Wie sieht die perfekte Radhose aus?

Radfahren soll ja gewisse Körperpartien, besonders im hinteren Bereich wohlformen. Damit man das Ergebnis dann auch bewundern kann, steckt so mancher seinen Allerwertesten beim Biken in eine knappe Radhose, könnte man denken. Doch nicht jeder und vor allem auch jede steht auch auf dieses meist auch noch glänzende Beinkleid. Im manchen Situationen ist das Radleroutfit weniger gefragt. Trotzdem sollte man auf längeren Touren stets spezielle Radbekleidung anziehen, nicht um aufzufallen, sondern um schmerzfrei das Ziel zu erreichen. Die flatternde Jogginghose oder gar Jeans stört beim Radeln nicht nur aufgrund des Schlags, der die Kette berühren kann. „Baumwolle hat am Bikerkörper nichts verloren“, sagt Jürgen Schatz von der Radsportbekleidungsfirma Gonso.

Ideal sind deshalb Radhosen, die ihr Geheimnis verstecken und von außen wie eine normale Short oder Trekkinghose aussehen. Die Industrie nennt dies funktionelle Bikebekleidung. Man setzt weniger auf plakative Drucke, sondern dezente Muster. Egal ob eng oder weitsitzend, sämtliche Radhosen haben zwei Sachen gemeinsam: Sie werden aus Kunstfasern hergestellt und haben ein eingenähtes Sitzpolster. Besonders letzteres unterscheidet die Bikehose von einer so genannten Radler, die sehr oft auch im Supermarkt angeboten wird.

Es gibt auch Shorts, in die eine komplette Radhose integriert wurde. Bei der billigen Variante ist das Sitzpolster in eine Netzinnenhose eingenäht. Diese trägt sich nicht sehr gut, kann manchmal auch zudem merkwürdig aussehen, wenn das Polster vorne übersteht.

Damit nichts scheuert oder reibt, sollte das Polster, aber auch die gesamte Hose nur wenige Nähte aufweisen und keine Falten werfen. Wo Nähte unvermeidlich sind, findet man bei guten Produkten Flachnähte.

Standardeinlage ist heutzutage ein Fleecestoff, die Namen und Herstellungsverfahren unterscheiden je nach Anbieter. Descente nennt es beispielsweise „Airstripe“ und Gore Bike Wear „Monolith“.

Das früher oft verwendete Leder findet man nur noch selten. Der Kunststoff ist weicher und vor allem pflegeleichter, man muss es nach der Wäsche nicht unbedingt eincremen (obwohl es spezielle Cremes gibt) und besonders wichtig: Es trocknet erheblich schneller als so ein Lederlappen.

Denn aus hygienischen Gründen sollte man - wenn möglich - die Radhose nach jeder (Tages)Tour waschen. Die oft als antibakteriell deklarierten Einlage ist nämlich kein Wunderding. Bakterien können auf Dauer auch dem Material zusetzen, ganz abgesehen vom nicht sehr angenehmen Geruch. Und gegen Po-Schmerzen hilft in erster Linie auch nicht die Einlage sondern ein vernünftiger Sattel.

Der Einsatz von synthetischen Materialien bei der Radhose hat den entscheidenden Vorteil, dass der Schweiß schnell abgeleitet werden kann, das Material besser gegen den Fahrtwind schützt, bestenfalls sogar atmungsaktiv und wasserdicht ist. Ganz wesentlich ist auch, dass es sehr schnell trocknet.

Mit Naturfasern ist dies nicht zu erreichen, die eingesetzten Stoffe sind deshalb Produkte der chemischen Industrie und heißen etwa Sensitive, Absorbtex, Supplex oder Coolmax: Feine High-Tech-Fasern, die sich besonders dicht weben lassen und zum Teil wie beim Coolmax auch über eine Kapillarfunktion verfügen, die die Feuchtigkeit von der Haut weg führt.Weiteres Qualitätsmerkmal einer guten Hose ist die Antirutschnaht am Bein. Damit wird verhindert, dass sich das Hosenbein beim Treten nach oben bewegt.

Damen sollten übrigens nur Damenhosen anziehen. Diese sind nicht nur anders geschnitten, sondern verfügen auch über keine Mittelnaht im Sitzpolster.

Und was trägt Frau und Mann unter der Radhose? Nichts! Jeder Slip, jede Naht reibt auf der Haut, nicht erst dann, wenn der Biker schwitzt. Allerdings kann es natürlich bei längeren Touren ein hygienisches Problem darstellen, ständig nur eine Hose zur Verfügung zu haben.

Deshalb mein persönlicher Vorschlag: Nach langer Suche und vielen schmerzhaften Erfahrungen habe ich ein paar Shorts gefunden, die nicht reiben und deshalb unter die Radhosen gezogen werden können. Es gibt aber alternativ auch spezielle Unterhosen mit Einlage. So müssen nur noch diese gewaschen werden.