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Wintersport auf Rollen: der Heimtrainer

 Eigentlich tritt niemand gerne auf der Stelle, doch immer mehr machen dies sogar freiwillig: auf dem Heimtrainer. Die Vorzüge des Geräte liegen vielleicht im Zeitgeist der 90er Jahre begründet. „Cocooning“ nannte Faith Popcorn, amerikanische Trendforscherin, die Tendenz der Wohlstandsländer sich daheim bei Familie und Fernseher zu vergraben und auch die Pizza nach Hause zu bestellen.

Logische Konsequenz: Auch für den Sport verläßt man nicht die eignen vier Wände. So ein räderloses Fitneßgerät kommt einem dabei sehr entgegen: Man kann gleichzeitig Fernsehen schauen, telefonieren und auch noch etwas für die Gesundheit tun. Die Entscheidung für das Standfahrrad fällt deshalb meist spontan beim Blick auf den Bierbauch. Oder, weil das Sonderangebot für 250 Mark morgen schon ausverkauft sein könnte. So mancher greift dann schnell zu und prompt daneben. Denn zu viel darf man von dem stählernen Trainer nicht erwarten. Jedenfalls, wenn er nicht viel kosten darf. Der anfängliche Spaß ist in diesem Fall bald verflogen, der Bauch nicht und der Keller wird zum Endlager des Fitneßgedankens. „Die meisten dieser billigen Hometrainer werden wieder umgetauscht oder landen in einer Ecke“, weiß Achim Berger vom gleichnamigen Fahrradgeschäft in Rudow zu berichten. Der Juniorchef rät deshalb gleich zu hochwertigen Geräten, die man vorher aber ausgiebig testen sollte.

Nur mit einer Probefahrt läßt sich feststellen, ob die persönlichen Ansprüchen an den Heimtrainer auch befriedigt werden. Entweder man übt eine Weile im Sport- oder Fahrradgeschäft oder geht in ein Fitneßstudio. Dort kann man meistens kostenlos ein Probetraining absolvieren und auf diese Weise nicht nur testen, wieweit diese Art der körperlichen Ertüchtigung einem überhaupt zusagt, sondern auch beurteilen, ob man nicht doch lieber das Geld für eine Mitgliedschaft in einem Fitneßclub ausgibt. Denn auch die Studios haben das Trockenradfahren neu entdeckt. Allerdings nennt man es dort nicht einfach „Hometrainerfahren“, sondern zeitgeistgerecht „Spinning“: Ein Trainer, eher in der Rolle des Animateurs, und eine Gruppe schwitzender Leiber treten bei fetziger Musik in die Pedale, und zwar so als würde ein Bär hinter ihnen herjagen.

Normale Geräte eignen sich allerdings für diesen Sport überhaupt nicht. Die Industrie hat reagiert und eine neue Genereration von Geräte entwickelt, die nicht nur preislich an ein Straßenfahrrad heranreichen (1000 bis 2000 Mark). Denn ausgestattet sind sie mit allerlei Elektronik, einem Triathlonlenker und einer sehr viel angenehmere, stufenlos verstellbarer Sitzposition (Kettler Racer oder Schwinn Spin für je 1000 Mark). Bei Billigtrainern verliert der Sattel schon mal plötzlich an Höhe, wenn man zu sehr in die Pedale tritt. Auch läßt sich bei den Standardgeräten nicht der Abstand zwischen Sattel und Lenker verstellen. Eine Grundvoraussetzung für angenehmes Radeln. Beim Kettler Racer erfolgt der Antrieb über eine Kette, die ein großes 18-Kilogramm-Schwungrad bewegt. Der Lauf kann durch Backenbremsen stufenlos erschwert werden. Im Gegensatz zu den Geräten für ein paar hundert Mark, die nur wenig Einstellmöglichkeiten bieten.

Dem Verbraucher wird die Entscheidung nicht gerade leicht gemacht, welches Modell nun das richtige ist. Auch die drei DIN-Klassen A, B und C bringen wenig Aufschluß. Klasse A eignet sich für therapeutische Anwendungen auf ärztlichen Rat. Die oberste Kategorie hat allerdings ihren Preis (ab 1000 Mark). Vor allem für den Radler, der sich im Winter ein wenig betätigen will, ist die Klasse B gedacht. Diese Geräte kosten zwischen 400 und 1000 Mark und demnach sehr unterschiedlich in ihrer Qualität. Die unterste Klasse C ist eher etwas für Anfänger, die wenig Ansprüche haben.

