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Erfahrungsbericht: Ein Fahrradanhänger für 50 Euro

Was ist von Kopien des Klassikers B.O.B. Yak zu halten? Der Praxistest zeigt es

Der Einradanhänger Bob Yak besitzt unter Radreisenden Kultstatus. Doch auch immer mehr Radfahrer benutzen ihn für den täglichen Einkauf. Nur ist das Gefährt mit rund 300 Euro nicht gerade billig. Nachahmer wittern deshalb ihre Chance, dem Bob Yak Marktanteile abzuknöpfen.

Gleich mehrere Firmen bieten ihre Kopien an. Das Preisspektrum reicht vom schwarzen "Nepal" (mit integriertem Ständer), der über Discounter und Baumärkte für rund 99 Euro verkauft wird, bis hin zum faltbaren Einspuranhänger, der zwischen 180 und 260 Euro kostet. Er wird teilweise No-Name,  oder unter dem Namen "M-Wave" oder auch "Stetind" vertrieben.

Doch geht es auch noch billiger? Übers Internet (zum Beispiel bei Ebay) wird seit einiger Zeit ein Nachbau des Bobs (oder ist es nicht vielmehr ein Nachbau des M-Waves?) verkauft. Da beträchtliche Stückzahlen regelmäßig angeboten werden (jüngst auch in einer schwarzen Ausführung), liegt der Endverkaufspreis meist zwischen 50 und 80 Euro plus Versand (bei mir waren es stolze 16 Euro,). Was kann man für 50 respektive 66 Euro erwarten? Insbesondere, weil ja auch noch eine (angeblich) wasserdichte Tasche  mitgeliefert wird. Kann man für so wenig Geld einen vollwertigen Anhänger bekommen?

Es ist ja schon komisch, wenn auch noch die Kopie der Kopie kopiert wird.  Auf den ersten Blick scheint das Schnäppchen identisch mit den hochpreisigeren Produkten zu sein. Ein Blick auf die Herstellerseite von TW-Bents in Taiwan verrät dies. Oder hat hier nur jemand einfach gut abgeschaut? Oder sind das Überbestände aus einer Insolvenzmasse oder vielleicht B-Ware der chinesischen Azubis, die mal ans Schweißgerät durften? Wir wissen es nicht... Aufklärung könnte nur ein direkter Vergleich mit den Modellen von M-Wave und Stetind bringen. 

Positiv fallen ein paar Ideen auf, die man beim Bob vermisst. Zum Beispiel die Faltbarkeit. So lässt sich der Anhänger sehr flach transportieren, was beispielweise bei Flugreisen wichtig ist . Diese Faltbarkeit war auch der Grund für meine Kaufentscheidung. Zusammengeklappt  verschwindet er auch noch im Fahrradkarton. Mit dem Original Bob Yak ist das bekanntlich nicht möglich.

Bob Yak Foto:pd-fDie Anhängergabel ist variabel. Zunächst machte sie einen verbogenen Eindruck.  Aber alles okay. Die Gabel ist recht massiv und deutlich schwerer als das Bob-Original. Dafür weist sie eine auf den ersten Blick gar nicht so schlechte Aufhängung auf:  Mit federgesicherten Splinten wird der Hänger fest an das Fahrrad angehangen. Keine Drahtsplinte wie beim Bob, die an Gummis hängen und auch schon mal während einer Tour verloren gehen können (wobei man sich dann immer noch ein Ersatz mit einer herkömmlichen Speiche war zurecht biegen kann, -aber das nur am Rande). Insgesamt ist der Hänger etwa 400 Gramm schwerer als das Original. Soweit so gut.

Nun zu den Problemen: 

Das Laufrad war schon im Auslieferungszustand festgefahren: Das Kugellager ließ sich nicht bewegen. Ein langwieriger Austauschprozeß (und zeitintensive Korrespondenz)  begann, mit insgesamt zwei Fehllieferungen. Schlußendlich mit der vierten Lieferung kam dann noch ein passendes Rad, das durchaus rollt, wenn auch nicht so leicht wie beim Bob. (zudem sind die Ausfallenden schief, so dass  sich das Rad nur schwer einsetzen lässt).

Die mitgelieferte Deichsel brach bereits beim Zuschauen, na ja nicht ganz, einmal den Hänger ans Rad gehangen, dann machte es knack und ab war´s: Die eine Seite der Aufnahme war abgebrochen. Wohlgemerkt nach 0 (sprich: Null) Kilometern. Der Achse traute ich jetzt nicht mehr. Das Gute an der Kopie ist, dass sich die Fälscher, ähem Nachbauer,  fast genau ans Original gehalten haben und quasi die Maße gepaust haben.

So passt die Deichsel des Bob Yak auch an seine Kopie. Das Problem sind nur die sehr weit zu fassenden Fertigungstoleranzen beim Nachbau. Die Aufnahmeplatten sind nicht ganz parallel. Aber das lässt sich durch Plastikplättchen für 2,50 Euro aus dem Baumarkt beheben. Auf diese Weise wurde der 50 Euro-Hänger schon ein wenig getunt: Bob-Laufrad, Bob-Deichsel, und damit war er bereit für die große Fahrt.

Vorweg das Fazit nach 1200 km durch den Winter Schwedens: nichts ist gebrochen. Aber ich habe den Hänger auch nicht so heftig malträtiert, wie ich es mit dem Bob Yak mache. Die angegebene 35 Kilogramm-Beladung sollte man ihm vielleicht besser nicht zu sehr lange zumuten. Tragen musste er eine Isomatte, den Schlafsack, ein paar Liter Limo, die Schneeschuhe und die Schneeschaufel, also ingesamt etwa 10 Kilo.

Die Faltbarkeit ist sein großes Plus, auch wenn darunter die Stabiliät leidet (vielleicht ist das ja bei den Originalen der Kopie der Kopie besser). Nach 1000 Kilometern ist die Lackierung auch nicht so mehr so toll. Allerdings wies das gute Stück auch schon im Auslieferungszustand einige Kratzer auf.  Bei 170 oder 298 Euro wäre dies ein Grund für eine Reklamation gewesen. Aber was will man auch für 50 Euro erwarten? Pulverbeschichtung mit filigran gezogenen Nähten? Noch heute klappern im Rohrinneren die Späne. Verbaut wurde wohl auch billiger Baustahl, der schnell überlackiert wurde.  Zwischenzeitlich hatte sich die Mutter der langen Schraube verabschiedet, die den Klappmechanismus (und damit den oberen Teil des Rahmens mit der Grundplatte) verbindet.

Ach ja, und noch heute müffeln sowohl die orangefarbene Tasche als auch der serienmäßige Reifen. Beide sind nur bedingt zu benutzen, jedenfalls sollten sie nur an gut gelüfteten Orten gelagert werden. Bei mir haben sie sofort Kopfschmerzen verursacht.

Fazit: Der Hänger bleibt weiter im Einsatz., bis die erste Naht aufgebrochen ist. Bisher hat sich der Preis gelohnt, allerdings war der Test ja auch nicht ganz fair, mit Bob Deichsel und Bob Laufrad. Wer weiß, wie es im Originalzustand ausgegangen wäre.  

 

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