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Runter vom Fernsehsessel, rauf aufs RTL-Rad

Es ist uns nicht bekannt, ob Helmut Thoma seinen Dienstwagen alsbald abschaffen wird, um nur noch mit dem hauseigenen RTL-Rad zur Arbeit zu fahren. Gut täte es nicht nur dem Chef, sondern auch dem Image des Senders, der bisher vor allem durch Formel 1-Rennen auffiel oder durch halbnackte Boxer, die versuchten, sich auf die Rübe zu hauen. Da kam natürlich das Angebot der Firma Junginger gerade recht, ein Rad mit dem Logo des Senders verkaufen zu wollen.

Passend - wie die Faust aufs RTL-Boxerauge - wäre zwar ein Schumi-Rennrad gewesen, doch leider war die Konkurrenz schneller, denn Giant radelte bereits Anfang des Jahres mit einem roten Schumibike über die Ziellinie.

So entschloß man sich, ein blaues Citybikes mit den drei Buchstaben zu produzieren (998 Mark). Das 28er-Rad ist seit Anfang der Saison auf dem Markt und Junginger-Geschäftsführer Hans Lutz zeigt sich mit dem bisherigen Verkauf zufrieden. Das Echo bei den Händlern sei durchweg positiv gewesen, auch wenn die Gewinnspanne geringer als normal sei. Für 1998 wird das Angebot um ein Jugend-Mountainbike (699 Mark) und ein Trekkingrad (für 899 beziehungsweise 1198 Mark) erweitert.

Das Trekkingrad, welches uns für eine Probefahrt zur Verfügung stand, ist allerdings kein völlig neues Produkt, sondern eher eine Modifizierung des Citybikes, das mit trekkingtauglichen Komponenten aufgewertet wurde. Denn sowohl Rahmen, Lenker, Schutzbleche und Sattel als auch der Gepäckträger fand man bereits am blauen Stadtrad. Heraus kam ein ferrarirotes (!) 28er-Rad mit der - für Trekkingräder allerdings ungewöhnlichen-  Rahmenform eines Cruisers.

Sehr viel Werbung für RTL macht man nicht, wenn man damit durch die Gegend radelt, das Logo des Senders klebt nur dezent am Rahmen und auf dem Sattel. Werbung ist aber das Stichwort, denn auf die RTL-Räder wird in ungewöhnlicher Weise hingewiesen. Nicht nur Fernsehspots sollen den Verkauf ankurbeln, auch Anzeigen in Zeitungen, im Videotext, in der RTL-Club-Zeitung und auch Videos, die in Fahrradläden oder in den Fahrradabteilungen von Karstadt gezeigt werden, sollen RTL-Zuschauer zum Fahrradkauf bewegen.

Bei derart intensiver Promotion liegt der Verdacht nahe, hier seien schlechte Fahrräder entwickelt worden, die deshalb besonders beworben werden müßten. - Irrtum. Das neue Trekkingrad ist erste Sahne: Für 1200 Mark bekommt man eine 24-Gang-Version mit neuester Ausstattung, denn das Velo verfügt bereits über die neue Sport-Touringgruppe Nexave (sprich: Nex-aahf) von Shimano, die erst im kommenden Jahr zu bekommen sein wird.

Die Übersetzung ist mit dem Dreifachkettenblatt (28/38/48 Zähne) und dem hinteren 8fach-Kranz mit 11 bis 34 Ritzeln eindeutig reiseradtauglich. Die Schaltungsidee ist von Shimano gründlich überarbeitet worden. Es gibt keinen Daumenschalter (Rapidfire) mehr, der mit Daumen und Zeigefinder geschaltet wird. Jetzt übernimmt der Daumen sämtliche Arbeit, abwechselnd muß nur noch leicht auf den High- oder Low-Button gedrückt werden. Über eine kleine Anzeige weiß man auch immer, welcher Gang gerade eingelegt ist.

