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Scheibenbremsen: Diese Scheibe ist ein Hit

Man kann zu Aldi stehen wie man will. Doch wenn der Discounter etwas ins Programm aufnimmt, dann hat es die Trendphase bereits durchschritten und ist massenkompatibel geworden. Wenn also zwischen Bananen und Bettwäsche ein vollgefedertes Mountainbike mit Scheibenbremsen verkauft wird, dann ist das vielleicht kein gutes Rad, aber ein guter Hinweis darauf, dass auch weniger technikbegeisterte Zeitgenossen und viele Gelegenheitsradfahrer an der neuen schicken Bremse Gefallen finden.

 

Doch trotz der vielen in diesem Frühjahr mit einer Scheibenbremse als Eyecatcher verkauften Billigbikes, kann man immer noch mit der glitzernen Scheibe angeben. Bisher machen dies vor allem coole Jungs auf Bike-Festivals oder (mit den Billigbikes) Nachwuchsprolls vor der Eckkneipe von "Rosi und Heinz". Aus der tönt dann der Song: "Diese Scheibe ist ein Hit! Wann bekommt ihr das endlich mit? Diese Scheibe müsst ihr koofen, denn es ist eine Scheibe für die Doofen". Es gibt gute Gründe langfristig das Feld nicht denjenigen zu überlassen, die nun anstatt ihres Kampfhundes ein High-Tech-Rad mit Scheibe Gassi führen. Grund Nummer Eins: Die immer noch sehr teure Technik hat zumindest in den vergangenen Jahren ihre Kinderkrankheiten kuriert oder - auch schon für die Verhältnisse in weiten Teilen der Fahrradbranche beruhigend - man konnte sie mittlerweile wenigstens eindeutig diagnostizieren. Grund Nummer Zwei: Die Bremsen sind einigermaßen bezahlbar geworden, wenn auch gute Technik in etwa soviel kostet, wie der Durchschnittsbürger für ein Fahrrad ausgibt. Grund Nummer Drei: Die Scheiben bremsen einfach bei Nässe besser und auch die Felge wird nicht weiterhin Stück für Stück in feinen Staub zerbröselt.

Aber auch gegen die Scheibe spricht einiges: Nicht zwangsläufig bessere Bremsen, mehr Gewicht, komplexere Technik, und wer sowieso nur mal im Sommer bei Sonnenschein zum Biergarten radelt, kann auf die Discs auch verzichten. Der Einbau ist nicht gerade einfach. Eigentlich lohnt sich deshalb der Umstieg nur bei einem Fahrradneukauf.

Nun bedeuten die Angebote aus dem Supermarkt nicht automatisch, dass die Technik ausgereift ist. Seitdem mehr Scheiben verkauft werden, häufen sich auch die Probleme durch beispielsweise gebrochene Gabeln. Nicht jeder Fahrradhersteller arbeitet so gewissenhaft, dass die Fertigungstoleranzen ein späteres Schleifen der Bremssättel ausschließt. Zwar kann es immer wieder zu heißgelaufenen Bremssystemen (und damit zum Totalausfall der Bremse) kommen, jedoch eigentlich weniger im Normalbetrieb. Am ehesten bei rasanten Bergabfahrten. Es ist vielmehr die generelle Nachlässigkeit seitens der Hersteller, dem Trend schnell folgen zu müssen und auch noch ein Rad mit Scheibe ins Programm zu nehmen.

Bis vor kurzem wurde sowieso eher gebastelt als gebaut. Denn erst seit vergangenem Jahr existiert der so genannte internationale Befestigungsstandard (IS-2000), der es ermöglicht, verschiedene Gabeln und Rahmen mit den einzelnen Produkte zu kombinieren. Bis dato wurstelte jeder so wie er wollte. Nicht kompatibel bleiben auch nach der Einigung Manitou-Gabeln, die eine eigene Aufnahme der Bremstechnik haben (Postmount-Standard) und Coda-Scheibenbremsen, die nur an Coda-Naben passen. Generell ist also die Angleichung zu begrüßen, wenn auch in der Übergangszeit manch einer dumm aus der Wäsche guckt, denn nicht alle Produkte von 1999 sind mit denen von 2000 kombinierbar.

