Shimanos neue 11-Gang Nabe Alfine im Test

alfineAls Shimano erstmals seine neue 11-Gang-Nabe der Öffentlichkeit vorgestellt hatte, gab es fast nur positive Meldungen. Endlich würde die Lücke zwischen der 9-Gang-Nabe von Sram und der 14-Gang-Rohloff-Nabe geschlossen. Manch ein Autor ging sogar so weit, von der neuen Konkurrenz zur Rohloff Speedhub 500/14 zu sprechen. Interessanterweise war es Shimano selbst (oder besser der deutsche Vertriebspartner) der alsbald die Euphorie bremste und die Alfine SG-5700 für (sportliche) Alltagsradler eingrenzte. In solch einem Alltagsrad von KTM haben wir die Nabe auch getestet.

Wir, dass ist ein Fahrradfahrer und eine Fahrradfahrerin. Letztere war zuvor nur mit Kettenschaltungen unterwegs gewesen und suchte den Vergleich zwischen der Rohloff und der Alfine. Zunächst wurde die Alfine getestet. Als erfahrener und begeisterter Rohloffradler war ich gespannt auf die Fahreigenschaften der neuen Nabe. Für meine Kollegin war es dagegen ein völlig neues Gefühl. Sie kam gut mit den Rapid-Fire-Schalter zurecht. Wer die Rohloff kennt oder auch die Sram i-Motion 9, kann sich zwar schnell vom Drehgriff auf Shimanos Rapid-Fire umgewöhnen. Doch schneller schalten lässt sich mit dem Drehgriff.

alfine2Die Alfine ist sehr leise, das Getriebe ist so gut wie gar ncht zu spüren oder hören. Alle Gänge lassen sich leise und leicht schalten. In keiner Position surrt oder schnarrt irgend etwas, wie man es ja von der Rohloff kennt. Dort weiß man, wann die Planeten arbeiten. Bei der Alfine schlummern die Planeten wohl sanft in ihrem Ölbad.

Die Alfine bietet ein Übersetzungs-verhältnis von 409 Prozent. Pro Schaltvorgang können maximal zwei Gänge geschaltet werden. Die Gänge 2 bis 11 haben Gangsprünge von 13 bis 14 Prozent. Ähnlich einer Kettenschaltung mit dem Mega-Range gibt es von Gang 2 zu Gang 1 einen extra Sprung um 28 Prozent.

Allerdings hilft auch dieser Sprung nicht, um einen wirklich effektiven Berggang für anspruchsvolle Bergtouren (auch mit Gepäck) zu bewältigen. Der 11. Gang ist dagegen für sportliches Fahren ausgelegt. Wie man letztendlich das Ritzel wählt (18, 20,21, 22 und 23 Rizel sind erhältlich), hängt vom Einsatzgebiet ab. Möchte ich eher im Gebirge voran kommen oder im ebenen Gelände?

Alfine_anzeige2Bei der Rohloff verhält es sich ja eher umgekehrt, der Berggang ist gut dimensioniert. Bei rasanten Fahrten wird man dagegen schnell zum Tritthansel. Nach der Alfine fuhr meine Kollegin die Rohloffnabe Probe. Ihr fiel zunächst das laute Geräusch und das in den Pedalen zu spürende Kribbeln auf. Sagte sich aber, dass man sich daran gewöhnen würde. Entscheidend für ihre Entscheidung war der Bergvergleich. Mit den 14-Gängen und einer Übersetzung von 526 % ist die Rohloff weiterhin nicht zu schlagen.

Ich schnappte mir dagegen noch ein zweites Rad mit einer Alfine, denn beim ersten Rad kamen merkwürdige Geräusche aus dem Hinterradbereich: Das Ende des Schaltzuges kratzte immer wieder am Ritzel. Doch auch beim zweiten Modell war dies nicht anders. Da der Schaltzug zur Ritzelseite verlegt wurde, kommt das Ende leicht in die Kette. Eine klare Fehlkonstruktion, die selbst, wenn der Fehler vom Werk aus vermieden wird, früher oder später auftreten wird.

alfine3markiertHier sollte Shimano also nochmal nachdenken, ob es nicht eine andere Seilführung gebe. Auch die mickrige Ganganzeige mit lediglich den Zahlen für Gang 1, 6 und 11 wird dem Anspruch an eine hochwertige Nabe nicht gerecht. Schließlich möchte man bei einem Preis von rund 450 Euro schon jederzeit wissen, in welchem Gang man sich befindet und es nicht nur ahnen.

Fazit: Die Alfine ist eine ausgreifte Nabe, die allerdings der Rohloff nicht das Wasser reichen kann (und auch nicht will). Dafür kostet sie auch in etwa nur die Hälfte. Vom Gewicht her ist sie mir 2125 rund 100 Gramm leicher als die i-Motion 9 oder die Speedhub. Ausgeliefert wird sie derzeit nur in Silber, sowie auch nur mit einer Festachse mit Muttern. Schnellspanner sucht man vergeblich, aber auch dort hat die Speedhub unter den Naben eine Sonderstellung.