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IFMA 2001: Der Lenker wird zur Schaltzentrale

Jahrelang wurde das Fahrrad komfortabler aber auch komplizierter. Getragen vom Boom der Mountainbikes gab es jedes Jahr innovative Verbesserungen. Ganz neue Konzepte wurden regelmäßig auf den Fahrradmessen vorgestellt, seien es neue Rahmengeometrien, alternative Antriebe oder kräftiger zupackende Bremsen. 

Heute verfügt ein Fahrrad über hochtechnische Scheibenbremsen, jede Menge Gänge, die sich im Idealfall sogar in Kombination mit einer Federung (an Vorder- und Hinterrad) per Bordcomputer ansteuern und automatisch einstellen lassen. Die Lichtanlage eines Rades kann sich ja schon seit Jahren automatisch bei Dunkelheit einschalten. 

Viel, ja sehr viel, wurde in den vergangenen Jahren (weiter) entwickelt. So ist es im ersten Moment nicht verwunderlich, dass es nicht jedes Jahr ein Feuerwerk der Innovationen geben kann. Doch dass man die Neuigkeiten auf dem Internationalen Fahrrad-Markt (IFMA), der bis zum Sonntag in Köln stattfand, geradezu mit der Lupe suchen musste, überraschte dann doch.

Während die Autoindustrie auf Messen ihre Prototypen mit Stolz auf rotierenden Podesten präsentiert, werden neue Fahrradkonzepte lieber erst gar entwickelt ("kostet ja Geld") oder aber in irgendeiner versteckten Ecke ausgestellt. So entgeht man auch den bohrenden Fragen im kommenden Jahr, was denn aus der Studie geworden sei. Man wird den Eindruck nicht los, den Fahrradherstellern hat offensichtlich aufgrund sinkender Verkaufszahlen (in Deutschland sank die Zahl der produzierten Velos in diesem Jahr um 15 Prozent) der Mut verlassen, auch einmal mit einer neuen Studie baden zu gehen.

Wohltuende Ausnahme war der Branchenriese Giant. Der amerikanische Hersteller zeigte als einer der wenigen von insgesamt 228 ausstellenden Fahrradherstellern ein neues Radkonzept: Das Prodigy DX ist optisch sehr gelungen, strömlinienförmiges Design, aufeinander abgestimmte Teile, keine klobigen Teile und auch ein farblich passendes Cockpit wurde extra entworfen. 

Klarer Trend: Der Lenker wird zur Schaltzentrale. Neben Giant zeigten auch Sram und Shimano "ihre" Lenkervorstellungen. Bei Giant hat der Tacho seinen festen Platz am Lenker, steht nicht hervor und muss auch nicht nachträglich irgendwie irgendwo angeklebt werden. Tachohersteller wie Sigma bieten mittlerweile auch Geräte mit Textanzeige an, oder wie Konkurrent Ciclomaster mit PC-Schnittstelle zur einfachen Tourauswertung. Beim neuen Lenkertyp ist natürlich auch der Scheinwerfer fester Bestandteil der Frontpartie. So bekommt das Fahrrad ein eigenes Gesicht. Sram stellte einen Doppelscheinwerfer vor (in Deutschland immer noch verboten), dessen Schalter serienmäßig in den Lenker integriert wurden.

Aber bleiben wir noch kurz bei Giant. Die Amerikaner wollten ein Bike bauen, welches sportlich aussieht, aber für die Tour durch die Stadt gedacht ist. Zunächst war das Sport-Utility-Bike (SUB) Prodigy nur als Studie gedacht, doch nun soll es bereits im kommenden Frühjahr in die Läden kommen.

Giants Vorstoß zeigt einen weiteren Trend: Während in den vergangenen Jahren vor allem kleinere Hersteller mit Neuigkeiten brillierte, ziehen nun die Großen der Branche davon. Auch Shimano zeigte viel innovative Technik. Highlight der kommenden Saison wird sicherlich die automatische Gangschaltung und die elektronisch gesteuerte Federung sein.

Während auf der Eurobike Anfang September noch ein Prototyp der Nexave C910 auf einem Podest stand, konnte man in Köln bereits Probefahren. Auch ist seitdem die Anzahl der Hersteller, die bereits zugesagt haben, diese Schalt- und Federautomatik einzusetzen, deutlich gestiegen.

