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Probefahrt mit dem Culture Silver von Riese und Müller

Nur einmal angenommen, eine Mutter bekommt zunächst ein orange- und ein blaufarbenes Kind, und dann ein paar Jahre später ein weiteres mit silbriger Haut. Auch ein Farbenblinder wird Zweifel anmelden, ob sämtliche Sprösslinge vom selben Vater abstammen. Da hilft es dann auch nicht, dass die besorgte Mama den Kindern zusätzlich zum Familiennamen "Culture" die Rufnamen "Blue", "Orange" beziehungsweise "Silver" gab.

Das "Culture blue" von der Darmstädter Firma "Riese und Müller" war vor drei Jahren eines unserer Favoriten in der Kategorie "Bestes gefedertes Cityrad". Es war eine neue Kreation, mit frischen Ideen und einem klasse Fahrgestell, das man zudem gerne anschaute. Quasi ein Model unter den schlichten Modellen.

Heute hat sich die Situation geändert. Die Konkurrenz zog nach, hat so einiges kopiert und vieles Gute selbst entworfen. Die Unterschiede verwischen. Vollgefederte Stadträder sind keine Seltenheit mehr und manch ein Hersteller versucht bereits – mit natürlich deutlich spürbaren Abstrichen bei der Ausstattung - die Preisgrenze von 1000 Mark zu unterbieten.

Gewiss: In der Masse fällt auch weiterhin die Culture-Familie auf. Das neue Modell, in silberner Farbe pulverbeschichtet - hinterlässt einen sehr edlen Eindruck. Man sieht dem Rad den Preis von 2899 Mark durchaus an. Doch unter der glatten Haut entdeckten wir einige Pickel, die wir von den beiden älteren Brüdern "Blue" und "Orange" nicht kannten.

Das Problem fing schon nach den ersten Metern auf der Probefahrt an. Die Klingel klingelte nicht nur, sie klapperte auch. Gewiss, ist dies schnell abzustellen (neue Klingel für zwei Mark 50 montieren), doch müssen solche Kinderkrankheiten sein?.

Nun werde viele sagen: Wozu brauche ich eine Klingel- ab damit. Doch "Riese und Müller" wollten ein Cityrad bauen, mit dem man sorgenfrei und sicher durch die Stadt kommt, und dazu gehört schließlich eine Klingel.

Während es also den Klappertest nicht bestanden hat, hat uns das neue Lichtkonzept völlig überzeugt. Die Kombination aus Nabendynamo (von Shimano) und einer Lichtanlage, die sich bei Dämmerung automatisch einstellt, ist klasse. Das nennen wir einen wirklichen Fortschritt. Sobald man in eine Unterführung einfährt oder bei Dämmerung radelt, stellt sich das Licht automatisch ein. Eine kleine Diode, ins Vorderlicht integriert, sorgt für den Impuls, der dann auch ans Rücklicht weiter gesandt wird. Selbstverständlich kann man das Licht auch manuell anstellen. Ein Schieberegler befindet sich oberhalb des Scheinwerfergehäuses. Auf dem Lichtsektor ist der "Lumotec Oval senso plus" von Busch & Müller (kostet einzeln 60 Mark) die empfehlenswerte Neuerscheinung dieser Saison. Das beim Culture sowohl Rücklicht als auch Vorderradscheinwerfer mit Standlicht ausgestattet wurden, wird hier nur am Rande erwähnt, bei anderen Herstellern wäre dies bereits das Highlight des Berichts gewesen.

Allerdings ist der Ort des Scheinwerfers unglücklich gewählt. An den Vorbau geklemmt, sitzt dieser hinter den Brems- und Schaltzügen. So wird der satte Lichtstrahl gebrochen und auch ein leichter Schatten erscheint auf der Fahrbahn. Noch schlimmer kommt es, wenn Mann oder Frau einen Korb oberhalb des Vorderrades montiert. Die Ingenieure haben dafür (sehr lobenswert) eine Halterung bereits in den Rahmen integriert (wie auch hinterm Sattel für Kindersitze). Das gibt Pluspunkte, allerdings nur für den Einkauf bei Tageslicht.

Ansonsten hatten wir während der mehrwöchigen Probefahrt keine Probleme mit der Funktion. Breite Spiralkabel, doppelt ausgeführt und zum Großteil im Rahmen verlegt sind weniger anfällig für Brüche und Risse.

