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Gesunde Produkte für gesunde Menschen

Die richtige Sitzposition und ein gefedertes Rad können helfen.

Sado-Maso auf dem Zweirad. Täglich. Hauptsache hart und ohne Komfort. Ungefedert, ungedämpft und offensichtlich ohne Verstand, geht es über Stock und Stein. Zur Abwechslung ein Bordstein oder ein Stück Kopfsteinpflaster. Die Hände vibrieren, die Wirbelsäule biegt sich, das Schambein drückt. Der Arzt schüttelt derweil mit dem Kopf.

Die Härte der Natur kann man nur spüren, wenn man ungefedert durch den Wald brettert, so die Meinung vieler Radler. Sehr lange hat die Industrie diese Ansicht auch noch unterstützt und uns – wie wir heute wissen - veraltete Technik verkauft. Viel zu lange hat es gedauert, bis die schon lange im Fahrzeugbau, beispielsweise beim Motorrad, eingesetzte Technik aufs Fahrrad übertragen wurde. Doch trotz des Fortschritts: Die Mehrheit der Radfahrer setzt sich noch immer bewusstbewußt unnötigen Schlägen aus. Der Markt, besonders außerhalb des Mountainbikebereichs muss erst noch erobert werden. Die Preise für vollgefederte Räder sind bereits kräftig gepurzelt, und eine Kampagne jagt die andere, um Gesundheit und Radfahren zu verbinden. Selbst der ADAC hat dies für seine Mitglieder entdeckt und auch die Deutsche Sporthochschule in Köln initiierte zusammen mit der Firma RockShox das Projekt Wellcom (steht für Wellness und Komfort). Gesunde Produkte für gesunde Menschen. Die Menschen sollen sich auf dem Rad wohl fühlen und Spaß am Sport haben, so in etwa das Credo. Natürlich will auch RockShox, Kennern als Hersteller von Federelementen ein Begriff, ein weiteres Verkaufsargument haben. Man hat sich deshalb entschlossen, den „größten gemeinsamen Nenner als Entwicklungsziel zu stecken: die Gesundheit“, sagt Dirk Belling von RockShox. „Gesundheit heißt Vorsorge“. Natürlich spielen auch Marketinggründe eine Rolle. „Gesunde“ Produkte lassen sich schlicht besser verkaufen. Ein entsprechendes Logo als Zertifikat soll es dann auch geben.

Aufklärung tut wirklich Not. Denn wenn die Wehwehchen auch noch am nächsten Morgen vorhanden sind, und die Rückenschmerzen sich ständig melden, sollte man nicht nur einen Arzt aufsuchen, sondern auch seinen Fahrradhändler nach einem Komfortrad fragen.

Dass Federung nicht gleich Federung ist, zeigen zahlreiche Untersuchungen. Und vollgefederte Fahrräder aus dem Bau- oder Supermarkt sollte sowieso lieber nicht kaufen. Mit diesen Rädern wird man eher geteert als abgefedert.

Eine Federung an einem gutem Bike vermindert über 20 Prozent der Stöße. Man fährt gesünder, spart Kraft und die Wirbelsäule, aber auch die Handgelenke werden weniger belastet.

Auch ein bequemer Sattel kann helfen. Allerdings mit Einschränkungen, denn auch ein breiter, gepolsterter Sattel setzt die Durchblutung des Penis um ein Viertel herab, wie der Bostoner Urologe Irwin Goldstein feststellte. Besser sind deshalb ergonomisch geformten Sattel, die den Damm, das ist der Bereich zwischen Penis und After, weniger belasten. 

Die Firma Specialized forscht in diesem Bereich und hat bereits erste Sättel vorgestellt (wie berichtet; Anmerkung für Red: Wenn die Sattelgeschichte vorher erschienen ist) Specialized entwickelte nicht nur neue Sattelformen, die die Taubheitsgefühle im Schambereich vermindern oder gar verhindern sollen, sondern auch Body-Geometry-Handschuhe, mit denen die Hände nicht einschlafen sollen.

Auch ein verstellbarer, kurzer Vorbau ist sehr hilfreich. Zudem setzt die Industrie zunehmend auf kürzere Geometrien beim Radbau. Dazu gehören ein längeres Steuerrohr, ein kürzeres Oberrohr und einfach mehr Federweg.

Die Industrie wacht so langsam auf. Bestes Zeichen: Erste spezielle Forschungsaufträge für die Sporthochschule in Köln. Die Firma „Derby Cycle“ finanziert sogar eine Doktorantenstelle. Ziel des Projekts ist unter anderem die optimale Sitzposition zu finden, aber auch die Bedürfnisse für Radfahrerinnen zu untersuchen.

Froböses Abteilung ist führend in der Welt. Der Professor für Prävention und Rehabilitation im Sport hat für Tests deshalb in Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeitssicherheit der Uni Bochum ein spezielles Messverfahren entwickelt. Erstmalig wurden auf der Transalp-Challenge vergangenen Sommer zwei Mountainbiker mit Sensoren ausgestattet, die die Erschütterungen maßen. Es war weltweit der erste Test, der nicht auf einer Rüttelmaschine im Labor stattfand, sondern unter Live-Bedingungen.

Der eine Fahrer musste nur mit einer Federgabel fahren (Fachleute nennen so ein Bike Hardtail), während der andere Tester ein vollgefedertes Mountainbike („Fully“) hatte. Bei der Fahrt zeigte sich, wie erwartet, dass ein „Fully“ einen Teil der Stöße aufnimmt. In der Summe musste der Fahrer auf dem vollgefederten Fahrrad 24 Prozent weniger Vibrationen ertragen. Überrascht hat die Wissenschaftler allerdings die Erkenntnis, dass die größten Unterschiede nicht bei Bergabfahrten auftraten, sondern bei den Anstiegen. Auf Schotterpisten lagen die Erschütterungen für den Körper um 32 Prozent unter den beim Hardtail.

Im Klartext heißt das man kann länger und entspannter Radfahren.

Und Freunden des Geschwindigkeitsrausches sei gesagt, dass man mit einem Fully schneller bergab kommt und dabei auch noch weniger Energie verbraucht. Der ungefederte Biker muss erheblich mehr Arbeit verrichten, um nicht aus der Bahn geworfen zu werden.     

 

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