Statement der Stiftung Warentest zum Elektroradtest

Hier das Statement von Elke Gehrke, Wissenschaftliche Leiterin "Freizeit & Verkehr" bei der Stiftung Warentest zu dem Elektroradtest:

"In unserem Test haben wir Trekking- und Komfortfahrräder mit elektrischer Unterstützung geprüft. Unsere Auswahl berücksichtigt die zurzeit am Markt angebotenen vielfältigen technischen Lösungen: Frontantrieb, Heckantrieb und Mittelmotor. Aber auch unterschiedliche Akku-Konzepte, einfache und anspruchsvolle Sensortechniken sowie ein Spektrum an Schalt- und Bedienvarianten werden im Test vorgestellt.

Neben dem wichtigen Praxistest haben wir auch verschiedene Untersuchungen zur Sicherheit durchgeführt. So wurden die Fahrräder in fünf Prüfinstituten getestet, jedes davon ist spezialisiert auf ein bestimmtes Gebiet. Die Tests umfassten u. a. chemische Analysen, die elektrische Funktion und Sicherheit des Fahrrads, des Akkus und der Ladegeräte, die Handhabung, die Reichweite der Akkus, die Prüfungen der Haltbarkeit des Rahmens und der Bremsen des Rades. Insgesamt eine ausgesprochen umfangreiche Prüfung, die in dieser Tiefe bisher noch von keinem anderen Testveranstalter durchgeführt wurde.

Zur Ermittlung von realistischen Belastungsdaten für den Test haben wir mehrere Personen über einen 10 km bzw. 20 km langen Parcours geschickt, der verschiedene Untergründe, Strecken bergauf und bergab sowie kleine Hindernisse wie Bordsteinkanten, Wurzelpassagen und Kopfsteinpflaster einschloss. Während dieser Testfahrten wurden die Belastungen der Räder elektronisch aufgezeichnet. Daraus haben wir die Anforderungen für 20.000 km errechnet und später im Labor für die Prüfung der Belastbarkeit von Gabel, Lenker und Vorbau Sattelstütze sowie Tretlager genutzt.

Diesen Test haben bis auf drei Elektrofahrräder alle "gut" gemeistert. Beim Pegasus E-Tour brach der Rahmen nach nicht einmal der Hälfte der Zeit. Das hat sich auch in einem Nachtest bestätigt. Bei zwei weiteren Rädern wurde nach den 20.000 km ein Rahmenriss am Tretlager sichtbar.

Auf einem Rollenprüfstand, auf dem das komplette Fahrrad praxisnahen Belastungen ausgesetzt wird, kamen weitere Schwachstellen ans Tageslicht. Nur zwei haben diesen Teil der Prüfung unbeschadet überstanden. Bei den anderen waren Ketten gerissen, Gepäckträger gebrochen, Bremsen gelockert, Reifen abgefahren oder die Elektronik beschädigt. Die größten Schäden wurden beim Rührwerk 28" E-Bike offenbar. Hier ist z. B. die Kette gerissen, dass Kettenblatt gebrochen und die Elektronik beschädigt. Dazu kommt, dass dieses Rad auch beim Bremsentest komplett versagt hat.

Elektroräder haben ein doppelt so hohes Eigengewicht wie Fahrräder ohne Antriebshilfe: ca. 30 kg. Beladen mit einem erwachsenen Mann kommen schnell mehr als 100 kg Gesamtgewicht zusammen. Zudem sind die Fahrer mit deutlich höherer Geschwindigkeit unterwegs, daher kommt den Bremsen eine hohe Bedeutung zu. Das scheint sich aber noch nicht rumgesprochen zu haben: Neben dem Totalversager von Ruhrwerk schaffen es auch die Modelle von KTM, Kettler und Giant nicht, ihr ausgelobtes Gesamtgewicht in der geforderten Verzögerung zum Stehen zu bringen. Das sind gefährliche Schwachstellen. Insgesamt kommen im Bremstest nur zwei Räder auf ein "Sehr gut" und zwei auf "Gut".

Bei der Prüfung der elektrischen Sicherheit wurde unter anderem die elektromagnetische Verträglichkeit geprüft. Bei Störungen durch elektromagnetische Sender darf der Motor nicht ausgehen und sich nach Wegfall des Signals auf keinen Fall allein wieder einschalten. Das letztere war beim Modell von Pegasus der Fall. Auch bei der Handhabung konnte kein Elektrofahrrad im Test durchweg überzeugen.

Fürs Fahren gab es hingegen viele gute Noten. Schwachpunkte stellen häufig das Schalten und das Fahrverhalten ohne Motorunterstützung dar. Letzteres ist besonders wichtig, wenn die Reichweite der Motorunterstützung zu wünschen übrig lässt.

Im Test der Reichweite gibt es deutliche Unterschiede bei der Akkuleistung. Die Kraft der leistungsstarken Litiumionen-Akkus kann inzwischen für Touren bis rund 100 Kilometer Länge ausreichen. Andere schafften nur 20 bis 25 Kilometer. Wieweit man allerdings tatsächlich kommt, hängt auch von Steigungen, Gegenwind, dem gewählten Unterstützungsgrad des Elektroantriebs und sogar dem Reifendruck ab. Wer Sorgen hat, dass die Akku-Leistung nicht ausreicht, muss sich deshalb entweder um einen zweiten aufgeladenen Akku kümmern oder den leeren nachladen. Schnelles Nachladen gelingt aber nur den Bosch Li-lon Akkus, sie benötigen dafür rund zwei Stunden. Die Akkus von Winora und Kalkhoff brauchen hingegen acht bis neun Stunden - zu lange, um zwischendurch "aufzutanken".

Am Ende kann man feststellen, dass bei allen Schwächen, die manche Räder noch aufweisen, Elektrofahrräder viele Vorteile und Freude am Fahrradfahren mitbringen. Die Hersteller müssen aber bei einigen Modellen noch deutlich nachbessern, vor allem bei der Sicherheit.