Seitdem Shimano Scheibenbremsen im Programm hat, statten auch immer mehr Hersteller ihre Räder wenigstens mit der serienmäßigen Aufnahmemöglichkeit zur Nachrüstung von Scheibenbremsen aus. Bereits heute ist dies ein Verkaufsargument. Oft sieht man zwar den guten Willen der Hersteller, nur der Verstand war nicht ganz bei der Sache. So fehlen nicht selten Ösen zur Aufnahme der Bremsleitungen und die Stahlflexleitungen (serienmäßig bei Shimano, optional bei Magura) scheuern ohne Aufhängung schnell den schicken Lack vom Rahmen. Shimanos gute Disc war sicherlich der Eisbrecher für die neue Bremstechnik, wenn auch andere, wie Magura jahrelang Pionierarbeit geleistet haben.

Scheibenbremsen bekommt man mechanisch, also in der mit einem simplen Seilzug ausgestatteten Variante oder mit einem hydraulischen System. Shimano, Hayes und Avid bieten sowohl mechanische als auch hydraulische Bremsen an. Magura hat nur hydraulische Systeme im Angebot. Andere sind nicht soweit und setzen deshalb (auch) auf den guten alten Bowdenzug. Dieser hat den Vorteil, dass er Einsteigern den Umstieg erleichtert ("kenn´ ich") und bei einem verstellbaren Bremshebel auch der Druckpunkt frei gewählt werden kann. Allerdings muss man die Belege manuell nachstellen, etwas, was bei hydraulischen Systemen automatisch möglich ist. Mechanische Bremsen sind ein wenig preiswerter. Allerdings kostet auch eine Seilzugscheibenbremse immer noch mehr als eine gute V-Brake. Für die Felgenbremse spricht neben dem geringeren Preis auch das immer noch geringere Gewicht. Wiegt eine V-Bremse aus der XT-Gruppe von Shimano 340 Gramm (230 Mark) so bringt die XT-Disc 442 Gramm auf die Waage (und kostet auch fast das Doppelte). Für eine mechanische Scheibenbremse spricht eigentlich nur die Optik. Wenn man sich also für eine Scheibenbremse entscheidet, dann sollte es eine hydraulische sein.

Viele Radfahrer haben vor der Hydraulik und möglichen Ausfällen Angst. Auch liest man immer wieder etwas von geplatzten Schläuchen, bei Abfahrten heißgelaufen Ölsystemen und Ölleckagen. Die Schwellenangst verfliegt, wenn man einmal gezeigt bekommen hat, wie einfach und schnell sich so eine Hydraulikbremse warten lässt. Wie leicht man das Öl wechseln und entlüften kann.

Wobei, darauf verweist auch Magura in seiner Betriebsanleitung, das "Entlüften beziehungsweise Befüllen keine routinemäßig durchzuführende Tätigkeit" ist, denn das verwendete "Magura Blood Hydrauliköl zieht im Vergleich zu Bremsflüssigkeit kein Wasser und unterliegt keiner Alterung. Entlüften ist ergo nur notwendig bei unkorrekter Montage oder Leitungstausch nach Beschädigung".

Neben den Magurabremsen benutzt auch Shimano als Bremsmedium Mineralöl, das nicht nur wartungs-, sondern auch umweltfreundlicher als Bremsflüssigkeit ist. Allerdings dehnt es sich unter Wärme im Vergleich zu einer Bremsflüssigkeit stärker aus, weshalb die Bremsen einen Ausgleichsbehälter haben sollten.

Viel Wartung ist bei diesen Modellen nicht erforderlich. Jedenfalls, wenn die Scheibenbremse vom Werk oder vom Händler gut eingestellt worden ist. Schon geringe Toleranzen können jedoch zur Verzweiflung führen. Besonders spürbar ist das (und durch ständige Schleifgeräusche) auch hörbar, wenn man erst später nachrüstet und viele Unterlegscheiben benutzen musste. Bei einer Nachrüstung sollte man sich auf jeden Fall fachmännischen Rat holen und durchrechnen, ob sich nicht ein Fahrradneukauf eher lohnt. Besonders kritisch sollte man notwendige Anbauteile begutachten. Magura beispielsweise warnt vor der Verwendung von Adaptern von Tuningherstellern und schließt in diesen Fällen eine Haftung aus.

