Helm kann schützen

Zum Glück sind die Zeiten vorbei, in denen man einen Radfahrer aus den USA bei seiner Tour durch Deutschland an seinem Kopfschutz erkannte. In Nordamerika ist - dank zahlreicher Helmkampagnen - der Helm fast zur Selbstverständlichkeit geworden. Und in einigen Provinzen Kanadas besteht sogar Helmpflicht für Radler.

 

Helmpflicht auch in Deutschland? Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) ist dagegen: „Es muß die freie Entscheidung von Radfahrerinnen und Radfahrern bleiben, ob sie sich für den Fall des Falles durch einen Helm schützen lassen wollen.“

Eher setzen die Radlobbyisten auf Aufklärung und Einsicht. Bereits in einer Studie von 1984 konnte man lesen, daß das Risiko bei einem Fahrradunfall tödliche Verletzungen zu erleiden, 19mal geringer sei, wenn ein Helm getragen werde. Durch den Kopfschutz wird nämlich die Aufprallgeschwindigkeit des Kopfes bei einem Sturz um 15 km/h vermindert. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung sind vor allem Menschen von Kopfverletzungen betroffen, die mit geringer Geschwindigkeit durch die Gegend radeln. Denn je geringer die Geschwindigkeit, desto schwieriger wird es, sich mit dem Körper abzurollen, und so die Sturzenergie abzufangen.

Genug Argumente, einen Helm zu tragen. Doch die Mehrheit der deutschen (Alltags-)Radler bedecken ihre Denkzentrale nur allzu selten mit einer Styroporschicht. Allenfalls die Mountainbiker, die halsbrecherisch durchs Gelände brettern, tragen zunehmend einen Helm.

Die weitere Verbreitung des Kopfschutzes könnte durch die seit Anfang Juni bestehende Helmpflicht bei Radsportveranstaltungen des Bundes Deutscher Radfahrer Auftrieb bekommen. Erst sehr spät hat man in Deutschland erkannt, welche Vorbildfunktion auch Rennradfahrer auf Jugendliche haben können. Daß auch die Profis nur aus Fleisch und Blut sind, zeigte der Unfall des Italieners Fabio Casartelli, der 1995 bei der Tour de France stürzte und an seinen Kopfverletzungen starb. Prominentestes Opfer eines Fahrradsturzes im Jahr 1996 war Rudolf Scharping. In einer Linkskurve stürzte er und schlug mit dem Hinterkopf auf die Fahrbahn. Die Folgen sind typisch für Kopfverletzungen bei Fahrradstürzen: eine Platzwunde am Hinterkopf und eine schwere Gehirnerschütterung. Scharping hatte - gegen seine Gewohnheit - keinen Helm getragen.

Helm ist übrigens nicht gleich Helm. Es gibt drei verschiedene Typen: Soft-, Micro- und Hardshell. Die einfachsten Kopfschützer sind die „Softies“, die aus einer dicken Hartschaumschicht bestehen und darüber hinaus druckfest und leicht sind. Optisch geben sie allerdings wenig her. Einige sehen eher aus wie ein umgedrehter Eierwärmer.

Microshell-Helme sind dagegen meist noch mit einer Kunststoffschicht überzogen. Diese sind damit zwar pflegeleichter als die Softshell-Versionen, aber ein Plus an Sicherheit ist dadurch nicht gegeben.

Anders bei Hardshell-Typen: Dicke Kunststoffschichten bieten einen zusätzlichen Schutz bei einem Sturz. So können spitze Gegenstände schwieriger in die Polsterung eindringen. Die dickere Haut hat natürlich nicht nur ihren Preis, sondern auch ihr Gewicht.

Egal welchen Helm man wählt, der Deckel schützt den Dickschädel nur dann optimal, wenn er auch richtig sitzt. Der ADFC bedauert, daß die Fahrradhelme immer häufig falsch getragen werden. Karl-Ludwig Kelber, Bundesvorsitzender des Fahrradclubs, warnt deshalb auch: „Ein Helm kann bei einem Sturz den Schlag auf den Kopf nur dämpfen, wenn er richtig aufgesetzt wird.“ Ralph Kranes von Fahrrad Berger gibt deshalb seinen Helmkunden drei Tips mit auf den Fahrradweg:

1. Der Helm muß gerade sitzen. Die Stirn und der Hinterkopf müssen geschützt sein. Wenn der Kopf gerade ist, muß der Helmabschluß eine Horizontale bilden. Der vordere Abschluß des Helms sollte etwa oberhalb der Augenbrauen liegen.

2. Die Polster haben die Funktion, den Helm in der richtigen Position zu halten. Sie sollten einen für den Träger passablen Anpressdruck haben. Vor allem bei Kindern darf der Helm nicht drücken, da sie ihn sonst auch nicht tragen. Doch am Anfang ist es natürlich ungewohnt, einen Deckel auf dem Kopf zu haben. Der Sitz wird durch Polster (Pads) hergestellt, die möglichst abwasch- und austauschbar sein sollten. Bei den teureren Versionen können die Pads auch aufgepumpt werden, um eine noch bessere Paßform zu erreichen. Auch zusätzliche Nackenfixierungen bieten einen besseren Halt.

3. Die Riemen eines Helmes sind dazu da, daß der Helm bei einem Sturz auch am Kopf bleibt, minimale Riemenbreite ist 15 mm. Je enger sie am Kopf verzurrt werden, desto weniger kann der Helm verrutschen. Natürlich sollen die Riemen auch nicht zu fest sitzen. Ideal: Eine Fingerbreite Platz zwischen Unterkiefer und Riemen. Die Halter sollten unterhalb der Ohren zusammenlaufen, und die Hörorgane keinesfalls bedecken.

Die Mindestanforderung an einen Helm wird durch die Deutsche Norm (DIN) formuliert. Nach ihr muß ein Helm aus einer Höhe von einen Meter den Sturz unbeschadet überstehen. Die europäische Norm (CE) schreibt eine Höhe von eineinhalb Metern vor. Die Einhaltung der Qualität wird von einem unabhängigen Institut überprüft. Die strengsten Anforderungen gelten in den USA. Die ASTM ist die größte Hürde, die ein Helm nehmen kann. In den Staaten gibt es auch noch die Normen SNELL und ANSI, die von nicht unabhängigen Instituten vergeben werden.

Welche der Normen auch immer auf dem Helm steht, wichtig ist, daß eines der genannten Prüfsiegel überhaupt auf dem Helm vermerkt ist. Gute und sichere Helme bekommt man bereits für 60 Mark. Aber auch für 300 Mark werden Helme angeboten. Die teuren unterscheiden sich nicht in erster Linie durch eine bessere Qualität von den Preiswerteren, sondern durch zusätzliche Ausstattungsmerkmale, geringeres Gewicht und poppige Farben.