Veloberlin auf Erfolgskurs? Ein Messerundgang

VeloBerlin- Anfassen, Staunen, Testen, Kaufen Foto: Ulf HoffmannDas Ziel eines Messeveranstalters muss es sein, in die Verkehrsnachrichten zu kommen. Das hat die VeloBerlin in diesem Jahr geschafft. Inforadio warnte vor erhöhtem Verkehrsaufkommen wegen der VeloBerlin. Schöne Gratiswerbung, drei Mal pro Stunde. War es berechtigt? Nö! Jede Menge Parkplätze. Hat es was gebracht? Wohl kaum, aber da müssen wir die offiziellen Zahlen abwarten. Aber vielleicht war das Wetter ja zu gut.

Dabei stand ja für die Veranstalter schon vorher fest, dass es sich bei der VeloBerlin um die größte Fahrradpublikumsmesse Deutschlands handelt. Ah - halt, wir fallen darauf nicht rein, aber geschickt, geschickt, meine Herrschaften, denn der Satz lautet ja komplett: "die größte Fahrradpublikumsmesse Deutschlands zum Saisonauftakt". Nun ja, nun glaube ich ja sowieso nur der Statistik, die ich selber gefälscht habe. Aber wenn Deutschlands größte Fahrradpublikumsmesse (ja leider haben dies so viele Medien transportiert) 15000 Besucher hat, dann scheint das Trendgerät Fahrrad bei der breiten Masse der Bevölkerung noch nicht angekommen zu sein. Aber in der Form kann man natürlich alles zur größten Messe erklären.

VeloBerlin- Anfassen, Staunen, Testen, Kaufen Foto: Ulf HoffmannDabei kamen zur Fahrrad Essen Ende Februar insgesamt 80.000 Besucher, jedenfalls schreiben dies die Veranstalter: "80.000 besuchten die größte Fahrradmesse Nordrhein-Westfalens". Okay, ist ja keine reinrassige Fahrradmesse, denn sie läuft unter der Dachmarke "Die Urlaubswelt. Reisen. Campen. Radfahren". Aber immerhin 27 Prozent der Besucher sollen nur wegen der Fahrradmesse gekommen sein. 80.000, davon 27 Prozent macht 21.600 Besucher. Wie war das mit der größten Fahrradpublikumsmesse Deutschlands zum Saisonauftakt....?

Und übrigens, zur Eurobike 2013 in Friedrichshafen kamen an nur einem Tag (nämlich dem Publikumstag) 20.400 Besucher. Nun ist die Messe Friedrichshafen auch Veranstalter der VeloBerlin, weshalb die bestimmt einen langen Atem haben, wenn es darum geht, wirklich Deutschlands größte Publikumsmesse zu veranstalten. Man könnte ja die Eurobike zur reinen Fachmesse machen und das Publikum ein halbes Jahr später nach Berlin locken. Aber dann müsste natürlich auch das Who-is-Who in Berlin anwesend sein. Die 250 Aussteller dieses Jahr können nur der Anfang gewesen sein. Vielleicht in 10 Jahren wird dann Berlin zum Mekka aller Radfahrer. Platz genug wäre, denn das Messegelände bietet 160.000 qm, und dazu auch noch 100.000 qm im Freigelände. Da könnte man richtig was gutes draus machen, mit Strahlkraft für die Republik, fürs nahe Polen und die skandinavischen Länder.  

VeloBerlin- Bambusrad Foto: Ulf HoffmannAber es gab durchaus etwas zu bestaunen in den Messehallen. Sehr sehenswert war Halle 13 (VELOart), die eigentlich nicht mehr als eine kleine runde Zwischenhalle ist. Doch dort waren die Innovationen versammelt. An den Ständen von SON und Rohloff wurde gedrängelt, nebenan gab es Fahrräder aus Bambus (Bikedubes). Räder aus Holz konnte man auch am Stand von Faserwerk besichtigen.  Es gab richtig schicke Kunstwerke aus Fahrradteilen. Mehr davon! Fahrradkunst VEloBerlin Foto: Ulf HoffmannHalle 13 war so etwas wie eine kleine Berliner Fahrradschau (BFS). Ich weiß, beide, BFS und VELOBerlin sind genervt ständig auf die andere Messe angesprochen zu werden. Aber wenn zwei Fahrradmessen gleich hintereinander an zwei Wochenenden stattfinden, liegt das ja nahe einen Vergleich zu ziehen. 

neue Sichelspeichen Foto: Ulf HoffmannAuf der VELOBerlin konnte getestet und gekauft werden. Es gab sehr viele Probestrecken, und jede Menge Rabatte, wobei wenn ich richtig geschaut habe, "Das Radhaus" in dieser Beziehung den Rivalen "Stadler" schlug: 20 % auf alles gegen 10 % Messerabatt. Das mit dem Schauen, Testen, Kaufen, ist natürlich ein bisschen schwierig, denn man muss sich im Klaren darüber sein, was will man sein: Eine Art Frühlings-Importshop für Fahrradfahrer (für alle Nicht-Berliner: Der Importshop ist eine sehr erfolgreiche Verkaufsmesse kurz vor Weihnachten unter dem Funkturm, wo man tolles Handwerk und Weihnachtsgeschenke aus aller Welt kaufen kann und Sachen sieht, die man sonst nirgends bekommt) oder will man eine Messe mit Neuigkeitsüberblick. Beides ist die VELOBerlin bisher nicht. Dabei kommen immer mehr Hersteller auf die Messe, so dass die Händler mit ihrem bunten Potpourri nicht mehr so sehr auffallen.

Ansonsten war die Messe langweilig. Und man war schnell durch. Das lag aber auch daran, dass es viel Platz gab und bis auf Mini-Halle 13 eben auch kein Gedränge herrschte. Und so lange eine Fahrradmesse kleiner ist als Stadler in Prenzlauer Berg (13.000 zu 16.000 qm) fahren die meisten wohl zu Stadler und erzeugen dort den Stau. 

Nachtrag (1.4.20149:

Mittlerweile liegt der Abschlussbericht vor. Demnach kamen laut Veranstalter an den zwei Messetagen 12.000 Besucher, also etwas weniger als 2013 (13.000 Besucher), aber immer noch mehr als 2012, wo es nur 9500 waren. In der Pressemitteilung heißt es weiter: 

"Die VELOBerlin festigt ihren Platz als größte Fahrradpublikumsmesse in Deutschland zum Start in die Saison und bleibt mit rund 13 000 qm Austellerfläche und 12 000 Besuchern – nach der Fachmesse EUROBIKE die größte Fahrradmesse Deutschlands zum Saisonstart." 

P.S. Die Berliner Fahrradschau hat bisher (1.4.) keine Besucherzahlen für 2014 vorgelegt.