Andere Hersteller versuchen der Flaute damit zu begegnen, in dem sie mehrere Fahrradtypen in ein Fahrzeug integrieren. Die Derby Cycle Werke stellten ihr Focus Vario vor. Es soll laut Hersteller das einzige Mountainbike sein, welches auf Grund seiner variablen Federwege mehrere Bikes in einem vereint. "Ohne Werkzeug wird so aus einem Cross Country Bike eine Bergziege, die spätestens bei der Fahrt ins Tal zum Downhill Champ mutiert", verspricht der Hersteller.

Ohne Federung verkauft sich ein Rad sowieso nur noch schwer. Verstärkt werden nun auch die Anhänger gefedert. Bei zweirädrigen Trailern findet man sie schon des öfteren. Neu ist sie jedoch bei Einrad-Anhängern. Gleich zwei Hersteller zeigten ihre Modelle. Die deutsche Firma Weber nennt ihren Anhänger "Monoporter", der optisch auf ganzer Linie überzeugt und sich auch sehr flach und klein zusammenklappen lässt (Foto 9) Ob er so unverwüstlich ist wie sein Vorbild, der Yak des US-Herstellers Bob, muss sich allerdings erst in der Praxis noch zeigen. Bob hat nämlich zeitgleich gekontert und bietet nun auch seinen Klassiker Yak alternativ mit Federung an.

Eigentlich ist die amerikanische Firma Chariot für zweirädrigen Anhänger bekannt. Im Anbetracht des nahen Winters zeigten sie auf der Messe einen Anhänger, der sich leicht zu einem Skianhänger umbauen lässt, mit dem man den Nachwuchs über die Piste ziehen kann.

Bei manchen Neuerungen kommt automatisch der Gedanken, warum man darauf nicht schon früher gekommen ist. Beispielsweise die Möglichkeit, den Sattel mit Sattelstütze als Laufradsperre zu benutzen. Bei einem Cannondale-Rad steckt man den Sattel durchs Hinterrad (natürlich in einer passenden Rohr-Vorrichtung) und kann die mit einem Loch am unteren Ende ausgestattete Stütze nun mit dem Rad an einen festen Gegenstand anschließen. Sehr praktisch!

Mehr Sicherheit verspricht die Firma Busch und Müller Radfahrern und Skatern. Die Deutschen zeigten erstmalig ein (blinkendes) Diodenrücklicht ("Top Fire"), das in die hinteren Belüftungsschlitze des Helms gesteckt wird. 18 Gramm soll die Anlage wiegen und mit Knopfzelle 60 Stunden leuchten. Busch und Müller verspricht, dass Top Fire für fast alle Helm-Modelle geeignet sei.

Insgesamt bleibt auch nach dieser IFMA ein durchwachsenes Fazit. Denn trotz neuem Konzept hat die IFMA im Wettbewerb mit der (meist zwei Wochen) früher stattfindenden Eurobike in Friedrichshafen weiter an Boden verloren. Die Hersteller und Händler wünschen sich schon seit Jahren nur noch eine Messe im Jahr, doch die Konkurrenten konnten sich bisher leider nicht einigen.

ichtige Neuerungen gab es dagegen bei Detaillösungen. Mehr Komfort - weniger Wartung, so könnte der Leitsatz einer an sich kränkelnden Branche heißen, in der in diesem Jahr mehrere Hersteller Konkurs anmelden mussten. Die Stimmung ist schlecht - nicht zuletzt auf Grund der gesunkenen Zahl verkaufter Fahrräder. Einen Aufschwung erhofft man sich unter anderem durch den Einsatz von Elektronik bei der Steuerung von Gangschaltung und Federung. Shimano präsentierte die erste serienreife automatische Kettenschaltung. Neu ist dabei nicht die Automatik am Rad, jedoch die Möglichkeit, auf diese Weise auch eine Kettenschaltung zu steuern. Bei der Nabenschaltung gibt es diesen Komfort schon länger. Der Bordcomputer errechnet dabei nicht nur den passenden Gang, sondern auch die ideale Federung. Ende des Jahres sollen die ersten Modelle zum Händler gelangen.

