogenes“ von „Jack Wolfskin“ (129 Mark) verschwindet die Aufhängung hinter einer Schutzwand. So bleibt man nirgends hängen und niemand sieht, daß man mit dem Bike gekommen ist. Die „Diogenes“ ist sehr gut durchdacht, bietet wie die Ortlieb-Tasche 13 Liter Stauraum, der sich durch einen Reißverschluß um weitere drei Liter erweitern läßt. Es gibt einen breiten Reflektorstreifen. Viele kleine Fächer schaffen Übersicht und schnellen Zugriff. Im Deckel ist der Regenüberzug integriert worden. Mehr Stauraum gibt es mit satten 20 Litern nur bei der „Cambridge“ von „vauDe“ (119 Mark).
 
Wichtig ist beim Kauf der Tasche, daß man probesitzt. Die Haken lassen zwar bei den meisten Modelle auf einer Schiene verschieben, allerdings kann die Beinfreiheit doch schon eingeschränkt werden. Während die „Diogenes“ beispielsweise parallel zum Gepäckträger sitzt, ist die „Office Bag“ und auch die „Cambridge“ schräg angebracht. Das führt zu einer größeren Beinfreiheit.
 
Auch paßt nicht jede Tasche an jeden Gepäckträger. Ein Beispiel: Die aus Kunstleder hergestellte, sehr klassische ausschauende College-Mappe von Hebie (90 Mark) wird mit einem Adapter ausgeliefert, der zunächst an den Träger geschraubt werden muß, wenn er denn paßt.
 
Nicht ganz unwichtig ist auch, ob die Montage der Tasche sowohl rechts als auch links am Gepäckträger erfolgen kann. Die von Ortlieb muß immer rechts befestigt werden, die „Diogenes“ eignet sich, wie die Collegetasche, für beide Seiten.
 
Fazit: Es gibt noch einiges zu verbessern, bei den Herstellern in Richtung Wasserdichtigkeit und Abdeckung für die Aufhängung, wenn man es mit einem ansprechendem Design und vielen Taschen kombinieren möchte. Und auch unter den Kollegen: Vielleicht haben die sich bereits an die engen Leggings des Fahrradkuriers gewöhnt, den radelnden Mitarbeiter fragen sie aber immer noch, ob er denn kein Auto hätte. „Oder weshalb kommst Du sonst mit dem Rad“? So mancher Radler will deshalb - etwa durch ein normal aussehende Bürotasche - sein Vorliebe verstecken.