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Froböse: Unser Körper muss nicht geschont werden

Aufrechte Sitzposition beim Fahrrad ungesund / Federung ist gesund

Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule testet Fahrradprodukte im Hinblick auf ihre gesundheitliche Eignung. Der Mountainbiker und promovierte Sportwissenschaftler hat Messmethoden entwickelt, mit denen Radfahrer auf ihre körperliche Belastung beispielsweise auf der Transalp-Challenge, einem Radrennen über 620 Kilometer und 20 300 Höhenmetern untersuchen werden können. Über den Vorteil einer Federung am Fahrrad und die gesundheitlichen Auswirkungen des Radfahrens sprach Ulf Hoffmann mit dem Kölner Wissenschaftler.

 Herr Professor Froböse ist Radfahren ungesund?

FroboeseNein überhaupt nicht. Im Gegenteil. Doch auf dem Rad muss ich mich wohl fühlen. Gesundheit ist für mich ein Zustand des optimalen Wohlbefindens. Nur lese ich immer wieder in der Presse, dass eine aufrechte Sitzposition am gesündesten sei. Da frage ich mich: Was ist bitte schön daran gesund? Unser menschlicher Organismus ist nicht dafür ausgelegt geschont zu werden, sondern dafür geschaffen, Belastungen zu tolerieren, sich ihnen anzupassen. Typisches Beispiel ist die aufrechte Sitzposition beispielsweise beim Hollandrad. Die beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit der Muskulatur, weil sie keine Chance hat auf die Schläge zu reagieren. Die Stöße treffen so direkt auf die knöchernden Segmente. Besser ist eine Vorneigung, dadurch erreiche ich eine Vorspannung der Muskulatur. Alle anderen extremeren Positionen beispielsweise beim Rennrad kann ich eigentlich langfristig nur tolerieren, wenn ich eine hervorragend ausgebildete Rückenmuskulatur habe.

Umfragen, die Sie am Rande von Radsportveranstaltungen durchgeführt haben, ergaben, dass immerhin 95 Prozent der befragten Radfahrern über irgendwelche gesundheitlichen Probleme klagten. Seien es Taubheitsgefühle in den Händen oder Füßen, oder auch Wirbelsäulenprobleme. Reicht da eine passende Sitzposition oder hilft nicht vielmehr eine Federung am Rad?

Federungssysteme bringen für die Gesundheit einen deutlich positiven Effekt. Wir konnten zeigen, dass vollgefederte Räder über 30 Prozent der Stöße im Lendenwirbelbereich eliminieren. Und zudem konnten wir erstmalig beweisen, dass die Federung am Rad auch keine zusätzliche Energie kostet, sondern die Kräfte sogar geschont werden. Die Oberschenkelmuskulatur muss beispielsweise weniger Haltekraft verrichten und spart somit 41 Prozent an Energie ein.

Gesund bleiben durch Federung. Theoretisch könnte man dann doch fordern, dass ungefederte Fahrräder nicht mehr verkauft werden dürfen?

Im Extremfall würde ich dem fast zu stimmen. Außer bei jenen Radfahrern, die Hochleistungssport betreiben. Die bringen die körperlichen Voraussetzungen vor allem für die Wirbelsäule mit. Doch das Gros der Bevölkerung ist viel zu schwach, für die müsste man eigentlich eine Rückenschule anbieten.

Heißt das, dass eine schlechte Federung ist immer noch besser als gar keine?

Nein, schlechte Federungen können die Schläge sogar verstärken. Es muss schon ein gutes Federungssystem sein. Am besten eines mit Dämpfung. Beim Auto wäre es undenkbar, dass man ohne Federung fährt. Im Gegensatz zum Fahrrad. Das ist für mich absolut unverständlich.

Was halten Sie von gefederten Sattelstützen?

Das ist eine preiswerte Alternative. Wir haben alle gängigen Modelle untersucht. Sie sind nicht alle sehr gut, aber die meisten sind gut. Die Minderung der Schläge liegt bei rund 25 Prozent, dass heißt sie sind besonders als Nachrüstteil eine echte Alternative.

Fast so gut wie ein vollgefedertes Fahrrad, ein Fully?

Ich denke im normalen Alltag brauche ich kein Fully. Wenn ich etwas extremer fahre, sollte es aber schon gefedert sein. Natürlich kann man später nachrüsten, doch das hat immer Nachteile, besonders im Hinblick auf eine feine Abstimmung der Federung. Gefederte Sattelstützen haben da immer das Nachsehen. Ideal sind Luftfederelemente, die man sehr fein abstimmen kann. Beim Mountainbiken auf der Transalp-Challenge haben wir Belastungen von 4,5g  gemessen (g ist die Einheit der Erdbeschleunigung. Normalwert ist 1 g; die Red.) Das sind Belastungen, die selbst in der Formel Eins nicht vorkommen. Und das in vielen immer wieder kommenden Schlägen. Das wäre im normalen Arbeitsleben undenkbar. Im Grunde kann man das sogar auf die normale Straße übertragen, wenn auch nicht ganz so extrem.

Was kann passieren?

Das extremste ist ein Bandscheibenvorfall. Darüber hinaus treten auch an den kleinen Wirbelgelenken Verschleißerscheinungen auf. Aber ich spreche ungerne über die Gefahren. Ich würde viel lieber sagen, wie ich es erreiche, dass ich mich auf dem Rad wohl fühle.

Wie denn?

Beispielsweise durch verbesserte Handgriffe. Ergonomische Griffe können bis zu zehn Prozent der Vibrationen kompensieren. Und dann die Sitzhaltung, denken Sie nur an Rennräder. Alle eifern Jan Ullrich nach. Bringen aber nicht die Voraussetzungen mit. Deshalb muss man unterschwellig Räder anbieten, auf denen man meint, wie Ullrich zu fahren, die aber nicht so belastend sind. Das Manko der Branche ist es, dass sie nur Produkte verkauft. Eben ein Rad, aber nicht das Radfahren. Langfristig wird es deshalb für Fahrräder mit wissenschaftlichen Detaillösungen einen Markt geben. Daran arbeiten wir.



 

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