Bester Diebstahlschutz: Zwei Schlösser

Immer wieder hört man von Klagen, das Kunden sich bewusst für ein preiswertes Fahrrad entscheiden, weil sie bei einem hochwertigen Rad befürchten, es könnte alsbald gestohlen werden. Die Befürchtung ist natürlich nicht ganz unbegründet. Die Industrie hat reagiert und bietet oft unter anderen Namen Billigmodelle an, oder wenigstens Varianten, die weniger auffallen. Doch damit ist das Problem natürlich nicht gelöst.

 

Weniger auffällig sind die Velos, wenn man nicht sofort erkennt, von welchem Hersteller das Rad stammt. Wer nicht unbedingt den Firmenschriftzug fürs eigene Selbstwertgefühl benötigt, kann diesen entfernen. Natürlich ist auch dies nur einer von vielen Sicherheitsmaßnahmen. Einen 100-prozentigen Schutz vor Diebstahl gibt es nicht. Profis lassen sich nicht so leicht abschrecken und erkennen den Wert des Bikes auch ohne Schriftzug. Der Gelegenheitsdieb jedoch wird eher nach einem bekannten Namen Ausschau halten.

Den besten Diebstahlschutz (neben dem Tipp, das Rad ständig unter Beobachtung zu halten) stellt immer noch ein gutes Schloss dar. Es gibt Spiralkabel-, Panzerkabel- und Bügelschlösser. Und es gibt gute und schlechte in allen Gruppen, wobei die Spiralkabel am wenigsten Widerstand leisten. Trelock macht´s dem Kunden ein wenig einfacher und teilt seine Schlösser in vier Gruppen. Die Ziffer findet man auf der Verpackung. Doch so lange dies freiwillig passiert ist ein gutes Urteil der Stiftung Warentest der bessere Ratgeber. Ein Zertifizierungssystem eines unabhängigen Instituts, das die Produkte vieler Hersteller testet, quasi so eine Art Schloss-TÜV existiert noch nicht.

Bügelschlösser sind meist sehr stabil, jedoch sagt schon die Preisspanne von 19 bis fast 200 Mark so einiges aus. Die Billigbügel sehen nur stabiler als ein Spiralkabel aus. Sie haben lediglich eine abschreckende Wirkung, einem Bolzenschneider halten die verwendeten Riegel meist jedoch nicht stand. Viele Hersteller kopieren äußerlich die Produkte der Konkurrenz. Gute Produkte bekommt ab etwa 100 Mark. Über Jahre gute Qualität liefern die Firmen Trelock, Abus und Kryptonite.

Kryptonite gibt auf seine Schlösser eine interessante Sicherheits-Garantie. Um diese Garantiemöglichkeit gab es jahrelang Streit. In den USA ist dieser Bonus Gang und Gäbe, allerdings lebenslang, in Deutschland gilt aufgrund des speziellen Wettbewerbsrecht die Garantie (die, wie im Prospekt betont wird, keine Fahrraddiebstahl-Versicherung darstellt) ein bis zwei Jahre (je nach Schlosstyp). Wird also das Schloss (der Modelle New York oder Evolution) doch aufgebrochen und das Rad gestohlen, ersetzt Kryptonite den Schaden bis zu einer Höhe von 1000 Euro. Die Garantie wird nur wirksam, wenn man sich zuvor registriert hat und auch sonst ein paar Punkte im Kleingedruckten befolgt (Näheres dazu im Fahrradhandel).

Allgemein sollten die Schlösser auch Kälteresistent sein. Denn die Diebe kommen heutzutage nicht immer mit einem großen Seitenschneider oder einer Flex sondern mit einem Kältespray, welches das Metall brüchig werden lässt.

Bügelschlösser haben oft den Nachteil, dass man sie nicht um einen Laternenpfahl herumbekommt. Dabei gilt neben einem guten Schloss auch der Tipp, das Rad nicht nur ab- sondern auch an einen festen Gegenstand anzuschließen. Bewährt haben sich Plätze, an denen ständig "ein Auge" aufs Rad geworfen wird, beispielsweise Taxistände. Sehr effektiv ist die Benutzung von zwei verschiedenen Schlössern. Beim Verein der Hamburger Sportfreunde der Sperrtechnik, dessen Mitglieder es sich zur Aufgabe gemacht haben, möglichst alles, möglichst schnell zu öffnen, empfiehlt man auf der Homepage (www.ssdev.org) sogar diese Kombination. Es gelang zwar den Freaks bei einem Test für die Zeitschrift "bike" innerhalb einer Minute(!) von 15 Schlössern 10 zu öffnen. Doch wird sich ein Langfinger immer auf ein bestimmten Schließmechnismus spezialisieren (müssen). Nicht so widerstandsfähig sind im Übrigen Tubularzylinderschlösser, die man an den runden Schlüsseln erkennt. Diese lassen sich, egal welcher Typ, mit nur einem Spezialwerkzeug öffnen. Andere Mechanismen sind deshalb im Vorteil, weil für jedes Schloss ein spezielles Werkzeug notwendig ist. Ein neues Schließsystem (Abus-Plus) hat die Firma Abus angekündigt, welches zu den Herbstmessen präsentiert wird, und das Abtasten ausschließen soll.

Laufräder und Sattelstütze sollten zusätzlich mit dem Pitlock-System gesichert werden. Diese von einem Berliner Hersteller entwickelte Spezialmutter (mit 256 Schlüsselvarianten) hat sich für Schnellspannersysteme aufgrund seiner durchdachten Qualität in den vergangenen Jahren (fast weltweit) durchgesetzt.

Pitlock (Tel. 030 / 611 20 92) wird nicht nur für die Sattelstütze und die Schnellspannsysteme der Laufräder angeboten, sondern auch für spezielle Vorbauten, die so genannten Ahead-Systeme, und Bremssockel-Schrauben. Es soll ja regelrecht einen Markt für gebrauchte hochwertige Teile geben, die auf Bestellung "besorgt" werden. So werden auch vom Fahrrad Schalt-und Bremsgarnituren entfernt, die auf dem Schwarzmarkt zwar oft nicht mehr als 20 oder 30 Mark bringen. Der entstandene Schaden kann aber leicht (mit Reparaturkosten) die 300 Mark-Grenze überschreiten. Leider gibt es für dieses Fahrradteil noch keinen Schutz. Besonders betroffen sind Fahrräder, bei denen sich das Set mit einem Inbus leicht lösen lässt und vom Lenker geschoben werden kann, beispielsweise bei den so genannten Mulitfunktionslenkern. Pitlock bekommt man im Fachhandel (das einfache Set kostet rund 85 Mark), für die Komplettversion wird rund 195 Mark verlangt. Gewiss viel Geld, jedoch sehr empfehlenswert.

Eine zusätzliche Abschreckung bietet die Fahrrad-Codierung. Sie hat sich zwar in den vergangenen Jahren nicht so deutlich durchgesetzt wie erwartet. Trotzdem ist die spezielle Nummer, die sich aus Wohnort und Geburtstag zusammensetzt, immer noch ein gutes Mittel gegen Diebstahl. Schliesslich kommt beim Verkauf des geklauten Fahrrades der Dieb in Erklärungsnotstand, wenn die Nummer auf dem Rad nicht mit seinen Daten übereinstimm. Allerdings muss man dafür auch als Käufer wissen, wie die Nummer zu Stande gekommen ist.