Langzeittest Federgabel-Lowrider Faiv

Wohin mit dem ganzen Gepäck? Man könnte meinen, die Ingenieure hatten erst das Fahrrad entwickelt und dann die Räder. Jedenfalls sieht es so aus, wenn man sich fragt, wer sich all die Jahre überhaupt einmal darüber Gedanken gemacht, wie man an einer Federgabel einen Gepäckträger montieren kann. Federgabel und Gepäckträger, das schloss sich bisher aus. Jedenfalls, wenn man halbherzige Lösungen nicht mag, bei denen ein nahezu herkömmlicher Lowrider einfach mit Schellen an die Gabelholme geschraubt wurde. Einen eingefleischten Reiseradler konnte dies nicht überzeugen. Die bisher einzige durchdachte Lösung präsentiert der Kölner Ingenieur Ulrich Artmann mit dem Faiv Hoogar.   

Faiv Hoogar Lowridergepäckträger Mittlerweile gibt es zwei verschiedene Varianten. Einen klassischen Lowrider (siehe Test-Artikel aus dem Jahr 2002), der bis zu diesem Frühjahr an meinem Rad war und eine neue Variante mit einer zusätzlichen Ladefläche oberhalb des Vorderrades. Den ersten Prototypen konnte ich auf mittlerweile drei verschiedenen Touren (1800 km durch Australien, 400 km durch Schweden und 600 km durch Island) in diesem Jahr testen. Besonders auf der Tour durch Australien (Queensland, Cape York)  musste der Träger auf Waschbrettpisten jede Menge tragen und aushalten. Zwischen den Einkaufsmöglichkeiten lagen hin und wieder bis zu 14 Tage. Bis zu 10 Kilo wogen jeweils die Low-Rider-Taschen, hinzu kam ein Schlafsack und seine Isomatte, die oben angeschnallt wurden.  Der Gepäckträger hat´s überstanden. 

Einige Neuerungen sind mir aufgefallen: So wird bei der zweiten Version (dies trifft aber auch auf den Lowrider ohne Highrider zu) auf die Spezialachse verzichtet. An dieser Spezial-Steckachse, die anstelle des Schnellspanners eingesetzt musste, wurde bisher der Lowrider an der Achse fixiert. Dies war immer ein Problem, denn an manch eine Federgabel war der Träger so nur mit Biegen und Zangeneinsatz ran zubekommen (zum Beispiel beim Delite Grey von Riese und Müller), allerdings gab die Befestigung auch zusätzlichen Halt, aber dazu später mehr. Jetzt wird der Träger nur noch an zwei (eigentlich drei) Stellen an die Gabel gebracht (womit sich sonst die Anbringung nicht verändert hat). Nämlich mittels Schraubenschellen rechts und links vom Gabelholmen (deshalb die Anmerkung zwei bis drei, je nach dem, wie man die Anbringungsstellen zählt).

Faiv Hoogar LowriderDie andere wichtige Stelle ist die Befestigung im Gabelschaft des Rahmens. Der Träger wird mit einer Inbusschraube und einer Spezialkontermutter eingeschraubt. Durch die Mutter werden sechs Kugeln, die in einem Rohr sitzen, durch sechs Löcher gegen den Gabelschaft gedrückt. Die Idee ist gut, allerdings gibt es hier noch ein wenig Überarbeitungsbedarf, denn auf der Australientour ist der Träger einmal aus dem Schaft gerutscht. Zum Glück nicht gerade bei einer Abfahrt, sonst hätte unweigerlich zum Sturz geführt. Das Rausrutschen war bei der alten Version nicht so einfach möglich, da ja der Träger zusätzlich an der Achse befestigt war. Weshalb ist er rausgerutscht? Höchstwahrscheinlich weil der Gummischlauch, der über den Kugeln sitzt, beim Reinbauen verrutscht ist. Ich habe dann zur Sicherheit den Träger zusätzlich mit Kabelbinder an der Gabel befestigt.      

