Steckdose am Rad: Ladegerät für Dynamo und E-Bikes

ada_bikeconverter_neuKaum jemand hatte ja noch damit gerechnet, dass der ADA-Bikeconverter, dieses Ladegerät für Handy, iPhone , GPS und Co., doch noch in Serie geht. Die Fotos von der neuen Version war mehrere Jahre lang auf der Webseite zu bewundern, doch irgendwie wollte die Produktion einfach nicht in die Gänge kommen. Die Konkurrenz schlief in der Zeit nicht. Doch jetzt Bewegung in die Sache zu kommen.

Während in Berlin weiter getüftelt wurde, kamen die Konkurrenten gleich scharenweise mit ihren Varianten an Ladegeräten für Nabendynamos auf den Markt. Die Frage ist nun, ob sich das Warten gelohnt hat. Wir konnten einen ersten Blick auf die neue Variante werfen.

Optisch hat sich ja einiges zum Prototypen verändert (siehe ältere Artikel unten rechts), doch gleich fällt auch auf, dass die 12-Volt-Buchse verschwunden ist. Peter Braun begründet dies mit der viel zu geringen Nachfrage. Die überwältige Mehrheit wünsche sich eine USB-Buchse, sagt der Ingenieur. Nun ja, allerdings ist fraglich, ob zum jetzigen Zeitpunkt es vielleicht nicht schon notwendig ist, sich eine Nische zu suchen, und solch eine Nische könnte ein 12-Volt-Anschluss sein. Denn so ließe sich beispielsweise auch ein Ladekabel anschließen, mit dem man auch Akkus (oder auch direkt Netbooks) laden kann, die 18,4 V-Ladespannung liefern (wie beispielsweise der Minigorilla, mit dem man dann wiederum einfach ein Netbook laden kann). Mit 12-Volt kann man derzeit nur mit dem E-Werk von Busch & Müller (Bastelarbeit notwendig) und dem Forumslader laden.

ada_Bikeconverter_zubehoerAuch fällt auf, dass der ADA-Bikeconverter über keinen eingebauten Akku mit großer Kapazität verfügt. Hier hat ja selbst Busch & Müller es eingesehen, dass dies auf Dauer die bessere Variante ist und bietet auch einen Extraakku (wenn auch für viel Geld) an. Der Bikeconverter ist aber schon serienmäßig einen kleinen Pufferakku mit 150 mAh, also nichts, um wirklich abends die Geräte im Zelt aufzuladen. Die Kapazität wird auch bei einigen stromfressenden Smartphones bereits zu gering sein, um eine stromlose Zeit bei einem etwas längeren Stopp zu überbrücken. Übliche Geräte wünschen eine Stromaufnahme von 300 bis 500 mAh. Peter Braun hält die 300 mAh zu gering. 450-500 mAh bei etwa 15-20 km/h sollten es schon sein, sagt der Erfinder. Und in der Tat "saugen" so manche modernen Geräte auch 700 mAh. Der ADA liefert laut Hersteller 800 mAh (zum Vergleich der Zzing kommt auf 500 mAh).

So wird es mit den meisten Ladegeräte arg eng werden, neuere Geräte auch wirklich aufgeladen zu bekommen. (den Zzing gibt es deshalb seit neuestem auch als Smartphone-Edition für 99 Euro). Womit wir schon bei den Werbeversprechen und den Schwierigkeiten eines objektiven Vergleichs sind. Meist wird irgendein Ladestrom angegeben, oft auch geworben, dass man bereits ab 10 km/h sein Handy oder GPS aufladen kann. Allerdings wird selten darauf hingewiesen, mit welchem Dynamo, an welchem Rad (26 oder 28-Zoll-Rad zum Beispiel) und mit welchem Verbraucher die Aussage passt.

