Nicht nur gut: Stiftung Warentest testet Elektrofahrräder

E-Bike Test Stiftung WarentestEigens eine Pressekonferenz wurde für den großen Elektrofahrradtest der Stiftung Warentest, und der Automobilclubs ADAC und des ÖAMTC einberufen. Das Fazit der Tester: Pegasus hat weiterhin Probleme mit den Rahmen seiner E-Bikes. Im Test der Stiftung Warentest sind sie nach 10.000 Kilometern gebrochen. Eine bekannte Schwachstelle, denn schon im vergangenen Jahr musste der Hersteller aus demselben Grund rund 11.000 Modelle zurückrufen. Doch es gibt weitere Modelle mit Schwachstellen.

Jetzt haben die Warentester gemeinsam mit den deutschen Automobilclub ADAC und dem österreichischen Pendant ÖAMTC zwölf Fahrräder mit Zusatzmotor, sogenannte Pedelecs, überprüft. Getestet wurden insgesamt 12 Pedelecs in den Rubriken Komforträder (tiefer Durchstieg) und Alu-Trekkingräder (28-Zoll-Laufräder und Diamantrahmen).

grafik_pedelec_adac_Teil1Testergebnis "Nicht genügend": Das Pegasus E-Tour konnte der Dauerbelastung nicht standhalten. Nach 9.740 Kilometern war der Test beendet - Diagnose Rahmenbruch. Damit wurde das Bike im Test auf "Nicht genügend" abgewertet. "Sitzposition, Schaltung und die Antriebsstärke des Motors wären durchaus positiv gewesen", merkt der ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. Beim Pedelec von Ruhrwerk (28" E-Bike) beanstandeten die Tester vor allem die schlechten Bremsen. Außerdem wurden Schadstoffe in den Griffen gefunden. "Der Anbieter hat sowohl bei Griffen als auch bei den Bremsen eine umgehende Nachbesserung angekündigt", sagt der ÖAMTC-Experte.

* Testergebnis "Genügend": Ebenfalls mit Bremsproblemen unterwegs (Testurteil "bremst nur ausreichend") - die Pedelecs von KTM (Macina Dual), Kettler (Twin Front NX8) und Giant (Twist Esprit Power).

grafik_pedelec_adac_Teil2* Testergebnis "Befriedigend": Immerhin das ÖAMTC-Urteil "Befriedigend" erreichten in der Gruppe der Komforträder die Pedelecs von Kalkhoff (Pro Connect C8) und Flyer (C8 Premium), in der Gruppe der Trekkingräder die Modelle von Winora (F2) und Prophete (Alu-Rex).

* Testergebnis "Gut": Die Komforträder Vitality Elite von Kreidler und das Leeds HS von Raleigh sowie das Trekkingrad Diamant Zouma Sport+ verfügen über sehr effektive vollhydraulische Bremsen. "Die mit 'Gut' bewerteten Pedelecs zeigten in keiner Kategorie größere Schwächen", so das Fazit des ÖAMTC-Experten.

Testsieger Kreidler Vitality EliteEin "Sehr gut" vergaben die Tester allerdings nicht. "Nach oben hin ist noch Entwicklungspotenzial", sagt der ÖAMTC-Techniker. Sowohl bei Reichweiten, Ladeakkuzeiten als auch Transportmöglichkeit/Gewicht gibt es Aufholbedarf.

Auch für Ruhrwerk gab es ein „Mangelhaft“ – die Bremsen sind zu schwach.

Die große Resonanz auf der Pressekonferenz zeigt, dass auch das mediale Interesse weiterhin groß ist. Vorbei ist es mit dem Opa-Image: Elektrofahrräder finden zum Beispiel Berufspendler interessant, die dank der Motorunterstützung nicht völlig verschwitzt im Büro ankommen. Oder Freizeitradler, die so auch längere Touren bewältigen können. Und wer seine Kinder im Fahrradanhänger transportiert, freut sich über ein Pedelec als Zugfahrzeug.

Bei Pedelecs springt der 250-Watt-Elektromotor erst an, wenn man in die Pedale tritt. Nur zwei Modelle im Test verfügen über eine Anfahr- oder Schiebehilfe, die von Flyer und Winora. Die Anfahrhilfe hat allerdings ein massives Versicherungsproblem, wie der ADAC heraus gefunden hat (siehe Artikel dazu).

Generell gilt für Pedelecs: Ist die Geschwindigkeit von 25 km/h erreicht, schaltet sich der Motor ab. Aber auch 25 km/h sind schon recht schnell. "Das birgt natürlich auch Gefahren", sagt ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. "Zum einen muss der Fahrer sehr konzentriert sein, zum anderen sind die Fahrrad-Komponenten höheren Belastungen ausgesetzt."

Auch die Bremsen von Pedelecs mehr aushalten als normale Fahrräder, denn Durchschnittsgeschwindigkeit und Gewicht sind höher. Im Test hat sich gezeigt, dass die Bremsen mancher Pedelecs diesen Anforderungen nicht genügen. Drei Modelle haben recht schwache Bremsen: Giant Twist Esprit Power, Kettler Twin Front NX8 und KTM Macina Dual. Das Elektrofahrrad von Ruhrwerk bremst sogar nur „mangelhaft“. Sehr effektiv sind hingegen die hydraulischen Felgenbremsen der drei „guten“ Räder im Test: Kreidler Vitality Elite, Raleigh Leeds HS und Diamant Zouma Sport+. Das „gute“ Rad von Kreidler hat noch einen anderen Vorteil: Der Akku ist nach rund zwei Stunden und 15 Minuten komplett aufgeladen. Bei Winora und Kalkhoff sind es acht bis neun Stunden.

Auch wenn es keine Helmpflicht für Pedelec-Fahrer gibt: Sicherer ist es mit Helm auf jeden Fall. Denn sogar erfahrene Radler unterschätzen häufig die höhere Fahrdynamik bei einem E-Bike.

Das Ergebnis wird auch schon eifrig auf der Seite der Stiftung Warentest diskutiert.Nachzulesen sind sie im aktuellen Testheft oder für 2,50 Euro auf der Webseite test.de.

 

Audiobeitrag der Stiftung Warentest zum Elektroradtest:

Video der Stiftung Warentest zu Elektrobike:

(Folgt)

Weitere Artikel zum Test:

Kaufberatung: Worauf beim Elektroradkauf achten?

ADAC: Kein Versicherungsschutz bei Pedelecs mit Anfahrhilfe

 

Statement Peter Gurrr (stellvertretenden Chefredakteur von "test") zu dem Elektroradtest

Statement Johann Grill, Leiter Verbraucherschutz, ADAC zu dem Elektroradtest

Statement Elke Gehrke, wissenschaftliche Leiterung bei der Stiftung Warentest

Hinweis: am 3.8. stehen test-Experten Elke Gehrke und Jürgen Tewes zwischen 13 und 14 Uhr auf test.de für Fragen zur Verfügung. Mehr auf der Webseite der Stiftung.