Die Stiftung Warentest hat vor rund zwei Jahren (Heft 10/95) 13 Standfahrräder der B- und C-Klasse getestet. Ein Test, der auch heute noch Gültigkeit hat, da ein Großteil der Modelle nach wie vor im Handel erhältlich ist. Die Experten gaben damals nur drei Geräten das Urteil „gut“ (BH Pro Action für 800 Mark, Kettler Astra für 600 Mark und Kettler Stratos für 1000 Mark). Sieben erhielten ein „zufriedenstellend“ und drei ein „mangelhaft“.

Die Note „mangelhaft“ gab es in solchen Fällen, wenn der Hometrainer keine ausreichende Standfestigkeit zeigte. Ein durchaus wichtiges Kriterium. Doch beim Kauf sollte aber noch auf einige weitere Punkte achten: Läuft der Antrieb rund? Vor allem bei höheren Belastungen werden sonst immer wieder kurzzeitig bestimmte Muskelpartien überbeansprucht. Wie fein läßt sich die Bremse einstellen? Magnetbremsen sind hierbei herkömmlichen Bandbremsen deutlich überlegen. Wie laut ist das Gerät in Betrieb? Kann man es zusammenklappen oder wenigstens einfach hin- und herschieben? Wie bedienungsfreundlich ist das Display am Lenker, auf dem mittels eines Magneten Daten wie Geschwindigkeit, Strecke und Zeit übermittelt werden? Gibt es als Zubehör einen Pulsmesser? Völlig unbrauchbar, so die Warentester, sind allerdings Kalorienangaben. Der Kalorienverbrauch hängt von vielen subjektiven Bedingungen ab, „als daß man ihn losgelöst vom jeweils Trainierenden einfach von der Drehzahl ableiten könnte“.

Alternativ zum Hometrainer gibt es Rollentrainer. Diese Geräte sind sehr klein zusammenklappbar. Allerdings braucht man für den „Rolli“ ein Fahrrad. Dieses spannt man in einen Ständer und los geht die Fahrt. Es gibt sehr unterschiedliche Geräte auf dem Markt, die zwischen 200 und 1000 Mark kosten. Die Profigeräte verfügen dann allerdings auch über etliche Computerfunktionen, Trainingsprogramme und sogar eine Druckerschnittstelle (Tacx Cycleforce Excel). Einige Modelle bestehen aus drei Rollen, auf denen man mit dem Fahrrad ohne Halterung üben kann (Minoura Mag Roller, 499 Mark). Was sehr schwierig ist und nur mit viel Mühe gelingt, dann aber echtes Fahrgefühl vermittelt. Einen Haltebügel bietet der Drei-Rollentrainer von Tacx (ab 200 Mark). Großer Vorteil dieser Rollentrainer: Der an der Vorderradgabel montierte fahrradeigene Tacho kann weiterbenutzt werden, da ja beide Räder rollen.

Im Gegensatz zu den meisten Varianten, die angeboten werden. Denn dort dreht sich alles um das Hinterrad. Dieses läuft auf einer Rolle oder Walze, die über einen Schalter, den man am Lenker montiert, in ihrem Widerstand eingestellt werden kann(Beispiel Minoura Mag Fellow, 299 Mark). Das Hinterrad wird fest verankert, so daß man nicht umfallen kann. Entscheidender Nachteil dieses Typs: Dadurch, daß die Rolle direkt auf den Reifen wirkt, wird der Schmutz vom Rad kräftig durch die Wohnung gewirbelt, und mit Stollenreifen brauch man aufgrund der extremen Reibung das Training erst gar nicht beginnen.

Wer also etwa im Winter ein wenig zusätzlich zu Hause trainieren möchte, aber trotzdem nicht auf das richtige Radfahren verzichten möchte, müßte immer wieder den hinteren Reifen gegen einen Slick austauschen. Das kostet Zeit, so daß recht schnell der Spaß verfliegt und auch dieses Gerät in den Keller wandert.

Ein neuer Trainer (Minoura InterRim RDA, 399 Mark) umgeht dieses Problem, indem der Widerstand beidseitig auf die Felge ausgeübt wird, also unabhängig vom Reifentyp. Allerdings lassen die Bremskräfte keine Simulation für Bergfahrten zu, so die Zeitschrift „bike“, die in der Novemberausgabe sechs Geräte getestet hat. Trotzdem scheint dieser Weg in Zukunft der sinnvollste zu sein.

Alle Rollentrainer haben gemeinsam, daß man auf ihnen nicht heimlich üben kann. Denn sie surren ähnlich wie ein Dynamo, nur erheblich lauter (zwischen 68 und 74 Dezibel). Wie laut das ist, wird einem schon der Nachbar sagen, wenn er sich genervt fühlt.

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