Andreas Oehler, Maschinenbauingenieur beim Fahrradbeleuchtungshersteller Schmidt Maschinenbau ("SON"), hat die gängigen Ladegeräte für das Onlinemagazin Fahrradzukunft.de unter die Lupe genommen. Der Test ist aufschlussreich (und es lohnt sich ein Besuch der Seite) und zeigt doch auch, dass man sich auf die Versprechungen der Hersteller nicht verlassen sollte.   

Grafik Copyright: Fahrradzukunft.deIn folgender Grafik sieht man, dass alle untersuchten Ladegeräte ab etwa 25 km/h kaum noch an Leistung zulegen und sich zudem sehr stark annähern. Wobei in der Grafik auch auffällt, dass der "ThePlug" von Tout Terrain überhaupt erst bei 20 km/h zu laden beginnt. 

Peter Braun präsentierte nun bei einem Pressegespräch mit Fahrradtest.de eine überarbeitete Grafik, in der sein neuer ADA eine deutlich steilere Kurve zeigen soll. Laut Aussagen von Braun leistet das neue Gerät 5,5 Watt bei etwa 25 km/h. Das wäre, sollte es stimmen, ein Knaller sein, oder um es vornehmer auszudrücken: das wäre ein klarer Wettbewerbsvorteil, denn es würde die Leistung im Vergleich zu allen auf dem Markt erhältlichen Ladegeräten nahezu verdoppeln (siehe Grafik). Wobei Braun auch darauf hinweist, dass zuviel Leistung auch nicht unbedingt bedeute, dass auch viel Energie vom (Handy)Akku aufgenommen werden könne. "Ökonomischer ist es mit 20 km/h bergab zu fahren, als mit 40 km/h, weil dadurch der Ladevorgang verlängert wird", erklärt Braun. 

Weshalb beim ADA nur ein kleiner Pufferakku eingebaut ist, begründet der Hersteller mit dem hohen Verlust an Energie, wenn die Energie erst in einem "Zweitakku" zwischengespeichert werde. Wer trotzdem ein Ladegerät mit Akku bevorzugt, muss entweder zum E-Werk mit Akku (für lockere 150 €) oder aber zum (dafür auch erheblich) schwereren Zzing (220 g) greifen (79 bis 99 €). 

Doch auch der Bike-Converter lässt sich mit Akkus aufrüsten. Peter Braun bietet als Zubehör für knapp zehn Euro einen USB-Ladegerät für AA und AAA-Akkus an. Diese könnte man also unterwegs laden, um dann einen anderen Verbraucher (zum Beispiel mittels dem Ladegerät Gomadic aufuzladen).

Der ADA wiegt übrigens 120 Gramm. Bei einer Kaufentscheidung auch berücksichtigen sollte man die Leerlaufleistung. Also den Eigenverbrauch der Geräte, auch wenn kein Verbraucher angeschlossen ist. Peter Braun gibt für den ADA maximal 30 mW an. Der ADA lässt sich übrigens auch parallel bei angeschlossener LED-Beleuchtung betreiben. Auch hier müssen viele Konkurrenten passen. Darüber hinaus eignet er sich fürs Aufladen an konventionellen Dynamos wie zum Beispiel dem Seitenläufer AXA HR Traction (wenn auch mit verminderter Leistung).

Wer auch ein Boot, ein Auto oder Motorrad besitzt, kann mittels Adapterkabel für die Zigarettenanzünderdose auch dort das Gerät einstöpseln.  Der ADA funktioniert übrigens auch mit iPhones (diese Geräte sind nämlich sehr stur was Fremdladen betrifft). Das Laden am iPhone kostet nicht extra (die derzeit noch erhältliche Sonderedition für iPhones wird bald mit der "normalen" zusammengelegt), das Ladekabel fürs Auto oder Motorrad jedoch schon (8,30 €). Der ADA selber soll in der Universalvariante in Zukunft 68 € plus Versand kosten. Zu beziehen ist er derzeit nur über die Webseite des Herstellers.