Pedelec-Test: Störsender auf zwei Rädern

Wenn demnächst reihenweise Elektrofahrräder geklaut werden,  kann es sich auch um Autonome, Rechtsradikale oder Islamisten handeln. Denn Elektrorädern stehen in diesen Kreisen eine strahlende Zukunft bevor. Nicht unbedingt als Fortbewegungsmittel aber als Störsender für den Polizeifunk. Und die Elektronik kann auch dazu führen, dass das Rad keinen Saft bekommt, wenn ein Brummifahrer seinen CB-Funk nutzt.

Aber zunächst zum Störsender - Kann man sich nicht richtig vorstellen: so einen Glatzkopf auf einem Pedelec, oder? Jedenfalls strahlen manche Pedelecs dermaßen stark, „dass sie im Umkreis von bis zu 100 Metern den Funkverkehr von Rettungsdiensten stören wie den Radio- und Fernsehempfang von Anwohnern, sagt Anita Stöcker, Chefredakteurin der Zeitschrift „test“ der Stiftung Warentest. So könnte - rein theoretische Annahme - solch ein Pedelec ja auch dazu benutzt werden, um den Polizeifunk zu stören.

Die Stiftung Warentest hat sich zusammen mit dem Automobilclub ADAC 16 Elektrofahrrädern getestet und festgestellt, dass einige Räder kräftig stahlen, und deshalb das CE-Zeichen zu Unrecht tragen. Denn das Zeichen darf nur angebracht werden, wenn das Pedelec auch die Richtlinie zur elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) entspricht. Das sich elektronische Geräte untereinander beeinflussen, kennen wir vom Handy, wenn es angerufen wird und dann dieses typischen Pulsen im Radio oder Fernsehen zu hören ist. Oder die Bohrmaschine vom Nachbarn, die den Radioempfang stört. Ganz verhindern lässt sich dies nicht immer, aber 100 Meter Reichweite macht so ein Pedelec zum Störsender. Und das ist natürlich nicht sinnvoll.

Nun kann man nicht sagen, dass die billigsten Räder besonders stören. (Weshalb Chaoten, Islamisten, Autonome oder Rechtsradikale wohl eher auch klauen und nicht kaufen werden). Denn die betroffenen Räder kosten zwischen 2250 und 2600 Euro.  Geradezu satirische Züge hat es, dass zwei der drei betroffenen Räder im Modellnamen Impulse tragen: Kalkhoff Impulse Premium i8R (2500€, ausreichend [4,2]), Raleigh Impulse iR HS (2250€, mangelhaft [4,6]) und Pegasus Premio E8 (2600€, ausreichend [4,3]). Eigentlich müssten diese Räder sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Mal abwarten, wie schnell Hersteller und/oder Behörden reagieren.

Aber die Räder können auch gestört werden. Vom CB-Funk zum Beispiel. Wie die Stiftung und der ADAC festgestellt haben, schaltet sich die Elektronik von Giant, Hercules, Stevens und Winora ab, wenn sie von elektromagnetischen Funkwellen getroffen werden (z.B. CB Funk Citzens Band). Ist der LKW vorbei, kann es sein, dass der Motor von alleine wieder einsetzt. Bei einigen muss man den Hauptschalter drucken, beim Winora haben die Tester  festgestellt, dass nur absteigen, Akku ausbau, warten, einbauen, Hauptschalter drücken half.