Langzeittest: 17 000 km mit dem Sattel Terry Liberator

Terry Liberator

  Auf jeden Topf passt ein Deckel heißt es oft, doch den richtigen Sattel für den Allerwertesten zu finden ist sehr schwierig. Sattelempfehlungen sind deshalb immer mit Vorsicht zu genießen, trotzdem gibt ein Langzeittest Aufschlüsse über die Qualität des Sattels. Unsere derzeitiger Favourit: der Terry Liberator. Ein "Zwischenergebnis" nach knapp 17000 km Hinternprobe.

Der Terry Liberator war eine Empfehlung unseres Fahrradhändlers. Selbstverständlich für einen guten Händler bekommt man den Sattel zunächst nur zum Testen. Sollte ein Händler sich dem verweigern, hat dieser nicht verstanden, dass man einen Sattel nicht durch eine kurze Sitzprobe auswählen kann.

Terry Liberator alt und neu

 

 

 

 

 

 

Die Sättel haben in der vergangenen Zeit eine spürbare Evolution durchlaufen. Jahrelang waren Ledersättel das Nonplusultra für Reiseradler und Vielfahrer. Insbesondere der Brooks B66 gilt auch heute noch als legendär guter Sattel, der allerdings "eingeritten" werden muss und insgesamt recht schwer ist. Der erste Versuch, dem Brooks bye bye zu sagen, kam durch die Body Geometry Sättel von Spezialized Mitte der 90er Jahre. Die amerikanische Firma war die erste, die ergonomisch geformte Sättel anbot. Dort wurde quasi das Anpassen des Sattels wie bei einem Ledersattel durch Tausende Kilometer bereits ab Fabrik vollzogen. 

Der erste Body Geometry Sattel war meiner Meinung nach immer noch der Beste. Leider löst er sich so langsam auf, einzelne Gelstückchen fallen raus. Für große Touren war der Sattel nicht mehr benutzbar. Und die Nachfolgemodelle waren dagegen anders geformt.

Terry Liberator neuAus diesem Grund ein Schwenk zur italienischen Konkurrenz. Die Form der knochenartigen Sättel soll von Druckzonen im Genitalbereich befreien. Die Diskussion ist ja nicht neu, auch wenn manch eine Gazette da schnell mal Impotenzprobleme unter Radfahrern draus macht. Ist ja auch eine spannende Schlagzeile: "Radfahrer: Seit Radtour nicht mehr zeugungsfähig". 

Im Grund muss jeder selber entscheiden, wo es seiner oder ihrer Meinung nach zwickt und beißt. Die Probleme bei Frauen sind ähnlich, wenn es dort auch woanders drücken kann. Doch es muss auch ganz klar gesagt werden: Ein ideal eingestelltes Fahrrad, ein auf den Fahrer zugeschnittener Rahmen, eine ideale Geometrie hilft viel mehr als ein Sattel bewirken kann. Er ist nur das i-Tüpfelchen.

Probleme kenne ich deshalb nur vom hinteren Bereich, also vom Hintern. Der kann kräftig weh tun, auch wenn mit zunehmender Kilometerleistung die körpereigene sich automatisch aufbauende Polsterung schon viel abhalten kann.

Die wenigsten Probleme hatte ich bisher mit dem Terry Liberator. Selbst Tagestouren mit vollem Gepäck über 190 Kilometer hat der Hintern gut ausgehalten. Das Material besteht aus einem perforierten Leder und einem Geleinsatz. Letzterer lässt natürlich mit der Zeit nach. Das Gel, auch das von Terry verwandte Air Cell Gel, altert einfach. Trotzdem ist schon interessant, wie gut der Sattel nach rund 17.000 Kilometer aussieht. Am besten sieht man dies im direkten Bildvergleich mit einem nagelneuen Liberator auf dem zweiten Foto. Das Zwischenergebnis: An ein paar seitlichen Stellen hat sich der Stoff abgelöst, aber noch nichts schlimmes.  Am Komfort ist noch kein Verlust im wahrsten Sinne des Wortes zu spüren. Nur ein bißchen blasser ist er in den Jahren geworden.

In dieser Beziehung muss man sagen: 65 Euro sind kein Pappenstiel (für einen angeblich handgearbeiteten Sattel), doch wenn man das auf die Jahre und Kilometerleistung umlegt und mehr als ein halbes Jahrzehnt daran Freude hat, amortisiert sich die Investition auf Dauer.