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“Die Industrie müsste viel mehr testen”

Immer mehr Rückrufaktionen von Fahrrädern / Allein 35000 Bikes von Kynast und 10000 von KTM betroffen  

Vor dem Gebrauch des Fahrrades muss gewarnt werden.“ Mit diesem Warnhinweis könnten einige Hersteller ihre Velos gleich ab Fabrik versehen. Denn immer mehr Fahrräder sind nicht sicher. Kaum ein Monat vergeht, ohne Rückrufe der Hersteller. Die Liste der betroffenen Firmen liest sich wie das „Who-Is-Who“ der Fahrradbranche.

Selbst so renommierte Unternehmen wie Cannondale, Votec, Kynast oder auch jüngst KTM sind davon nicht ausgenommen. Gleiches gilt für immer mehr Komponentenhersteller, wie Shimano oder RST, die vor dem Gebrauch einiger ihrer Kurbeln oder Gabeln warnen mussten. Insgesamt, so hat der Fahrradgutachter Ernst Brust von der Firma Velotech gezählt, gab innerhalb eines Jahres zehn Rückrufaktionen.

Den bisher größten Schaden in der Fahrradwirtschaft kann Kynast für sich verbuchen. Das unter dem Namen „Laola“ der Marke Pegasus vertriebene vollgefederte Treckingrad war als „Fahrrad des Jahres“ im Frühjahr 1999 in ganzseitigen Anzeigen annonciert worden. Für den Kampfpreis von 999 Mark ist es bis zum Sommer über die Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft (ZEG) an den Einzelhandel bundesweit verkauft worden. Das Rad war ein Erfolg, nun wird jedoch vor dem Radeln mit einem der 35000 Exemplare gewarnt. An mehr als 50 Rädern soll es zu einem Bruch des Dämpferauges gekommen sein. Gefährliche Stürze können nicht ausgeschlossen werden. Der materielle Schaden wird auf rund sieben Millionen Mark geschätzt. Das Traditionsunternehmen, schon vorher finanziell angeschlagen, ist von der Laola-Welle erdrückt worden und musste das Insolvenzverfahren eröffnen.

Der jüngste Fall kommt aus Österreich. KTM hat 10000 Räder wegen eines Konstruktionsfehlers zurückgerufen. Rund 5500 Bikes sind davon in Deutschland abgesetzt worden. Betroffen sind die 1999 produzierten Modelle „Country YS“, „Thunderbolt“ und „Zig Zag“.  Bei ihnen können sich die Federgabel-Klemmschrauben lockern. Im Extremfall, so der Hersteller, kann dies zum Bruch der Gabel führen. Betroffene Besitzer sollen das Rad nicht mehr benutzen und umgehend ihren KTM-Händler aufsuchen.

Ähnliches hörten jüngst auch Biker des neuen Cannondale-Rades „Raven II“ mitgeteilt. Bei der ersten Serie (die überraschend schnell in den Handel kam) kann im Un-Fall die Sattelstütze abbrechen, weil das Magnesiumgerippe nicht fachgerecht mit den Carbon-Schalen verbunden wurde.

Auch Specialized hat 4000 Räder der Marken „Allez“ und „Allez Sport“ in die Werkstätten gerufen. Freiwillig, wie es hieß, denn in einem Fall hatte sich ein Lenker aus dem Lenkervorbau gelöst. Bei dem „Eurofighter“ von Centurion kann beim Rückwärtsrollen die Bremssattelbefestigung bei der Magura-Scheibenbremse ausreissen oder bei einer Dauerbremsung der Bremsschlauch schmelzen. 

Im vergangenen Sommer traten Materialprobleme bei Zone-Federgabeln auf, verbaut in den Bikes der Marken Wheeler, Epple und Niagara. Ein Materialproblem des inneren Gestänges aus Spezialkunststoff, kann dazu führen, dass sie die unteren Befestigungsschrauben am Gabelholm kommen.

Auffallend viele Hersteller von Federgabeln  mussten nachbessern. Im letzten Herbst reagierte die Edelschmiede Votec auf verstärkte Reklamationen bei Doppelbrückengabeln der GS4-Serie. Der taiwanesische Hersteller RST sah sich nach Brüchen seiner Doppelbrückengabel gezwungen,  zwei Serien (HI-5 und HI-5 Mozo) weltweit auszutauschen, in Deutschland wurden davon etwa 550 Gabeln verkauft.

Peanuts im Vergleich zu den Stückzahlen, die Shimano 1998 zurückgerufen hat. Nachdem in den USA 630 Kurbeln (der Serien Acera X, Altus C90 und Alivio) gebrochen waren und es insgesamt 22 Verletzte gab, entschloss man sich weltweit mehrere Millionen Kurbeln ausgetauscht.

Oft treten Schäden auch durch fehlerhafte Ketten auf. 16500 Diamondback-Räder waren Anfang 1998 in die Werkstätten gerufen worden, nachdem es Probleme mit den montierten Sachs-Ketten gab. Ähnliches meldete Mitte 1998 auch Specialized. Dort wurden gleich sechs verschiedene Modelle zum Check in die Werkstatt geordert.

Es wird vorab zu wenig geprüft“, sagt Ernst Brust, der für Industrie und Versicherungen Gutachten anfertigt. Der Kunde stellt heute höhere Ansprüche und mutet dem Gefährt zu viel zu. Ein grpßer Preisdruck sowie ein immer schnellerer Modellwechsel kommen hinzu. Manchmal werden Materialien kombiniert, die zum Bruch führen müssen. Beim KTM löste sich das stählerne Standrohre von der Alubrücke. Dies führte dazu, dass sich das Standrohr von der Alubrücke - samt Vorderrad. Beim Laola wurden falsche Dämpfer und ein nicht auf den Hauptrahmen abgestimmter Hinterbau eingesetzt – der Fehler ist deshalb nicht unbedingt auf den Dumpingpreis zu schieben.

Brust ist sicher: „Das Laola und das Raven II wären nicht in den Handel gelangt, wenn man sie nach der DINplus getestet hätte“. Das noch recht neue DINplus-Zertifikat stellt erheblich höhere Ansprüche an ein Fahrrad als die herkömmliche DIN 79100. Doch in der Industrie ist dieser (freiwillige) Test nicht durchweg beliebt, da wird von falsch gesetzten Schwerpunkten gesprochen sowie von einer zu schnell durchgeboxten Regelung. Doch Brust insistiert: „Viele Kinderkrankheiten wären beseitigt, und dem Radler bliebe manche unliebsame Erfahrung erspart.“

 

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