Was man bei einem unverschuldeten Fahrradunfall beachten sollte

Man kann noch so aufmerksam radeln. Nicht immer ist ein Unfall vermeidbar. Wenn einem keine Schuld trifft, bleibt die Frage, wer für den Schaden aufkommt. Sehr gerne wird in solchen Fällen von den anderen Verkehrsteilnehmern (soweit sie einsichtig sind) angeboten, den Schaden außergerichtlich an Ort und Stelle zu klären und flugs die Brieftasche gezückt. Nach dem Motto: "So teuer kann der Schaden ja nicht sein". Das mag manchmal sogar ehrlich und aufrichtig gemeint sein, doch darauf sollte man sich nicht einlassen (und wenn einer einem 3000 Mark anbietet, obwohl das Rad augenscheinlich alt und verbraucht ist, hat der Schuldige vielleicht mehr als nur einen Unfall verbockt).

Im Zweifel ist es immer besser, die Polizei zu rufen, besonders, wenn sich nach dem ersten Schreck Schmerzen bemerkbar machen oder keine Zeugen greifbar sind.

Oft lassen sich Schäden auch für den Laien nicht so einfach feststellen. Wer vorschnell zu kooperativ ist, kann später auf seinen Kosten sitzen bleiben.

Rechtsanwalt Martin Karnetzki, beim Fahrradclub ADFC für Rechtsfragen zuständig, rät zudem zu einem Gedächtnisprotokoll, und zwar "so schnell wie möglich". Bei körperlichen Schäden sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Denn mögliche Spätschäden können dann auf den Unfall zurückverfolgt werden, erklärt Karnetzki.

Spontane Angaben zu den Schäden am eigenen Rad sollte man nicht abgeben. Wird ein Polizeiprotokoll angefertigt, sollten die offensichtlichen Schäden aufgelistet werden. Oft übersieht jedoch man auf den ersten Blick, nach dem ersten Schreck, wesentliche Details. Eine verbogene Gabel fällt einem vielleicht erst bei einem Vergleich mit einem ähnlichen Rad auf. Und eine Wucht im Rad macht sich eventuell erst bei Geschwindigkeiten über 20 km/h oder bei Touren mit Gepäck bemerkbar.

Den Schaden sollte auf alle Fälle man von einer Fachwerkstatt schätzen lassen. Man kann dabei darauf bestehen, dass beispielsweise eine Unwucht im Laufrad nicht mit viel Fingerspitzengefühl vom Mechaniker beseitigt wird, sondern ein neue Felge eingespeicht wird. Ist jedoch ein Totalschaden zu beklagen, so hilft zur Zeitwertermittlung eventuell die Schwacke-Liste für Fahrräder. Allerdings findet man dort vor allem hochwertige Räder, die auch einen gewissen Wiederverkaufswert haben. Bei kleineren, reparablen Schäden sollte ein Kostenvoranschlag angefertigt werden, den man mit seinen Ansprüchen bei der gegnerischen Versicherung einreicht.

Hat die Versicherung Zweifel an der Schadenshöhe, so wird ein – meist von der Versicherung bestimmter - Sachverständiger eingeschaltet. In einem konkreten Fall lief die Überprüfung dann wie folgt ab: Der Sachverständige ließ den Schaden von der Werkstatt zeigen und "begutachtete" die angezeigten Schäden nach dem Rat und der Aufstellung des Mechanikers des Fahrradgeschäfts. Offensichtlich scheint die fortschreitende Technik am Fahrrad auch so manchen Experten zu überfordern. Es kann deshalb nicht schaden, sich eine Werkstatt zu suchen, der man auch vertraut. Natürlich gibt es auch auf Fahrräder spezialisierte Gutachter. Eine Liste bekommt man beim ADFC (Tel. 030 / 448 47 24)

Automatisch einen Sachverständigen hinzu zu schalten, ist weniger ratsam. Wenn beispielsweise ein Schaden von 500 Mark entstanden ist, das Gutachten jedoch 1000 Mark kostet, wird so manche Versicherung sich weigern, den Gesamtbetrag zu begleichen. Die Verhältnismäßigkeit sollte also gewahrt beleiben.

Auch als Radfahrer hat man Anspruch auf Nutzungsausfallentschädigung. Einzige Einschränkung: Das Bike sollte dann nicht nur in der Freizeit und zum Spaß gefahren werden. Berechnet wird nach Tagen. Als Vergleich dienen dabei die Tarife von Mietfahrrädern.

Muss ein Anwalt hinzu gezogen werden, ist es von Vorteil eine Rechtschutzversicherung zu besitzen. Allerdings müssen natürlich die Anwaltskosten vom Unfallverursacher ersetzt werden. Bei vielen Autoclubs und natürlich auch beim einzigen Fahrradclub ist man automatisch rechtschutzversichert (beim ADFC allerdings mit einer Eigenbeteiligung von 100 Mark).

Auch einen Fahrradschutzbrief bietet der ADFC an. Für 21,70 (plus Steuer) im Jahr sind damit Taxikosten bei Panne, Unfall oder Diebstahl sowie Transportkosten zur nächsten Werkstatt bis zu 200 Mark inbegriffen. Auch werden die Kosten für ein Mietrad für eine Woche übernommen. Einziger Haken: Man muss bereits Mitglied sein (kostet 72 Mark im Jahr). Für Mitglieder gibt es auch eine Vollkaskoversicherung, beispielsweise für ein 1500 Mark-Rad 120 Mark (plus Steuer) im Jahr.

Versicherungen aller Art rund ums Rad bekommt man freilich auch bei vielen Maklern, Autoclubs und in Fahrradgeschäften.