"Riese und Müller" nennen das Velo "Das No Problem-Rad". So weit würde wir uns nicht aus dem Fenster lehnen. Gewiss wird das Culture auch über die Garantiezeit hinaus Freude bereiten und nicht ständig in Werkstatt stehen. Das sorgenfreie Rad jedoch muss erst noch erfunden werden. Obwohl die Komponenten eigentlich fürs Festmenü alle vorhanden sind, wird bei den Zutaten immer noch gespart. Nicht, weil die Hersteller lieber mehr Geld verdienen wollen, sondern weil der Kunde einfach nicht bereit ist, über 3000 Mark für ein Fahrrad auszugeben.

Und auch bei den 2899 Mark, die das Culture Silber kostet, wird so mancher abwinken. Zumal das neue Culture sich weniger für Fahrten abseits der befestigten Wege eignet. Es neigt, höchstwahrscheinlich auf Grund des ins Vorderrad integrierten Nabendynamos und der damit verbundenen Gewichtsverlagerung hin zum Vorderrad, zum Untersteuern. Sandige Böden, enge Kurven oder ein Slalom im Kiefernwald, sind deshalb nicht das Terrain des silbernen Culture.

Bleiben wir also in der Stadt. Man sitzt aufrecht und gleitet über den heißen Asphalt. Die Federung, sowohl am Hinterbau, als auch am Vorderrad ist sehr komfortabel ausgefallen. Leider lässt sich die Federspannung beim Hinterbaudämpfer nur schwer von Hand einstellen. An der Vordergabel gelingt dies dagegen spielend. Ein wenig an den Knöpfen gedreht und aus 63 Millimeter Federweg werden deutlich weniger.

Die RST 281 TL -Gabel arbeitet hervorragend beim Einfedern. Sie hat allerdings ihre Probleme mit der Dämpfung. Der Rückschlag ist bei Sprüngen über Wurzeln oder Bordsteine deutlich zu spüren. So deutlich, dass wir an einen Fabrikationsfehler dachten, doch die Probe an einem baugleichen Modell im Fahrradladen brachte überraschenderweise wenig Verbesserung. In diesem Fall war die früher eingesetzte RST 280 besser, wenn sie auch über weniger Federweg verfügte und nicht einstellbar war.

Der Gepäckträger beim Culture ist wie immer in den Rahmen integriert. Die Ausführung ist dadurch sehr stabil. Im Zubehör (kostet 49 Mark extra) gibt es zudem einen Adapter, mit dem dann auch Satteltaschen angebracht werden können, die sonst nur wenig Halt finden. Allerdings passen nicht alle Hakensystem an den Träger, da dieser im hinteren Bereich sehr dick ausfällt und deshalb die Taschen – wenn überhaupt - nur mit ein wenig Fummelarbeit Platz finden.

Geschaltet wird übrigens mit Drehgriffschaltern (von Sram). Beim Bremsen helfen V-Bremsen von Avid. Die 21 Gänge sind verteilt auf sieben Gängen als Ketten- und drei weitere als Nabenschaltung . Durch die Kombination lässt sich leicht ein Schutzblech montieren, was Hosenbein und zum Teil auch Ketten vor Schmutz bewahrt.

Wir haben bisher viel gemeckert, so dass eigentlich ein nicht so gutes Urteil unterm Strich herauskommen müsste. Doch wenn die Kinderkrankheiten beseitigt werden, ist das "Silver" ist ein sehr gutes Stadtrad, das mit 16,8 Kilogramm noch – mit Blick auf den eingebauten Komfort – im akzeptablen Gewichtsbereich bleibt. Für sportliche City-Radfahrer empfehlen wir aber weiterhin das "Culture blue"(2399 Mark).

Und eines muss man auch betonen: Wir haben die Latte bewusst sehr hoch gehangen. Denn mit "Riese und Müller" ist das wie mit dem FC Bayern: Nur der erste Platz zählt. Die Topp-Position hat man sich in der Vergangenheit durch sehr gute Leistungen und innovative Ideen erarbeitet. Die Vizemeisterschaft wird deshalb nicht angestrebt. Der Fan erwartet schlicht die Meisterschale und nicht nur eine silberne Medaille.

Update:

Nicht jeder ist wirklich über die Jahre mit der Rad zufrieden. Es gibt wohl doch desöfteren Rahmenbrüche. Dies berichten Fahrradhändler, aber auch Fahrradtestleser wie Michael Joachim.

Seine Geschichte vom Rahmenbruch des Culture kann man hier nachlesen.

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