Statement vom stellv. Chefredakteur von "test" zum Elektroradtest

Peter Gurr, stellvertretender Chefredakteur bei dem Magazin "test", über den von Stiftung Warentest und ADAC durchgeführten Elektroradtest. Der Test ist nachzulesen im aktuellen (08/2011) Testheft:

 

Kommt der Durchbruch für die elektrische Mobilität noch lange vor dem Elektroauto auf dem Fahrrad daher? Elektrofahrräder sind die Renner der Saison. Laut Zweirad Industrie Verband (ZIV) hat sich die Nachfrage nach Elektrofahrrädern in den vergangenen Jahren fast verdreifacht. Im Jahr 2009 wurden in Deutschland 150.000 Stück verkauft, 2010 waren es 200.000. Am Gesamtmarkt haben die Fahrräder mit Elektroantrieb bereits einen Anteil von 4 Prozent, das Marktpotenzial schätzt der ZIV mittelfristig sogar auf 10 bis 15 Prozent Marktanteil.

Der rasant wachsende Markt ist ein Grund für unseren Test, ein weiteres Motiv lieferte im vergangenen Jahr eine Rückrufaktion der Zweirad-Einkaufsgenossenschaft ZEG. Sie rief knapp 11.000 Elektrofahrräder der Marke Pegasus zurück. Der Grund: Zwei Rahmen waren gebrochen. Gelernt hat die betroffene Firma aus dem Schaden offenbar nichts. Bei dem von uns geprüften Pegasus E-Tour ist nach 10.000 Kilometern auf dem Prüfstand jedenfalls auch der Rahmen gebrochen. Das bewerten wir mit "mangelhaft". Das zweite Mangelhaft" kassierte das Ruhrwerk E-Bike für zu schwache Bremsen. Auch bei drei weiteren Rädern, dem Giant, Kettler und KTM, ist die Bremswirkung nur "ausreichend". Sie verpassten daher ein besseres Qualitätsurteil.

Mit den drei "guten" Rädern im Test - dem Trekkingrad Diamant Zouma Sport + sowie den Komforträdern Kreidler Vitality Elite und Raleigh Leeds HS - macht das Fahren richtig Spaß, wie unsere Testradier, drei Frauen und vier Männer, bestätigten. Der Grund ist schnell erklärt. Drei, vier Pedalumdrehungen reichen schon aus, dann spürt man den Motor wie eine unsichtbare Hand, die einen anschiebt. Es ist die Kombination aus Muskelkraft und Elektroantrieb, die das Radfahren von Grund auf verändert. Locker und lässig statt verschwitzt ins Büro, Fahrradtouren mit dem leistungsstärkeren Partner unternehmen können, ohne ständig zurückzubleiben. Auch Kinder können problemlos transportiert werden. Ein Kindersitz lässt sich zwar meist nicht befestigen. E-Bikes eignen sich aber gut als Zugfahrzeug für Kinderfahrradanhänger.

Nur der Name des attraktiven Gefährts kommt noch ziemlich sperrig daher. Pedelec ist ein Kunstwort aus "Pedal Electric Cycle" und steht für die von uns untersuchte Gruppe von Fahrrädern mit elektrischem Hilfsmotor. Ein 250 Watt starker Elektromotor unterstützt den Radler, solange der in die Pedale tritt. „Gasgeben" ohne zu treten, wie bei einem Mofa, ist nicht möglich, nur zwei Räder der zwölf Elektrofahr-räder im Test verfügen über eine Anfahr- oder Schiebehilfe. Beim Fahren schaltet sich der Motor ab, sobald 25 Stundenkilometer erreicht sind. Schneller geht es nur mit Muskelkraft.

Die Räder mit eingebautem Rückenwind werden längst nicht mehr als Rehamobil belächelt. Unsere Online-Umfrage auftest.de mit etwa 1.000 Teilnehmern im Sommer 2010 zeigte eine durchweg positive Resonanz. Mobilität und Umwelt sind die am häufigsten genannten Begriffe. Fast 20 Prozent der regelmäßigen Radler denken über den Kauf eines E-Bikes nach. Bei denen, die sich bisher nur sporadisch aufs Rad schwingen, bekunden fast 50 Prozent Interesse für den Kauf. Entsprechend den Umfrageergebnissen haben wir auch die Modelle für unseren Vergleich ausgesucht: Sieben Alu-Komforträder mit tiefem Durchstieg und fünf Alu-Trekkingräder mit Diamantrahmen. Auch bei Reifenbreite, Lenker und Sattelform, Naben- und Kettenschaltung ist für komfortorientierte und sportliche Fahrer etwas dabei. Die Preise der zwölf Modelle im Test liegen zwischen 900 und 2700 Euro.

Unsere Auswahl bildet den höchst attraktiven, aber, das zeigen unsere Ergebnisse deutlich, nicht unproblematischen Markt gut ab. Meine Kollegin Elke Gehrke wird Ihnen jetzt die Resultate im Detail vorstellen.