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Die Stadtplaner Reykjaviks setzen weiterhin aufs Auto

Geografisch liegt Reykjavik genau zwischen Amerika und Europa. Verkehrspolitisch allerdings schaut man eher in die USA oder in das Deutschland der 70er Jahre . Die Infrastruktur in Islands Hauptstadt ist deutlich aufs Auto ausgerichtet. Das Fahrrad benutzt man - wenn überhaupt - nur in der Freizeit. Das Auto ist heilig, trotz Luxussteuer und saftiger Spritpreise. Viele leisten sich sogar als Zweitwagen so genannte Big Jeeps, mit großen Ballonreifen für die rauen Pisten im Landesinnere.

Und doch sind zaghafte Veränderungen erkennbar. Island möchte bald seine Autoflotte auf Brennstoffzellenantrieb umrüsten. Und was noch vor Jahren undenkbar war: die Isländer nehmen zunehmend ihr Fahrrad huckepack mit auf die Autotour.

Allerdings spricht das nicht dafür, dass das Bewusstsein für den Umweltschutz stärker geworden ist. Dunst oder Smog sind Fremdwörter. Ganz Reykjavik per Erdwärme beheizt, weshalb das Fremdenverkehrsamt auch oft von der schornsteinfreien Hauptstadt spricht. Staus kennt man nur zu Feiertagen, wenn ganz Reykjavik ins Hochland aufbricht.

In Reykjavik fährt noch jeder mit dem Auto zum Briefkasten. Riesige Parkplatzareale vor den Shoppping-Center sprechen eine deutliche Sprache. Fahrradständer hingegen sucht man meist vergeblich. Jahrelang hat man schlicht die Radfahrer der Stadt vergessen. Fahrradwege sind immer noch Mangelware. Fast immer teilen sich Fußgänger und Radfahrer einen Weg. Hohe Schwellen behindern das Vorankommen. Oft müssen lange Umwege in Kauf genommen werden. Kleeblattkreuzungen, wie wir sie von Autobahnen kennen, findet man einige in der Kleinstadt Reykjavik. Reykjavik alleine hat nur 110 000 Einwohner. Allerdings spricht man oft vom Großraum Reykjavik mit 171 000 Einwohner (in ganz Island leben nur knapp 280 000 Menschen) und bezieht die vielen Vorstädte mit ein. Von einer Stadt in die andere zu gelangen ist mit dem Rad sehr mühsam. Autofreundliche Ampelschaltungen lassen den Radfahrer an der Kreuzung mächtig frieren. Die Stadtplaner von Reykjavik wiederholen immer noch jene Fehler, die unsere Städte vor 30 Jahren Jahren so schmerzhaft zerschnitten haben.

Aus umweltpolitischen Gründen setzt sich fast niemand aufs Rad. Die Motoren der 4-Wheel-Driver laufen selbstverständlich auch im Leerlauf – oft stundenlang. Kaum jemand stört sich daran. In manchen Städten haben Kinder Schilder gemalt, die auf den Parkplätzen vor den Schulen und Kindergärten die Eltern daran erinnern sollen, doch bitte den Motor abzustellen. Umweltschutzorganisationen haben es schwer in Island. Seitdem Greenpeace 1988 durch Boykottaufrufe der isländischen Fischindustrie mächtig zugesetzt hat, ist man auf Ökos sowieso nicht gut zu sprechen.

So muss man das Rad fahren anders bewerben und Spaßfaktor und Freizeitwert betonen. Es ist viel Aufklärungsarbeit notwendig – auch seitens des isländischen Mountainbikeclubs - bis auch die gesamte Familie zum Ausflug ins Schwimmbad das Rad nimmt. Eigentlich kann man in Reykjavik ganz gut radeln – allerdings muss man sich auskennen, will man nicht im Verkehr umkommen. Zwar gibt es mittlerweile eine Straßenkarte, auf der auch die Fahrradwege oder besser Routen eingetragen sind. Nur die muss man die Wege erst einmal finden. Außerhalb der City läuft der Verkehr über breite Schnellstraßen. Teilweise achtspurig ausgebaut, mit Beschleunigungsstreifen und Ausfahrten erinnern sie doch stark an Autobahnen.

Wer will, kann dort auch radeln. Nur für Traktoren ist das Befahren in der Rushhour untersagt. Was nicht bedeutet, dass Radfahrer dort willkommen und auch ihres Lebens sicher sind, wenn auch Isländer im Allgemeinen rücksichtsvolle Autofahrer sind. Noch sind sämtliche Straßen in und um Reykjavik für den Fahrradverkehr offen. Aus Mangel an Alternativroute ist das auch notwendig.

Dass es keine Verbotsschilder für Radler gibt, hat für Magnuss Bergsson vom isländischen Mountainbikeclub IFHK in erster Linie einen Grund: "Der Gesetzgeber hat schlicht das Fahrrad als Fortbewegungsmittel vergessen". Was offiziell nicht existiert, kann also auch nicht verboten werden.

Immerhin wurden einige "Autobahnen" mittlerweile für Radfahrer und Fußgänger überbrückt. An der Küste verlaufen zum Teil sehr schöne Wege, frei von Autoverkehr. Radwege direkt neben der Fahrbahn wird man aber nie finden.

Offiziell darf man als Radler sämtliche Fußwege benutzen. Nur die Wege im botanischen Garten und der schmale Boulevard in der Haupteinkaufsstraße sind für Biker tabu. Fahrradfreundlich ist deshalb aber Reykjavik noch lange nicht.

Die verkehrspolitisch interessierten Mitglieder des Moutainbikeclub treffen sich regelmäßig zum Ideenaustausch und zum Eintragen von Mängeln in eine große Karte, die dann der Stadtverwaltung übergeben wird.

Wer sicher vorankommen möchte, muss täglich große Umwege in Kauf nehmen. Dunkle Unterführungen, übersäht mit Glasscherben sind das andere Übel. Zwar existieren die Schilder für viele Velorouten bereits. Jedenfalls auf dem Bildschirm des Computers vom staatlichen Straßenbauamt. Gezeichnet hat sie Viktor A. Ingólfsson. Er ist eigentlich bei der Behörde für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Nebenbei entwirft der Pressesprecher die Verkehrsschilder für ganz Island. "Früher mussten wir immer die Schilder im Ausland kaufen, was zu einem bunten Durcheinander geführt hat", sagt Viktor. "Wir hatten einfach niemanden, der die Schilder entwerfen wollte".

Irgendwann einmal sollen diese Velorouten, in Anlehnung an die Vorbilder in Kopenhagen und Stockholm Reykjavik mit der Umgebung verbinden. Denn viele herausragende Sehenswürdigkeiten liegen nahe der Hauptstadt. In den Nationalpark Þingvellir sind es nicht viel mehr als 50 Kilometer und auch der Geysir ist nur 100 Kilometer entfernt.

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