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Ein leichtes Dach über dem Kopf

Wie wichtig ein Zelt sein kann, stellt man erst dann fest, wenn der Sturm zum Orkan wird und regelrechte Wasserfälle vom Himmel fallen. Besonders Radfahrer, die in Gegenden unterwegs sind, in denen nicht hinter jeder Biegung ein Gasthaus mit einem trockenen Bett lockt, sollten für den "Hauskauf" reichlich Zeit (und eine gut gefüllte Brieftasche) mitbringen.

Ein gutes Zelt kann durchaus Leben retten, aber im einfachen Fall auch "nur" die Stimmung erhalten, wenn es draußen tagelang regnet und stürmt. Mittlerweile werden auch spezielle Radfahrerzelte angeboten. Sie bieten die Möglichkeit, bis zu zwei Räder mit ins Zelt zu nehmen. Das scheint auf den ersten Blick eher ein Gag zu sein. Doch besonders in Ländern, in denen man sein Bike nicht sorgenfrei neben das Zelt legen kann, ist die transportable Garage eine gute Idee. Der zusätzliche Stoff bringt freilich auch ein wenig mehr Gewicht aufs Rad. Zwei Zelte von diesem Typ (neben acht weiteren "normalen" Zelten) hat die Stiftung Warentest in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Test" (Heft 7/99) untersucht: Das "Grand Illusion" (500 Mark) von Jack Wolfskin und das "Monolith" (550 Mark) von VauDe. Das "Monolith" (3,8 Kilogramm) bekam die Testnote 2,4; Das "Grand Illusion" bringt fünf Kilogramm auf die Waage, schnitt aber sonst besser ab (Testnote 1,9).

Die Auswahl an Bikerzelte steigt. "Jack Wolfskin" hat neben dem getesteten Exemplar noch sein "Bike´n Hike" (499 Mark) im Programm, aber auch die Firmen "Hilleberg" und VauDe bieten weitere Varianten an. Für den Bikeport auf Reisen kommen sowohl Tunnel- als auch Kuppelzelte in Frage. Bei entsprechender Konstruktion bieten sie eine ausreichende Höhe, um das Fahrrad einfach unter die Apsis (den Vorhof des Zeltes) zu schieben. Für welchen Typ von Zelt man sich entscheidet, hängt von dem Einsatzgebiet und verschiedenen Faktoren ab. Tunnelzelte gelten als besonders windstabil, Kuppelzelte haben den Vorteil, daß sie im Gegensatz zum Tunnelzelt, oft bereits ohne Abspannungen stehen. Bei einigen Firmen (zum Beispiel VauDe, Hilleberg, Macpac) lassen sich auch Außen- und Innenzelt gemeinsam aufbauen. Besonders wichtig für Einzelreisende oder bei starkem Wind.

Ein besonderes Zelt fanden wir im Katalog von "Brügelmann". Der Radversender bietet für 190 Mark ein Zelt an, welches ohne Gestänge auskommt. Die Zwei-Personen-Behausung wird durch den Rahmen eines Fahrrades gehalten. Ohne Heringe wiegt das Stoffdreieck nur 900 Gramm. Allerdings ist es wirklich nur etwas für Extrembiker, die mit jedem Gramm rechnen (müssen). Es ist wahrlich nicht sehr praktisch, nach einer Schlammschlacht auf einer Schotterstraße das verdreckte Rad mit ins Zelt nehmen zu müssen. Das "Trans-Alp-Biker-Biwak-Zelt" ist an sich eine gute Idee, jedoch nur für schönes Wetter und kurze Touren.

Wer Gewicht sparen will, wird auch bei anderen Herstellern fündig. Der schwedische Zeltexperte Bo Hilleberg hat beispielsweise ein Ein-Personenzelt im Programm (Akto), welches nur 1,75 Kilo wiegt.

Hilleberg gilt unter den erfahrenen Outdoorfreaks als Ausrüster mit Kultstatus. Nicht ganz unschuldig daran ist auch die schwedische Armee, die von Hilleberg ausgerüstet wird und selbst im eiskalten winterlichen Lappland die Soldaten mit dem Zeltsack ins Manöver schickt. "Selten kaufen Anfänger unsere Zelte", sagt Peter M. Carati, bei Hilleberg im mittel-schwedischen Hacksås für den Export zuständig. Seit ein paar Jahren werden die Zelte aus Kostengründen in Estland produziert. Viele andere Hersteller lasse dagegen in Fernost produzieren.