Das deutlich besser zupackende Gefühl (vor allem auch bei Nässe) verursacht natürlich auch enorme Kräfte, die irgendwo bleiben müssen. Eine Scheibenbremse belastet Gabel, Rahmen, Nabe und Laufrad. Eine Aufrüstung kann deshalb kostenintensive Umrüstungen oder Brüche zur Folge haben. Robuste Laufräder sind notwendig, denn eine Scheibenbremse belastet die Speichen deutlich stärker als eine Felgenbremse. Die Speichen sollten dreifach gekreuzt sein, und mindestens 32 Speichen pro Laufrad aufweisen (besser sogar 36 und Doppeldickend-Speichen verwenden). Das Laufrad darf auf keinem Fall radial eingespeicht sein. Nicht jeder Rahmenhersteller erteilt auch die Freigabe für die Montage einer Scheibenbremse, wenn auch für rund 80 Mark mittlerweile Adpater auf dem Markt sind (z.B. von A2Z), die einfach ans Ausfallende angeschraubt werden. Es sollten auch immer nur komplette Systeme eingebaut werden und nicht Teile verschiedener Hersteller oder Modelltypen kombiniert werden. Nicht ganz unwichtig sind auch Folgenkosten für Bremsschläuche und Bremsbeläge. In punkto Haltbarkeit und Preis-Leistungs-Verhältnis gibt es nämlich große Unterschiede.

Der Boom hat dieses Jahr auch zur Folge, dass bald besonders in dem auf reine Optik setzenden Low-Budget-Bereich so manches zu Bruch gehen wird. Denn immer mehr Firma (besonders aus Fernost) bieten wenig vertrauenserweckende Produkte an. Trotz der attraktiven Preise (von rund 200 Mark für ein Paket fürs Vorderrad) sollte man zu den oft doppelt so teuren Markenprodukten greifen. Auch bei den guten Herstellern steigt die Auswahl. Rund ein Dutzend Anbieter bieten vielleicht 30 verschiedene Modelle an. Ganz vorne bremsen Magura, Shimano und Hayes. Bei diesen ist nicht nur die Ersatzteilversorgung gesichert, sondern die Fahrradmechaniker kennen auch die Tricks zur Justierung. Denn ein schleifender Bremssockel ist leider eher noch der Normalfall als die Ausnahme. Aber so ist das mit neuen Techniken, die sich erst noch breitenwirksam durchsetzen müssen. Die Scheibe ist noch lange kein Hit.

Tipps zu Scheibenbremsen:

1.Eine neue Scheibenbremse muss eingebremst werden, um ihre volle Wirkung entfalten zu können. Magura empfiehlt rund 30 Vollbremsungen aus 30 km/h. Alternativ kann man aus Sicherheitsgründen auch 60 Mal einfach leicht abbremsen.

2. Scheibenbremsen sind teuer. Doch wer auf mechanische Scheibenbremsen setzt, spart an der falschen Stelle. Hydraulische Bremsen sind die erste Wahl, denn ihre Vorteile sind wenig Wartung und keine Kraftverluste durch Reibung. Ersatzbeläge kosten zwischen 20 und 40 Mark.

3.Beim Ölwechsel unbedingt eine Ölverschmutzung der Bremsscheibe vermeiden, eine ölverschmutze Scheibe eignet sich nur noch zur Dekoration.

4. Beim Entlüften oder Ölwechsel das System von unten nach oben entflüften. Ohne Montageständer ist dies nicht so einfach möglich.

5. Wartungsarbeiten sollte man nur mit dem vom Hersteller mitgelieferten Kits durchführen.

6. Jeder Hersteller schwört auf sein Öl. Danach sollte man sich auch richten, um Schäden auszuschließen. Allerdings funktioniert die Bremse zur Not auch mit anderem Öl.

7. Die Schnellspannachsen sollten aus Stahl sein, weil sonst die beim Bremsen auftretenden Kräfte zu Unfällen führen können.



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