Seitdem sitzt der Träger bombenfest. Da der Faiv sehr breit ist, musste ich ihn beim Fahrradtransport im Flugzeug oft abmontieren und ins normale Gepäck stopfen. Im Grunde nicht schlimm, auch die Demontage ist schnell erledigt. Nur sollte man darauf achten, dass sämtliche Kugeln im Schaft bleiben. Ich habe auf dem Weg nach Australien zwei Kugeln verloren. Mit nur vier Kugeln bekommt man allerdings den Träger nicht befestigt. Es empfiehlt sich deshalb Vorsicht, oder die Mitnahme von Ersatzkugeln, sonst kann man arge Probleme bekommen, wenn kein Fahrradladen in der Nähe ist. Die Kugeln stammen aus einem gewöhnlichen Kugellager. 

Was gibt´s noch zu kritisieren? Nun ja, wie beim alten fangen nach ein paar 100 km die Gleitelemente an zu quietschen. Man kann die fetten, doch dann ist man ständig am fetten. Denn das Quietschen kommt bald wieder. Also überhört man es irgendwann. 

Insgesamt ist der Faiv zu empfehlen. Das Beste, was es derzeit auf dem Markt für Federgabeln gibt. Leider ist der Träger wahrlich nicht billig. Der Preis wird wohl bei rund 200 Euro liegen. Viel Geld für ein wenig Stahl, aber die Investition ist es wert.    

+ beste Qualität, äußerst robust, für Weltumradler ein Muß. Dank Stahl auch sonstewo zur Not schweißbar

- hoher Preis (quietschende Gleitelemente, Kugeln können verloren gehen, Gummischutz im Schaft kann abrutschen.


  • Nachtrag 2009:

Seit 2003 ist der Träger im (Dauer)Einsatz, noch ist nichts gebrochen, ein bißchen verrostet ist er, aber sonst gut in Schuß. Ausgetauscht wurden bisher lediglich die Gleitschienen. Und seitdem ich den Träger beim Transport im Flugzeug nicht mehr abbaue, hat sich auch das Herausrutschen während der Fahrt erledigt. Einmal richtig eingesetzt, hält der Träger auch. Vielleicht stellt sich manchen Radfahrer auch die Frage, wie man ihn am Besten im Flugzeug transportiert. Ich besorge mir die breiteste Ausführung des Fahrradkartons (besonders sind Winora oder Kettlerboxen geeignet). In diese Kartons passt der Träger von der Breite knapp hinein. Der Karton beult ein bißchen, aber das ist nicht weiter schlimm. Geschützt wird er durch ein wenig Schaumstoff. Beim Hoogar plus gibt der obere Träger zusätzliche Stabilität. Bisher ist noch nichts verbogen.

Der Preis für den faiv Hoogar liegt nunmehr bei 200 Euro, den Hoogar plus gibt es auf Anfrage. Mittlerweile gibt es drei verschiedene Varianten.

Beschreibung der einzelnen Modelle auf der Webseite von Faiv.de Dort kann man sich auch weitere Infos als pdf heurnterladen

  •  faiv Hoogar

Standard Gepäckträger für die Fahrrad-Federgabeln

Patentierte Dreipunkt-Aufhängung
Für alle gängige Taschen nach EURO-Standard

Federgabelbreite max. 180 mm
Federweg max. 110 mm
Radgröße 26“ und 28“
Gepäcklast max. 16 kg

Eigengewicht: 850 Gramm

Preis: 200 Euro

  • faiv Hoogar plus

Gepäckträger wie 1.1 faiv Hoogar jedoch mit zusätzlicher Gepäckbrücke über dem Vorderrad
Anlötöse für die Montage eines Scheinwerfers (vorne)
Hakenöse (unten) für die Mitnahme von Taschen nach US-Standard                                                     Gepäcklast max. 18 kg

Eigengewicht: 950 Gramm

Preis: auf Anfrage

  •  faiv Hoogar black

Gepäckträger wie 1.1 faiv Hoogar jedoch speziell für
Federgabel-Bauart nach dem „Reverse Arch Design4“
Gepäcklast max. 10 kg