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Die Schneeburg von Kemi

Zum Glück hatte der Schneesturm noch rechtzeitig nachgelassen. Wer weiß, ob wir im dichten Treiben unser Ziel in Nordfinnland überhaupt gefunden hätten. Denn bei Sichtweiten unter zehn Metern kann es durchaus vorkommen, dass man sogar die größte Schneeburg der Welt einfach übersieht, trotz der zwei Stockwerke und einer Länge von vielleicht 400 Metern.

Doch zur Mittagszeit klärte es plötzlich auf. Die Schlittenhunde genossen ihr Sonnenbad, während die Februarsonne überraschend deutlich über den Bäumen ihre Runde zog und der Eisburg nur einen vergleichsweise kurzen Schatten schenkte.

Jedes Jahr von Anfang Februar bis Mitte April zieht das vergängliche Bauwerk in der Stadt Kemi, direkt am nördlichen Ende des Bottnischen Meerbusens gelegen, hunderttausende Besucher an. Zur Lumi Linna, wie der Eispalast auf Finnisch heißt, gehört nicht nur eine Kapelle mit einer Innenhöhe von sechs Metern, sondern auch ein Restaurant, ein Ausstellungsraum und viele Gänge, in denen man sich vorzüglich verlaufen kann. Lumi Linna ist wie es sich für eine anständige Burg gehört, selbstverständlich von der Außenwelt abgeschottet. Nur fehlt aus klimatischen Gründen der sonst obligatorische Wassergraben. Doch immerhin verschließt jeden Abend ein rustikales fünf Meter hohes Tor den einzigen Eingang.

Es eine kleine Welt für sich. Ein Postamt wurde eingerichtet, das Nötigste (vor allem Souvenirs) bekommt man im winzigen Warenhaus und der Draht zur Außenwelt ist gelegt worden: Wenn auch die Telefonzellen auf dem Burghof nur aus Schnee bestehen.

Obwohl in der südlappländischen Region um Kemi im Winter eigentlich genug Schnee fällt, setzen die Erbauer auf die künstliche Produktion mittels Schneekanone. Dies hat gleich mehrere Gründe: Zunächst einmal ist man nicht von den Launen der Natur abhängig. Zum anderen ist der Kunstschnee weißer und der entscheidende Grund für den Häuslebauer: der selbstgemachte Schnee ist viermal dichter als das Naturprodukt. In der Stabilität soll es mit dem Baustoff Holz vergleichbar sein. Jedenfalls so lange die Temperaturen unter Null Grad bleiben.

Es ist mittlerweile die vierte Version des Gebäudes, die errichtet wurde. War es im vergangenen Jahr erstmalig gelungen, über zwei Stockwerke zu bauen, wagte man sich dieses Jahr an eine komplizierte Pyramidenstruktur. Und endlich lässt es sich ab dieser Saison auch in der Burg in einem extra Gebäudetrakt übernachten. Das Schneehotel (man nennt es bewusst nicht Eishotel, um sich vom Vorbild im nordschwedischen Jukkasjärvi abzusetzen) wird besonders bei Hochzeitspaaren beliebt sein, schließlich kann man in der Kapelle auf Rentierfellen sitzend sich das Ja-Wort geben, während sich die Verwandtschaft bei höchstens minus fünf Grad Innentemperatur bereits auf den anschließenden innerlich aufwärmenden Schnaps im Restaurant einen Eisblock weiter freut.

Ein Besuch der Schneeburg wird sehr gerne mit einem Ausflug auf den einzigen Passagiereisbrecher der Welt kombiniert. Der "Sampo" kurvt von Dezember bis April durch das bis zu einem Meter dicke Eis der nördlichen Ostsee. Nachdem "Sampo" 30 Jahre lang die Fahrrinnen in diesem Gebiet freigehalten hat, werden nun seine 8800 PS zum Spaß eingesetzt. Weit ab vom Festland gibt es einen Ausflug aufs Festeis. Ganz Mutige ziehen sich einen Thermoanzug an und gehen in einem Eisloch baden. So lange, bis der nächste Schneesturm kommt.

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