Nur als Prototyp war ein Fahrrad zu bestaunen, welches durch einen aus der Automobilbranche bekannten Zahnriemen angetrieben wird. Bisher setzen nur wenige Hersteller auf diese wartungs- und verschleißarme Antriebsart. Das wirklich Neue, ja fast revolutionäre, ist die Gangschaltung. Sie besteht aus einer Reihe radial angeordneter Rädchen auf einer Scheibe. Wie bei einer Kettenschaltung verändert sich zum Berggang hin der Radius. Entwickelt wurde diese neue Gangschaltung vom Raumfahrtingenieur Eckart Hettlage aus Karlsruhe. Bis zu 33 Gänge sollen möglich sein. Der Übersetzungsbereich soll dann bei 620 Prozent liegen. Hettlage will die Gangschaltung selber bauen, sucht allerdings noch Rahmenhersteller, denn für die noch namenslose Schaltung ist ein Spezialrahmen nötig.

Am Anfang steht auch Bernd Henelhaupt aus Suhl. Henelhaupt hat ein Schloss fürs Tretlager entwickelt, welches leicht nachrüstbar sein soll. Die von der Dreherei Fritz Weih gebaute Diebstahlsicherung ist so eine Art Wegtretsperre. In Kombination mit einem Stahlbügel, der ins Tretlager gesteckt wird, kann man dann das Rad auch an feste Gegenstände anschließen. Preis und Markteinführung stehen noch nicht fest.

Da ist Markus Schulz aus Saarbrücken schon weiter. Die Firma Byschulz präsentierte einen höhenverstellbaren Lenkervorbau für die so genannten A-Head-Systeme. Diese aus dem Mountainbikebereich kommende Vorbautechnik zeichnet sich dadurch aus, dass sie zwar leicht ist, aber eine Höhenverstellung des Lenkers sehr umständlich ist. Der "Speedlifter" hingegen ermöglicht eine variable Lenkerhöhe im Bereich von zehn Zentimetern. Verstellt wird per Schnellspanner. Für den Einbau des 200 Mark teuren Zubehörteils sind allerdings einige Umbaumaßnahmen notwendig. Die Fahrradfirmen Epple und Hartje haben den Speedlifter bereits in ihr Programm aufgenommen.

Das gefederte Fahrrad ist ja mittlerweile fast zum Standard geworden. Trotzdem geht die Entwicklung weiter, und so gibt es immer wieder neue Federkonzepte, die besser sein sollen oder einfach nur optisch ansprechende Rahmengeometrien ermöglichen. Gleich zwei Hersteller setzen darauf, den Dämpfer fürs Hinterrad unterhalb des Rahmens zu positionieren. Bei der neuen Fahrradmarke "Orbit" der Firma Our Planet nennt sich die neue Federung "J-Link". Als Vorteile werden genannt, dass die neue Anordnung ein Verdrehen des Hinterbaus verhindert und trotz der Federung - durch die gute alte Diamant-Rahmenform - der Rahmen so steif wie bei einem ungefederten Rad sein soll. Besonders bergauf soll man den Unterschied spüren. Bei "Checker Pig" hat die neue Anordnung der Federung dagegen andere Gründe. Hier wollte man bei einem Cityrad einen möglichst tiefen Durchstieg realisieren.

Noch ganz am Anfang steht die Entwicklung von Fahrrädern mit Global Positioning System (GPS). Das ist vor allem für Touren- und Reiseradler interessant, allerdings ist das satellitengestützte Navigationssystem noch sehr teuer. Die deutsche Firma Mondello zeigte ein Edel-Reiserad für 11 000 Mark mit integriertem GPS-Gerät. Natürlich sind die Empfänger auch gleichzeitig Tacho, Kilometerzähler und Höhenmesser. Tourempfehlungen können im Internet heruntergeladen und ausgetauscht werden. Das Gerät lässt sich auch nachrüsten, kostet einzeln etwa 1200 Mark.

Wer gar nicht mehr rausfahren möchte, dem bietet die holländische Firma Tacs eine Alternative. Mit Hilfe eines speziellen Gestells wird aus dem Straßenrennrad ein Heimtrainer. Fahrrad und Trainer werden mit einem Computer verbunden und die Radtour durch eine virtuelle Welt kann beginnen. Man kann an Radrennen teilnehmen, gegen Gegner kämpfen, vom Weg abkommen oder sich schwitzend den Berg hoch kämpfen. Die Rückkopplung wirkt ziemlich echt, denn man muss richtig treten und lenken und wenn's auf dem Bildschirm bergauf geht, erhöht sich entsprechend der Widerstand in der Laufrolle. Der Ritt durch die immer blühende Landschaft kostet knapp 800 Euro.

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