Gut über den Winter kommen

Viele Fahrräder verschwinden jetzt für etliche Monate im warmen Keller. Doch der Winterschlaf ist nicht notwendig. Denn auch in der kalten Jahreszeit kann das Radfahren durchaus Spaß bringen, vorausgesetzt der Wintersport auf zwei Rädern ist gut vorbereitet worden.

Über die passende Ausrüstung für den Fahrer haben wir bereits berichtet, aber auch dem Rad sollte man jetzt mehr Pflege gönnen als üblich. Eine quietschende Kette schreit förmlich nach einer Reinigung und anschließender Ölung. Ob es die letzte ist, kann man anhand des Abstandes der Glieder zueinander feststellen. Prinzipiell gilt: Verschlissene Ketten lieber frühzeitig austauschen, das spart den Neukauf des Ritzelpaketes. Ähnlich wie die Kette neigen jetzt sehr viele Fahrradteile dazu, Rost anzusetzen. Manches ungeschmierte Teil reibt so lange, bis es nichts mehr zu reiben gibt. Im Gegensatz zur Kette sind Hilfschreie aus den Kugellagern fast SOS-Signale.

Auf einwandfreien Sitz sollten man auch bei der Pedalverbindung zur Kurbel achten. Schleichende Korrosion, hervorgerufen durch Schmutz und Feuchtigkeit, kann dazu führen, daß sich etwa Steuerlager oder Gabel regelrecht im Rahmen festfressen. Manchmal hilft dann nur noch die rabiate Methode: Mit Säge oder Bohrer wenigstens einen Teil des Fahrrades vor dem Schrotthändler zu bewahren.

Eine gute Schmierung im Herbst hätte dies verhindern können. Zuviel Fett schadet dem Rad nicht. Es hält nicht nur Lager und Schrauben auf Trab, sondern verhindert auch das Eindringen von Schmutzwasser. Auch Schalt- und Bremszüge sollten geölt und gegebenenfalls ausgewechselt werden, wenn sie schwergängig geworden sind. Seilzüge, die teilweise offen am Rahmen verlaufen, kann man im Winter durch eine Teflonhülle schützen.

Um Rostansatz zu vermeiden, sollte der Rahmen nach Lackschäden untersucht werden, bevor er mit Wachs konserviert wird. Ledersättel können bei Frost spröde werden. Spezielle Fette können dagegen helfen.

Auch Fahrräder brauchen Winterreifen. Mehr Profil unter den Rädern zu haben kann auch dann nicht schaden, wenn noch gar kein Schnee liegt. Spikesreifen sind in unseren Breiten allerdings meist nicht notwendig. Trotzdem werden sie angeboten. Ganz legal, denn in Deutschland ist die Benutzung dieses Reifentyps (auch in der Stadt) für Radler nicht verboten - im Gegensatz zum Auto.

Doch auch der beste Reifen ist nur so gut, wie sein Fahrer. Auf glatter Strecke ist wohldosiertes Bremsen angesagt. Möglichst viel mit der Hinterradbremse arbeiten. Ein vorne blockierendes Rad läßt sich nur noch schwer in der Spur halten. In Kurven möglichst gar nicht bremsen. Die Bremse sollten deshalb vor der Fahrt exakt eingestellt werden. Mehr Sicherheit bekommt man auch dadurch, daß man den Sattel ein wenig tiefer einstellt, um zur Not auch im Sitzen mit beiden Beinen auf den Boden zu kommen.

Bei Schneematsch und anschließendem Frost kommt es oft vor, daß sich vor allem die kleineren Ritzel am Hinterrad nicht mehr schalten lassen und die Kette durchrutscht. Ein Ritzelreiniger, der wie ein Kamm in die Zwischenräume kommt, entfernt Schmutz und Eisreste.

Ganz wichtig ist die ständige Kontrolle der Lichtanlage. Leider neigen sämtliche Dynamos, die an der Reifenflanke laufen, in der nassen Jahreszeit zum Durchdrehen. Auch Walzendynamos sind nicht viel effektiver. Wer auf Nummer sicher gehen will, montiert eine zusätzliche batteriebetriebene Leuchte. Oder steigt gleich auf Naben- oder Speichendynamos um.