Der Wille, ein gutes Zelt zu kaufen, ist ein Reifeprozeß. Erst, wenn man den Nachteile eines Billigzeltes spüren durfte (es bei läppischen Windstärken den Flat Eric macht), oder die Stoffdächern der mittleren Preisklasse (um die 600 Mark) undicht sind, steigt die Bereitschaft, über 1000 Mark für ein Dach übern Kopf auszugeben. Auch Hilleberg hat zwei Fahrradgaragen im Programm (auf Basis eines Tunnelzeltes). Die großen Apsis des Stalon GT (1490 Mark) und des Keron 4 GT (1775 Mark) lassen zwei Fahrräder im "Bauch" verschwinden. Das Stalon GT wiegt 4,2 Kilo, das Keron 4 GT fünf Kilogramm

Alle guten Zelte bestehen aus zwei Stoffbahnen, dem Innen- und Außenzelt. Diese Konstruktion ist besser für die Ventilation. Denn das vom Menschen verursachte Kondenswasser kann so auf der Innenseite des Außenzeltes kondensieren und ablaufen, während das dünne Innenzelt stets trocken bleibt. Billigzelte mit nur einer "Haut" können diesen Komfort nicht bieten, man schwimmt irgendwann im eigenen "Saft". Einzige Ausnahme sind angeblich die "Single-Wall"-Zelte von VauDe. Die Tettnanger Firma setzt einen speziellen Stoff ein (Cappilar), bei dem die Innenseite mit einem aufflaminierten Drainagesystem ausgestattet sind, so daß das Wasser an der Innenwand abfließt. "Es sammelt sich schließlich am Übergang von Zeltdach und Bodenwanne und wird von dort über eine Sicker-Drainage nach außen geleitet" (Katalog-Wortlaut).

Damit ein Zelt wirklich dicht hält, muß es nicht nur gut verarbeitet sein (verschweißte Nähte, abgedichtete Reißverschlüsse etc.), sondern das Material auch über eine ausreichende Wassersäule verfügen. Die Wassersäule gibt an, mit welchem Wasserdruck (in Höhe und pro Quadratzentimeter gemessen) das Material belastet werden kann, ohne undicht zu werden. Das Dach sollte mindestens 1000 Millimeter aufweisen, rät die Stiftung Warentest. Bei namhaften Herstellern sind aber Werte zwischen 3000 und 4000 mm nicht selten.

Für die viel stärker beantspruchte Bodenwanne reicht dieser Wert nicht aus. VauDe beispielsweise liefert seine Space-Serie mit einer 10000 mm-Wassersäule aus. Aus eigener Erfahrung können wir sagen, daß diese selbst bei Übernachtungen im Sumpf dicht hält. VauDe wirbt auch damit, daß das Material ihrer Zelte bei einem Feuer nur schmilzt und nicht weiterbrennt. Damit läßt sich ein mehr oder weniger großes Loch zwar auch nicht verhindern. Das Zelt aber kann unter glücklichen Umständen noch weiter benutzt werden. Wir machten vor ein paar Jahren die Probe aufs Exempel, logischerweise nicht ganz freiwillig. Ein umgekippter Kocher und schwups brannte die Bodenwanne, Teile des Schlafsacks und die Augenbrauen kringelten sich.

Die Panik war nicht mehr weit, während das Zeltmaterial schmolz. Am schlimmsten brannte dabei die (billige) Zeltunterlage, die dem Zeltboden immer wieder Futter gab. Das Feuer zerstörte auf diese Weise Teile des Bodens, des Innenzeltes und der Apsis. Seitdem achten wir darauf, daß auch die Zeltunterlage schwer entflammbar. Das Zelt (ein Space Plus) mit der geflickten Stelle (zunächst wurde der Zeltbeutel per Hand eingenäht, später durch Flicken aus einem alten Space-Zelt maschinell geschlossen) ist seitdem ein Unikat und auch nach fünf Jahren immer noch im Einsatz. VauDe hat seit diesem Jahr das Zelt aus dem Programm genommen. Wir wissen nicht, ob es daran liegt, daß es an zwei Stellen an der Aufhängung des Innen- am Außenzelt regelmäßig reinregnete. Trotzdem mußten wir nie eine Tasse in der Mitte des Zeltes aufstellen, um das Wasser auffangen zu können, wie wir es bei einem anderen Zelt von etwa zehn Jahren erleben durften.

Ob man also wirklich ein spezielles Zelt mit Fahrradgarage braucht, muß jeder Biker selber entscheiden. Es gibt so viele Kriterien, die zu beachten sind, daß man das Zelt nicht nur danach kaufen sollten, ob der Drahtesel unters Dach paßt.

Wir haben stets unser Rad unter die eine Apsis des Zeltes gepackt und (wenn nötig) ans Zeltgestänge angeschlossen. So blieb der Ledersattel und die geschmierte Kette vor Regen geschützt und ein Dieb hätte erst einmal die Heringe lösen müssen, um das Rad entwenden zu können. Keine Garage gewiß, doch ein guter Kompromiß, mit dem wir stets gut gefahren sind, wenn man uns auch so immer als Radfahrer identifizieren konnte. Wildzelter sollten jedoch auf leuchtende Farben verzichten, nicht nur, daß Gelb oder Rot unzählige Insekten anzieht, auch ein Langfinger könnte auf das mobile signalfarbene Haus aufmerksam werden. Grüne Zelte sind weniger auffälliger.

Vor dem Kauf sollte man das Zelt im Laden aufbauen und zur Probe liegen, ob man nicht ständig gegen das Innenzelt mit den Füßen stößt. Auch die Innenhöhe ist nicht ganz unwichtig, will man Rückenschmerzen vermeiden. Schließlich sollte man testen, wie leicht und schnell man aus dem Zelt herauskommt, und ob dabei bei Regen in den Innenraum tröpfelt.

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