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Statt Viagra für den Radfahrer

 

Ein neuer Anti-Impotenz-Sattel soll Taubheitsgefühle und Fruchtbarkeitsprobleme verhindern

 

Erst war es nur ein taubes Gefühl zwischen den Beinen, später trat dann immer dieses Kribbeln auf, als wenn die Hand oder der Fuß eingeschlafen sind. Kann man vom Radfahren impotent werden? Potenzprobleme durchs Radfahren sind keine Seltenheit, wenn man der Werbung eines Sattelhersteller und den Schlagzeilen der Boulevardpresse glauben mag. Dem widerspricht Ingo Froböse, Professor für „Prävention und Rehabilitation im Sport“ von der Deutschen Sporthochschule in Köln: „Was Sie beschreiben sind Taubheitsprobleme, Empfindungsstörungen auf Grund mangelnder Durchblutung“. Wie bei der „eingeschlafenen“ Hand löse sich das sehr schnell wieder auf, beruhigt der ambitionierte Mountainbiker. Seit Jahrzehnten wird vor allem in den USA über eine mögliche Impotenz durchs Radfahren diskutiert.

 

Theodor Klotz, Urologe an der Uni Köln hat 1100 Fragebögen ausgewertet, in denen sich Schwimmer, Läufer und auch Radfahrer zu Potenzstörungen geäußert haben. Von vorübergehenden Potenzstörungen und Taubheitsgefühlen berichteten deutlich mehr Radfahrer als die Befragten aus den Vergleichsgruppen. Deshalb wurde bei 40 männlichen Radsportlern die Durchblutung im Penis während einer Radtour gemessen. Laut Klotz sank durch den Druck, der auf den Penis lastet, der Blutfluss um zwei Drittel des Normalwertes.

Andere Ergebnisse fand man in Österreich am Uniklinikum Innsbruck. Besonders Mountainbiker müssen mit „schmerzhaften Tumoren, Zysten, Schwellungen und Infektionen im Intimbereich rechnen. Gelöcherte oder ypsilonförmige Sattel können helfen“, erklärte kürzlich der Leiter der uro-radiologischen Abteilung Ferdinand Frauscher.

Diese von Frauscher angesprochenen Sattelformen sind auf dem deutschen Markt noch recht neu. Vorreiter ist der amerikanische Hersteller „Specialized“, der bereits eine ganze Reihe knochenförmiger Sitze anbietet. In den USA sind sie ganz wild nach den Modellen. Der Body-Geometrie-Sattel (so die offizielle Bezeichnung) „macht Männer wie Frauen gleichermaßen glücklich“, heißt es in einer Pressemitteilung von „Specialized“. Damit der Spaß auch nach der Radtour noch Gewähr leistet ist, und aus dem muskelgestärkten Mann später ein Vater werden kann, vertieft sich in der Mitte des Sattels eine Mulde, die sich weiter hinten ganz teilt.

Der neue Sitz wird übrigens für Männer und Frauen angeboten. Die Sitzknochen des Radfahrers lagern auf einer flachen, leicht gepolsterten Fläche. Die empfindlichen Weichteile bleiben durch eine keilförmige Aussparung, die an einen Knochen erinnert, völlig unberührt.

Professor Robert Kessler, Urologe am Medical Center der Stanford University in den USA ist – ebenso wie Froböse vom „Body Geometry-Sattel“ überzeugt. Bei Testfahrten, beispielsweise bei dem knochenharten Marathon von Trondheim nach Oslo im vergangenen Sommer, reduzierten sich die Erektionsstörungen der untersuchten 50 Fahrer von 15 auf sieben Prozent. Und laut Kesslers Untersuchungen in den USA hilft der neue Sitz „die Schmerzen, Taubheit und sexuelle Beeinträchtigung bei 24 von 25 Fahrern zu lindern“.

Tolle Zahlen. Da aber Papier bekanntlich geduldig ist, und wir Dr. Kessler nicht kennen und sowieso nicht alles glauben, was Werbeprofis auf Hochglanzpapier drucken, schritten wir zum Selbstversuch. Zwei von insgesamt neun verschiedenen Sättel hatte uns der Hersteller zugeschickt. Den „Body Geometry Sport“ und den „Body Geometry Pro Ti“, mit Titangestell und einen „längeren Nase“. Für eine Monatsradtour über mehr als 1000 Kilometer montierten wir den leichteren Titansattel an unserem Fahrrad. Wie sich zeigen sollte, eine sehr mutige Entscheidung. Während die Sportversion immerhin 315 Gramm wiegt, bringt es das Leichtgewicht auf nur 298 Gramm, allerdings zum deftigen Preis von 179 Mark.

Ob Taubheit oder Schmerzen im Genitalbereich durch den Sattel verschwanden, konnten wir nicht beurteilen, weil sie auch früher mit unserem guten alten Brooks-Sitz nicht auftraten. Allerdings tat uns bei der Testtour täglich bereits nach rund 20 Kilometern der Hintern so mächtig weh, dass wir uns ärgerten, nicht doch den Kernledersattel als Ersatz mitgenommen zu haben. Wir haben die Radtour trotzdem irgendwie überstanden, wenn auch der „Pro Ti“ (übrigens mit echtem Lederüberzug) nach der Tour sofort vom Rad wieder verschwand. Zur Beruhigung lasen wir dann in einem Interview mit dem Sattel-Designer Roger Minkow, dass man sich gezielt an Biker mit Sitzproblemen wende. „Wer mit seinem Sattel zufrieden ist, muss nicht wechseln“, so Minkow in der Zeitschrift „bike“. Eigentlich ist die Titanausführung laut Prospekt auch etwas für professionelle Straßenrennradfahrer. Aha.

Der zunächst auf Grund seines höheren Gewichts verschmähte „Body Geometry Sport“-Sattel (mit verbreitertem Hinterstück und synthetischer Oberfläche für 129 Mark), konnte uns dann doch überzeugen. Kein Drücken, kein Kneifen und auch längere Touren überstanden wir ohne Schmerzen. Seitdem sitzt der fest auf unserem Stadtrad.

Das Fazit: Auch anatomisch geschnittenen Sättel sollte man nicht blindlings kaufen, sondern ausprobieren und dann auch richtig montieren.

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