Fahrradmarkt 2015: Was steckt hinter den Verkaufszahlen?

Mildes Wetter und ein freundliches Frühjahr haben für die Fahrradindustrie 2015 zu erfreulichen Ergebnissen geführt. 4,35 Millionen Fahrräder und Elektrofahrräder wurden laut dem Zweirad-Industrie-Verband e.V. verkauft. Das ist immerhin eine Steigerung von 6,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Von den 4,35 Millionen Fahrräder waren 535.000 E-Bikes. 2014 waren es 480.000. Doch an den Zahlen gibt es auch Kritik.

Denn der Durchschnittsverkaufspreis alles Fahrräder lag 2015 bei 557 Euro. Das ist eine Steigerung von 5,5 Prozent. Doch Albert Herresthal vom Verbund Service Fahrrad kritisiert in einem Leserbrief an das Fachblatt SAZbike, dass der weiterhin steigende Anteil der E-Bikes automatisch zu einem erhöhten Durchschnittspreis führen muss. Herresthal kritisiert zudem, dass es an der Zeit sei, "aus dem Durchschnittspreis endlich mal die Kinder- und Jugendräder herausgerechnet werden, weil sie die Zahlen verfälschen". Nach Ansicht  des VSF suggeriert der Durchschnittspreis von 557 Euro für den Verbraucher, dass man für diesen Preis ein ordentliches Fahrrad bekäme.

Nach Einschätzung des ZIV gibt es in Deutschland rund 72 Millionen Fahrräder. Der darin enthaltene Bestand an E-Bikes wird auf 2,5 Millionen geschätzt. Auch dies kritisiert Herresthal. In seinem Leserbrief schreibt er: "Als VSF gehen wir davon aus, dass der Bestand an einsatzfähigen E-Bike per 1.1.2016 bei etwa 1,8 Mio Stück liegt". Der Grund für die unterschiedlichen Schätzungen: Niemand weiß genau, wie viele Elektrofahrräder der ersten und zweiten Generationen noch überhaupt fahrfertig sind. Insbesondere für Billigimporte gibt es oft keine Ersatzteile, so dass bereits Kleinigkeiten an der Elektronik zum Totalausfall des Rades führen.

Erfreulich: E-Bikes, die in Deutschland hergestellt wurden, konnten beim Export um 37 Prozent zulegen. 2015 wurden 140.000 Fahrzeuge in andere europäische Staaten exportiert. Betrachtet man die Modellgruppenaufteilung (nach Absatz), so lässt sich ein leichter Rückgang bei City-/Urban-Rädern und erneut ATB feststellen. Profitiert haben laut ZIV  Trekkingräder, E-Bikes, Liegeräder und Lastenräder mit jeweils leichten Zuwächsen. 

Im Vergleich zu anderen Industrien bietet ist der Umsatz der Fahrrad-, Teile- und Komponentenindustrie mit circa fünf Mrd. € noch Luft nach oben. Zum Vergleich: die Möbelindustrie hat in den ersten zehn Monaten 2015 14,4 Mrd. € umgesetzt. Von den fünf Mrd. € bei den Fahrrädern entfielen auf Fahrräder und E-Bikes rund 2,42 Mrd. €, die war ein Umsatzplus von 12 Prozent gegenüber 2014.