Cape York: Zum nördlichsten Zipfel Australiens

Eine Tour zum Cape York ist für Australier in etwas das, was eine Tour zum Nordkapp den Europäern bedeutet. Der große Unterschied: Während man zum Nordkapp locker mit Bus oder Auto reisen kann, braucht man für einen Tripp zum Cape York einen Jeep oder eben ein Fahrrad, um die ausgewaschenen, oft tiefsandigen Pisten zu bewältigen. Wasserlöcher und Flüsse, in den Krokodile schwimmen, erschweren zusätzlich das schnell Vorankommen. Die Piste zum Cape York ist anspruchsvoll und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden.Zudem ist sie nur wenige Monate im Jahr befahrbar, nämlich in der Trockenzeit und frühestens dann, wenn die Flüsse, die gefurtet werden müssen, nicht mehr zu viel Wasser führen.

Hitze, Trockenheit, wenige Trinkwasserquellen, viel Staub auf der Piste, aber auch das ein oder andere Buschfeuer können das Rad fahren verderben. Trotzdem: Der Trip über die Old Telegraph-Road wird in 10 Jahren zu den bevorzugten Zielen unter Reiseradler zählen. Wo sonst kann man Abenteuer in den Tropen erleben, ohne Angst haben zu müssen, dass man entführt oder beraubt wird. 

Nordaustralien ist ein sehr sicherer Land. Die einzige Gefahr geht von der Natur aus. Die Natur teilt man sich mit Skorpionen, giftigen Schlangen, giftigen Spinnen und sehr vielen Krokodile. Letztere sind bis auf die wenigen  Flussdurchquerungen eigentlich ziemlich berechenbar. Wer nicht direkt an einem Wasserloch oder Fluss zeltet, hat wenig zu fürchten. So ein Kroks entfernt sich nie zu weit vom Wasser. 

Für wen ist der Trip zu empfehlen?

Anfänger sollten erst gar nicht überlegen, ob sie es nicht auch versuchen könnten. Außer: sie schließen sich einer geführten Radtour an. Da kann dann wenig schief gehen. Viel Planung ist ansonsten notwendig. Man ist Wochen lang unterwegs, ohne Supermarkt, muss tagelang sich sein Wasser bei 35 Grad im Schatten einteilen. Für eine Radtour keine ideale Außentemperatur. 

Trotzdem: Die Tour von Cairns zum Cape York hat viel zu bieten. Sie ist vielleicht die schönste Radtour, die man in Australien unternehmen kann. Denn während viele Landstriche Australiens sich manchmal über mehrere 1000 km nicht verändern (Eukalyptusbaum an Eukalyptusbaum), führt der Trip durch unterschiedliche Vegetationszonen. 

Auch wenn es manchmal langweilig werden kann, weil sich der Staub einfach nicht legen will, die Piste nur aus Waschbrett besteht, oder der lose Sand einen zu einer Schiebetour durch die Walachei veranlasst. Trotz allem, gibt es viel zu entdecken.

Länge der Tour: ohne Abstecher ca. 800 km

Reisezeit: Juni bis August, je später, desto weniger Wasser führen die Flüsse, desto weniger Wasserlöcher versperren den Weg. Aber: Je später, desto ausgefahrerener ist die Piste. Bei der Reisezeit sollte man sich über die Ferientermine in Australien informieren. Ich bin sowohl in die Ferien von Queensland als auch von New South Wales.  Das war nicht so lustig, weil viel Verkehr und damit viel Staub

Anreise:

mit Flugzeug bis nach Cairns, Fahrradtransport nicht ganz einfach, weil Qantas beispielsweise keine Pauschale für Räder hat. Transport Verhandlungssache. Auf dem Rückflug wurde mir fürs Rad, für die Strecke Cairns - Singapur rund 450 Euro an Übergepäck abgeknöpft. Obwohl vorher von Deutschland Pauschaltransport vereinbart gewesen war. Vielen Dank dafür übrigens noch mal an Qantas. 

Inlandsflug:

Die Piste nach Cape York ist eine Sackgasse. Wie zurück kommen? Trampen? Meist aussichtslos. Zurück radeln, geht natürlich, soll Leute geben, die das auch gemacht haben. Na, vielen Dank. Die Tour auf der Telegraph Road macht man einmal im Leben und dann sagt man sich: Danke, reicht, habe ich gesehen erlebt, muss ich aber nicht ein zweites Mal erleben (jedenfalls nicht so schnell), deshalb Flugzeug.

