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Für große Menschen: XXL- Räder

Die Frage: wie ist denn die Luft da oben?“ können großgewachsene Menschen nicht mehr hören. Viel zu sehr plagt sie der Umstand, viel Zeit damit verbringen zu müssen, passende Schuhe, modische Kleidung oder auch ein Fahrrad im XXL-Format zu finden.

Am schlimmsten hat es Alexander Sizonenko erwischt. Mit 2,42 Meter Körpergröße sind für den größten Menschen der Welt normale Bikes mehr Kinderkram, für die sich das Bücken gar nicht lohnt. Denn bei dem 40jährigen hören die Beine erst ungefähr dort auf, wo sich bei Normalos die Schulterpartie befindet. Doch „Big Alex“, wie der Russe seit seiner Basketballzeit in der einheimischen Nationalmannschaft genannt wird, wollte nicht nur Körbe versenken, sondern auch mal welche auf einem Fahrrad transportieren. Nur gaben ihm Fahrradhändler immer nur verbale Körbe und sagten ständig: „Njet!“, denn normale Rahmenhöhen enden meist bei etwa 60 Zentimeter. Zu lütt für Big Alex, der ein Rad mit einer Höhe von 88 Zentimetern braucht.

Als Sizonenko dann wieder einmal in Deutschland bei seinem Schuhmacher in Rhede war, hörte er von dem Saarbrücker Fahrradhersteller Utopia, der seit rund zwölf Jahren regelrechte Big-Bikes baut. „London“ heißen die sehr stabilen Modelle, auf denen auch Großgewachsene wieder aufrecht radeln können. Das London gibt es serienmäßig bis zu einer Rahmenhöhe von 83 Zentimetern. Das 18-Kilo-Rad besitzt dabei eine Tragkraft von stolzen 180 Kilo.

Für Big Alex wurden noch fünf Zentimeter draufgepackt. Das 88-Zentimeter-Modell wurde vor zehn Jahren erstmalig für einen Österreicher gefertigt. Mittlerweile fahren sieben von diesen Riesen-Rädern in ganz Europa.

Solche Räder lassen sich allerdings nicht mehr in der herkömmlichen Bauweise herstellen. Denn mit dem erweiterten Steuerrohr wird aus dem dreieckigen Diamant-Rahmen zunehmend ein instabiles Viereck. Die Folge wäre ein „flatternder“ Rahmen, eine unsichere Fahrweise und schlimmstenfalls - bei besonderer Beanspruchung - ein Rahmenbruch. Utopia behilft sich mit einem zusätzlichen Querrohr, welches das Steuerohr mit dem Tretlager verbindet. Ähnliches findet man auch beim Mitbewerber Fahrradmanufaktur aus Bremen, der seit dem vergangenen Jahr auch sogenannte XXL-Räder anbietet.

„London“ und das XXL-Rad unterscheiden sich vor allem darin, daß bei dem „London“ durch das Kreuz im Oberrohr viele kleine Dreiecke entstehen, die das Rahmengeflecht verstärken. Beim XXL-Rad ist die Diamantrahmenform erhalten geblieben. Sie wurden nur durch ein zusätzliches Rohr, welches vom Steuerrohr zum Hinterbau führt, verstärkt.

Utopia legt Wert darauf, daß die Rahmen nicht einfach nur an Höhe gewinnen. Je nach Rahmenmaß wird der Abstand zwischen Tretlager und Hinterrad verändert, genauer gesagt der Hinterbau. Ansonsten würde ein großer Mensch irgendwann über der Hinterradachse sitzen.

Zwar sind die meisten Menschen nicht annähernd so groß wie „Big Alex“. Doch Probleme beim Fahrradkauf treten bereits bei einer Körpergröße über etwa 1,95 Meter auf, heißt es bei Utopia.

Doch ausschlaggebend für den passenden Rahmen ist freilich nicht nur das Maß von Kopf bis Fuß, sondern vor allem die Beinlänge. Für die passende Rahmenhöhe gilt übrigens allgemein für Groß und Klein: Messen Sie die Schrittlänge (Bein-Innenlänge) und ziehen Sie davon 25 Zentimeter ab (bei der Verwendung von gefederten Sattelstützen sollte man dagegen 28 substrahieren).

Aufgrund der Schrittlänge kann es durchaus sein, daß jemand, der auch nicht frühmorgens mit Schuhen die zwei Meter Körpergröße mißt, jedoch über „Giraffenbeine“ verfügt, sich auf herkömmlichen Rädern nicht mehr wohl fühlt, Rückenschmerzen oder Handbeschwerden bekommt. Dann helfen auch keine verlängerten Vorbauten oder megalange Sattelstützen mehr.

Bei Utopia kam man deshalb auf den klassischen Rahmen zurück. Und was Big Alex mag, will nun auch Klein-Nobbi haben. „Der alte englische Rahmen mit dem Kreuz im Oberrohr ist mittlerweile so beliebt“, sagt die Firmen-Inhaberin Inge Wiebe-Klagges, „daß wir es jetzt auch ab einer Rahmenhöhe von 55 Zentimeter anbieten. Das London, welches es in schwarz, rot, königsblau und grün gibt, ist nicht ganz billig. Die Preisspanne der handgearbeiteten Räder beginnt mit einer Pentasportschaltung bei 1799 Mark und reicht bis zum einem Preis von 3782 Mark, wenn man die 14-Gang Nabe von Rohloff wünscht. Ab der 63er Rahmenhöhe wird dann noch ein Aufpreis für Übergröße verlangt (63 cm 80 Mark; 68 cm 120 Mark; 73 cm 160 Mark; 78 cm 320 Mark und 83 cm 400 Mark)

Ohne Aufpreis bekommt man sein XXL-Rad bei der VSF-Fahrradmanufaktur. Allerdings bieten die Bremer das Rad auch nur in drei Größen an: 65, 69 und 73 Zentimeter. Das XXL-Rad kostet je nach Ausstattung zwischen 1549 (7-Gang-Nabenschaltung) und 1798 Mark (24-Gang-Version). Sowohl das Utopia- als auch das Fahrradmanufaktur-Bike laufen auf 28-Zoll-Rädern. Beide Hersteller bieten auch eine Vielzahl von Variationsmöglichkeiten bei der Komponentenzusammenstellung an.

Einen guten Überblick über das Utopia-Sortiment gibt der druckfrische Rad-Ratgeber ´98/99, der von Utopia herausgegeben wird, und für neun Mark im gut sortierten Zeitschriftenhandel oder auch bei einigen Fahrradhändler zu bekommen ist. Das „London“ bekommt man in Berlin im „Fahrradladen im Mehringhof“ in Kreuzberg. Das XXL-Rad verkaufen die dem Verbund der selbstverwalteten Fahrradbetriebe (VSF) angeschlossenen Fahrradläden. Eine Liste der Berliner Läden gibt es beim VSF unter Tel. 030 / 612 18 70.

 

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