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Radreise: ich will darüber schreiben - lohnt sich das?

Deutschlands großer Radreiseführerverlag residiert in einem Einfamilienhaus vor den Toren einer großen Stadt. Der Verlag besteht aus einer Person. Noch nicht einmal eine Sekretärin hat dieser Verlag, den man nur über unbefestigte Wege, die an Weißrussland oder noch weiter weg erinnern, erreicht.

Reiseführer sollen Fernweh erzeugen, doch ohne ausreichende Kapitaldecke ist dies wohl nicht möglich. Kleinunternehmer, die sich Verleger nennen, oft als Mitschwimmer in der Ökozeit in irgendwelchen mit Sonnenblumen bepflanzten Hinterhöfen entstanden, kämpfen ums Überleben und machen in manchen Monaten weniger Umsatz (!) als eine Kassiererin bei Aldi netto verdient.

Dass so die Produkte, also Bücher, auch billig daher kommen ist kein Wunder. Manch ein Verlag hat eine Einnahmequelle entdeckt, mit der man zumindest unerfahrenere Radfahrer abzocken kann. Da werden dann Reiseberichte eingekauft, für ein paar Cent die Zeile. Die Fotos bekommt man für 5 Euro das Stück. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass man als Autor als erstes einen Knebelvertrag unterzeichnen muss, der einem das letzte Recht am eigenen Hemd beziehungsweise eigenem geistigen Gut beraubt. Dem Verlag stehen nach Veröffentlichung beispielsweise in einem (verlagseigenen) Fahrradreisemagazin sämtliche Wege offen, den Artikel zu versilbern. Die Rechte gelten weltweit: für Buchprojekte, Sonderhefte, Übersetzungen, elektronische Verwertungen, Internet, Werbemaßnahmen etc. Dem Autor bleiben in paar Euro Honorar, die manchmal noch nicht einmal die Unkosten für Strom und Papier decken. Viele Unerfahrene werden mit ihrem ersten veröffentlichten Artikel oder Buch geködert. Wenig Geld, noch weniger Rechte, aber jede Menge Pflichten, so lässt sich das Verlagswesen in der Fahrradreisebranche zusammenfassen.

Weshalb es in Deutschland keinen starken Reiseführerverlag gibt, der der alten 68er-Riege mal so richtig Dampf macht, ist nicht so ganz nachzuvollziehen. Immer mehr setzen sich aufs Rad, auch außerhalb von Deutschland. Doch die angebotenen Bücher sehen oft so aus, als seien sie auf dem Stand stehen geblieben, als in Berlin hinter der Mauer noch so manches Blümchen im Windschatten des Kapitalismus blühte.

Die Welt hat sich verändert, nur die Reiseführerverlage haben es nicht mitbekommen. Jedenfalls die meisten. Es ist auch schwierig. Schließlich ist Reiseführerschreiben (meist) ein Zuschussgeschäft, da fragen vor allem Möchtegernschreiber an, die sich um einen Vertrag mit den Worten bemühen: "Ich fahre gern Rad und bereise demnächst für vier Wochen Lummerland. Ich könnte deshalb für sie einen Radreiseführer verfassen".

Entsprechend schlecht ist es um die Riege der Autoren bestellt. Man hat so ein wenig den Eindruck, dass vieles, was von professionellen Redaktionen bei Tageszeitungen und Zeitschriften aus berechtigten Gründen abgelehnt wird, oft als Exposé bei manch einem Verleger landet. Der greift dann gern zu. Es muss ja nicht immer ein Buch draus werden, für eine Reisereportage reicht das Material à la "mein schönstes Ferienerlebnis" allemal. Willkommen beim Schüler-, Studenten- und Hausfrauenjournalismus...

Es ist nicht auszuschließen, dass so manch ein Verlag die Politik betreibt: Autor ausbeuten, bis dem das auffällt, dann vergraulen, um in Eigenregie die Bücher weiterführen zu können. Nur so kann offensichtlich so manch ein Ein-Mann-Verlag oder auch Ehepaar-Unternehmen überleben. Viele Autoren haben von dem, über das sie schreiben auch keine Ahnung. Zum Reiseführerautor gehört eine Menge Erfahrung. So mal kurz eine Runde mit dem Fahrrad zu drehen, damit ist es nicht getan. Es gibt ein paar Ausnahmen, die wissen, wie das Geschäft funktioniert. Die keine 20 Jahre alte Skizzen in ihren Büchern veröffentlichen, sondern vierfarbige Karten, die den Fahrer leiten.  Rühmliche Ausnahme ist ein Verlag in Österreich. Passendes Format für die Lenkertasche, farbiger Druck, ständige Aktualisierung. Ansprechendes Marketing. Andere, die es richtig gemacht haben, wie ein großer australischer Verlag, der mit Radreiseführern weltweit auf den Markt kam, hat sich wieder zurückgezogen. Es hat sich wohl nicht gelohnt, trotz internationaler Ausrichtung.

Natürlich hat die Recherche für eine Radreiseführer seinen Preis. Alles mit dem Rad zu erkunden, das dauert und dauert. Wer allerdings immer noch glaubt, Fahrradfahrer seien arme Schlucker und würden nur deshalb im Urlaub Radfahren, weil sie sich den (Miet)Wagen nicht leisten können, irrt gewaltig. Es gibt Firmen, die leben sehr gut davon, Radreisenden Tausende von Euro aus der Tasche zu ziehen, um outdoorgerüstet zu sein.

Wir warten weiter auf die richtig gute Radreisereportage im Stil und Qualität einer Mare-Reportage, mit Print- und TV-Vermarktung. Wir warten weiter auf den großen Marktdurchbruch, machen doch immer mehr Deutsche Urlaub mit dem Rad.

 

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