Kein Helmkauf ohne Kinder

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In etwa 80 Prozent der Unfälle mit radelnden Kindern wird der Kopf der jungen Biker in Mitleidenschaft gezogen. Das hat jedenfalls die Stiftung Warentest am Rande ihres aktuellen Tests von Fahrradhelmen für Kinder ermittelt (siehe Heft 5/2000). Trotz der alarmierenden Zahlen radeln immer noch sehr viele Knirpse ohne Kopfschutz. Dabei ist auch noch der schlechteste Deckel besser als gar keiner. Doch so schlecht sind die Produkte gar nicht. Beruhigend, dass die Warentester bei 18 untersuchten Helmen nur einmal das Urteil "mangelhaft" vergeben mussten. Der Grund für die Abwertung des MET Buddy war die unzureichende Stoßdämpfung.

16 Helme bekamen die Note "gut". Bemerkenswert: Dabei schnitten 40 Mark-Helme fast genauso gut ab, wie ein 100 Mark-Schutz. Für größere Kinder empfehlen die Tester die für je 60 Mark zu bekommenden Helme AGU Creation und Casco Follow Me. Für Kleinkinder raten die Experten zu dem Busch Joy (60 Mark) und dem zehn Mark teureren KED Harlekin. Doch selbst der mit 39 Mark vergleichsweise billige Grepper Doggy war den Warentester eine Empfehlung wert. So gesehen muss man beim Helmkauf (heutzutage) auf andere Eigenschaften achten: Lässt sich der Helm gut und leicht einstellen? Riemensysteme, leicht einstellbar, sind in diesem Fall besser als die etwas überholten Polster (Pads), die mit Klettband eingesetzt werden müssen. Weiter ist ein Testkriterium, ob der Helm ausreichend belüftet ist, damit der Nachwuchs ihn auch an heißen Tagen aufbehält. Ein Fliegengitter schützt zusätzlich vor lästigen Mitfahrern.

Natürlich sollte der Kopfschutz dem Kind auch gefallen. Deshalb gilt: Kein Helmkauf ohne das Kind. Der Helm muss sowohl Schläfen als auch Nacken bedecken, um sicher schützen zu können. Fahrradhelme eignen sich übrigens auch fürs Inline-Skaten (ausgenommen sind nur akrobatische Verrenkungen in der Half-Pipe). Hinweise in der Gebrauchsanweisung seitens der Hersteller, dass der Schutz nur fürs Radeln gedacht ist, haben vor allem wirtschaftliche, vielleicht noch gewährleistungstechnische, aber weniger sicherheitsrelevante Gründe. Einige Hersteller tauschen übrigens beschädigte Helme unentgeltlich oder gegen eine vergleichsweise geringe Gebühr aus. Sollte es zu einem Sturz gekommen sein, muss der Helm ersetzt werden (auch wenn keine äußerlichen Schäden zu erkennen sind). Einen Kopfschutz sollten die Kinder nicht nur tragen, wenn sie alleine Radeln. Auch im Kindersitz kann der Plastikdeckel Leben retten. Besonders gefährlich sind Stürze im Stand, wenn das Fahrrad mit dem Kind im Sitz umkippt. Für den Schlaf zwischendurch hilft ein Kissen der Firma Sandini (Tel. 070307-29673; www.sandini.de), welches den Kopf zur Seite stabilisiert.