Flüge von den Torres-Strait-Islands (einziger Flughafen neben Bamaga) nach Cairns relativ preiswert. Kleine Flugzeuge, deshalb kann es mit dem Fahrrad schwierig werden. Vor allem auf dem ersten Teilstück (von Thursday Island nach Bamaga), weil dort oft nur Vier-Sitzer eingesetzt werden. Aber in so einer wackligen Kiste über den Regenwald zu fliegen ist ein zusätzliches Erlebnis.

Versorgung:

Zwischen Cairns und Cooktown kein großes Problem. Nördlich von Cooktown dauert es sehr lange bis zum nächsten Laden. Hin- und wieder ein Rasthaus mit beschränkter Einkaufsmöglichkeit. Einzige richtige Stadt auf der Strecke mit zwei kleinen Supermärkte (na ja eher Kaufmannsläden - und der einzige Tankstelle) ist Coen. 

Dann die nächste Einkaufsmöglichkeit erst wieder am Kap in der Stadt Bamaga.

Zelten:

Überall möglich, in Nationalparks und Naturreservaten beschränkt auf die ausgewiesenen Plätze, beliebte Plätze (z.B. am Strand im Regenwald) bereits mittags besetzt. Wildes Zelten ist erlaubt. Dabei die Abstände zum Wasser wegen Croks beachten. Ansonsten sichereres Land. 

Nervig: Dort wo (Trink)Wasser ist, kann man davon ausgehen, das nie alleine ist. Ergo: An Flußufern auf ausgetrockneten Flußbetten ist der nächste Jeep mit ausgeklapptem Grill und kühl gestellten Bier nie weit. Die Aussies lieben diese Art des Campings. 

Zelten man dagegen irgendwo in den Eukalyptuswäldern oder im Regenwald ist man alleine. Eingeschränktes Zelten am nördlichsten Zipfel der Cape-York-Halbinsel, weil Aboriginal-Gebiet. Deshalb am Jardine-River, wenn man die Fähre und damit den "Eintritt" für ihr Gebiet bezahlt, nachfragen. An der Fähre gibt es eine Touri-Info. 

Trinkwasser:

Flüsse und Bäche sind glasklar und sauber. (Wenn der Fluss trüb ist, sollte man es natürlich nicht trinken, dann muss man sich sowieso vorsehen, damit nicht ein Krok einen beim Wasserholen schnappt. Wasser aus klaren Bächen und Flüssen habe ich nie abgekocht oder behandelt. Auf Campingplätzen steht es dran, ob das Wasser Trinkwasser ist.

Radläden:

Cairns (super), Cooktown (bescheiden), Coen (nichts), Bamaga (vielleicht Reparaturmöglichkeit). Man sollte alles Notwendige mitschleppen und auch reparieren können. Auf andere Radfahrer kann man nicht hoffen. Sehr geringe Raddichte. Ich habe keinen getroffen und auch nur von einem in dieser Saison gehört, der die Tour gemacht hatte.

Karten/ Literatur:

Unbedingt besorgen. Es gibt eine spezielle Karte vom Cape York, mit Detailkarten. Die Bibel der Jeepfahrer ist das Buch "Cape York Adventure Guide" bei R & V Moon, unbedingt besorgen, am besten schon in Deutschland, entweder direkt bei den Autoren bestellen oder über eine Buchhandlung in Deutschland. Wird regelmäßig überarbeitet, deshalb - bei einem Kauf in Deutschland darauf achten - dass es auch die aktuellste Fassung ist. 

Homepage der Autoren: http://www.guidebooks.com.au/updates%20CY%20bk.htm

 

Wie Zeit notwendig?

Ohne in Streß zu geraten, braucht man von Cairns nach Bamaga (Cape York) drei Wochen. Man möchte sich ja auch noch einiges anschauen und Abstecher zu Wasserfällen unternehmen. Wettermäßig gibt es keine Überraschungen, vielleicht mal ein Gewitter, ansonsten bewölkt oder heiter. 

Tageslänge:

Früh aufstehen, damit man wenigstens in den ersten drei Stunden noch von der Hitze verschont bleibt. Wegen Äquatornähe sehr ausgeglichen. 18 Uhr bis 18 Uhr 30 wird es dunkel (in den beschriebenen Monaten) um 6 Uhr wird es wieder hell.