Da die Feder im hinteren Schaltwerk jetzt in umgekehrter Richtung wirkt und somit die Kette beim Heraufschalten unterstützt, entfällt die Fingerkraftübung. Soviel zur Theorie. Das Prinzip des neuen Schaltgefühls werde man innerhalb einer halben Stunde erlernen, hieß es im Frühjahr bei der Vorstellung des Shimano-Prototyps vor Journalisten. Der Praxistest zeigte jedoch, daß es viel länger dauert, das „neue“ Schalten zu erlernen. Anfänger sind eindeutig im Vorteil, denn für Radler, die jahrelang über Tausende von Kilometern „unlogisch“ geschaltet haben, scheint das neue System eher unlogisch zu sein. Doch rein physikalisch betrachtet führt die neue Seilumlenkrolle am Umwerfer zu eindeutig weniger Reibung. Auch soll durch das verschleißarme Schalten die Kette und das Ritzelpaket länger halten.

Nicht ganz so neu ist die V-Bremse, die bekannt dafür ist, kräftig zuzupacken. Offensichtlich zu gut, denn Shimano ließ einen sogenannten Power-Modulator einbauen. Das ist eine Art Anti-Blockier-System für Fahrräder, nur viel einfacher konstruiert und ohne Garantie, daß die Reifen nicht doch blockieren. Die Empfindlichkeit kann allerdings in drei Stufen per Schraube verstellt werden.

Alternativ zur Nexave-Gruppe bietet Junginger auch eine nicht ganz so hochwertige Ausstattung aus Alivio/Altus-Komponenten an, was den Preis der Bikes um 300 Mark senkt.

Zugegriffen wird immer an einem Multifunktionslenker. Durch verschiedene Griffpositionen sollen weniger schnell Ermüdungserscheinungen auftreten. Scheint zunächst einleuchtend, doch ein zweimonatiger Test dieses Lenkertyps auf den Pisten Islands brachte keine sehr großen Vorteile gegenüber anderen Trekkinglenkern. Größter Nachteil: Nur mit viel Geschick und in einem bestimmten Winkel lassen sich noch Lenkertaschen anbringen.

Auch mit dem Gelsattel (Selle Royal) waren wir nicht zufrieden. Wie schon so oft bei Probefahrten. Aber vielleicht liegt es einfach daran, daß man nach jahrelangem Sektgenuß (Brooks-Ledersattel) nur noch ungern Selter trinkt. Zur Sattelstütze sei noch gesagt, daß sie durch eine minderwertige Schraube gehalten wird, deren Kopfmutter bereits ab Werk kopflos war. Vorschlag an den Hersteller: Gleich ganz auswechseln und durch eine am Fahrrad weitverbreitete Inbusschraube ersetzen. So braucht der Radler auf einer Tour auch keinen 13er Maul- oder Ringschlüssel mit sich herumschleppen. Auch eher untypisch für Trekkingräder - um nicht zu sagen überholt - ist der Einbeinständer, der hinter dem Tretlagergehäuse angebracht wird. Besser sind Stützen, die am Hinterrad in der Nähe der Achse montiert werden. Besonders bei Gepäckzuladung hat sich dies als vorteilhaft erwiesen, weil das Rad näher an seinem Schwerpunkt gestützt wird.

Klasse ist dagegen der Gepäckträger der Schweizer Firma Pletscher. Der ist nicht nur äußerst stabil, weil viele Verbindungen vernietet und nicht geschweißt wurde, sondern auch multifunktional. Mittels Adapterplatten lassen sich spielend leicht Körbe, Kindersitze oder Koffer anbringen. In den Gepäckträger ist auch das Rücklicht integriert, allerdings in einer Version ohne Standlicht.

Mal abgesehen von den erwähnten Verbesserungsvorschlägen, ist das RTL-Rad, vor allem durch die Nexave-Ausstattung, den erstklassigen Rahmen, den Gepäckträger sowie den Lenker ein sehr gutes Fortbewegungsmittel, welches auch Helmut Thoma in Zukunft mit ruhigem Gewissen benutzen kann

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