Messebericht von IFMA 2000

Anderthalb Kilometer Kabel hat Winfried Reimann in seinem Fahrrad verlegt. CD-Player, Bordtelefon mit Freisprecheinrichtung, Fernlicht, Nebenscheinwerfer ,jede Menge kleiner Lämpchen und Stroboskope ins Bike integriert. "Star Vision" nennt der Bochumer sein fahrendes Kunstwerk an dem er zehn Jahre gearbeitet hat. Auf dem Internationalen Fahrrad-Markt (IFMA) in Köln hatte es Weltpremiere.

Reimann möchte mit dem Rad ins Guiness-Buch der Rekorde kommen, aber nebenbei auch einen Käufer für sein außergewöhnliches Fahrrad finden. Was es kosten soll, sei Verhandlungsbasis (Angebote nimmt der Künstler unter Tel. 0234 / 337 185 entgegen). "Man kann das Fahrrad fahren", versichert Reimann, "wenn man ein wenig Übung hat". Ab einer bestimmten Geschwindigkeit werden die kleinen Stützräder, die im Stand das Rad nicht umkippen lassen, wie beim Flugzeug vom Cockpit aus eingezogen. 245er-Reifen hat er aufgezogen, die Reifentechnik inklusive Bremsen aus einer Aprillia-Rennmaschine entnommen und mit normalen Freilaufkränzen vom Fahrrad kombiniert. Das "Star Vision" mit dem auffällig in Airbrushtechnik lackierten Aluhaut war das optischen Highlight auf dem Erfinder-Park, der mittlerweile fester Bestandteil der ansonsten von Kommerz dominierten Messe ist.

Die IFMA hat sich trotz absteigender Tendenz eines zum Glück bewahrt: Die Messe bleibt auch ein Markt für außergewöhnliche Ideen. Manch einer vom Erfinder-Park hat hier schon einen Produzenten gefunden. Andere sind bereits Produzenten, haben aber trotzdem nicht den Erfindergeist verloren. Die holländische Firma Basil zeigte einen Regenschirm mit dem Namen Regi, der am Vorbau montiert wird und Taschen im Lenkerkorb und auch Hosen trocken halten soll. Bei Rückenwind hat man ein Segel, bei Seitenwind Probleme und nass wird man immer noch.

Ähnlich schräg, aber unheimlich schön sind die Bonanzaräder des Christoph Dieckmann aus Köln (Tel. 0171 / 26 21 761). Dieckmann hat weltweit alte Teile zusammengetragen, die seit 25 Jahren nicht mehr hergestellt werden, und zu Originalrädern zusammengeschraubt. "Die Bonanzaräder gibt es noch und nicht wieder" sagt der Kölner, der derzeit noch ein nicht öffentliches Museum für Bonanzaräder betreibt. Der Preis für die raren Stücke liegt bei 1000 Mark.

Ziemlich rar machte sich ein Berliner Aussteller, der im Neuigkeitenkatalog noch mit einem Airbicycle warb. Eigentlich stand das Luftbike auf unserer Liste an oberster Stelle, doch anscheinend hat sich die Idee und damit auch die Tegeler Firma "Design Line Engineering" in Luft aufgelöst, denn auch die Telekom hat die Verbindung nach Tegel gekappt. Angekündigt war folgendes: "Am Airbicycle können jederzeit beim Fahrern alle Druckluftfederdämpfer auf einfach Art und Weise über den Fahrer durch eine Drehbewegung an nur einem Einstellventil über ihre Luftfeder- und Dämpfungseigenschaften unter Berücksichtigung des Körpergewichts, Gepäcks und der Reifengröße an die wechselnden Straßenunebenheiten beliebig ohne anzuhalten optimal angepasst werden".

Viel zu sehen gab es wie jedes Jahr auf Sonderausstellung über Elektroräder. Besonders gefallen haben uns dieses Jahr die E-Bikes "Flyer" der Schweizer Firma BKTech. Teilweise mit Scheibenbremsen und Vollfederung ausgestattet, kosten die Bikes zwischen 3400 und 6200 Schweizer Franken.

Viele interessante Neuigkeiten gab es beim Zubehör. Die Schweizer Firma DT Swiss bot erstmalig ein System an (Prolock), das angeblich beim Laufrad die Verbindung zwischen Speiche und Nippel "nachhaltig und konstant sichert". Im Klartext: Es soll keine Unwuchten mehr geben.

Die Firma Messingschlager warb für einen neuen Flaschenhalter, bei dem die Trinkflasche von der Seite eingesteckt wird. Der Halter ist deshalb besonders für die neuen Rahmenformen gedacht, wo oft nicht genügend Platz für einen herkömmlichen Halter ist. Ebenfalls bei Messingschlager sahen wir den Scheinwerfer "Blue Vision Halogen" mit dem wir Radfahrer endlich auch wie die Mercedes und BMW-Fahrer mit einer Xenon-Lampe blenden können.

Eine weitere sinnvolle Internetnutzung für den Fahrradfahrer bietet die Fahrradfindmaschine unter der Adresse "find-dein-bike". Dort kann man sein Bike mit Rahmennummer und Foto registrieren lassen, was die europaweite Suche nach dem guten Stück erleichtern soll. Für gefundene Räder wird es einen Finderlohn geben.

Ebenfalls auf den Computer setzt man bei der Einkaufsgemeinschaft Bico plus. Andreas Schuwirth und Derk Bossel haben eine Vermessungswand und ein Computerprogramm entwickelt, mit denen der Kunde im Fahrradladen besser beraten werden soll. Es werden mit einem Laserpointer fünf markante Punkte des Kunden gemessen und dann nach einem Fragekatalog das passende Rad aus 10 000 bei Bico verfügbaren Modellen ausgesucht. Viele Händler auch ein Großteil der Hersteller zeigte sich an dem neuen System interessiert.