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Mutiert aus Muttis Ledersofa

Hilfe, mein Fahrrad ist mutiert", denkt man beim Blick in die Wohnung von Torsten Weidland. Zwei Meter breite Achsen, Riesenzahnkränze mit einem Durchmesser wie eine dicke Eiche, Drehgriffschalter auf denen man bequem Platz nehmen kann. Das Fantasialand für Fahrradfreaks liegt in der Karl-Marx-Straße in Neukölln. Weidland nennt seine Skulpturen Weidstyle. Doch es sind in erster Linie Designer-Möbel: Sessel, Sofas und Tische, die so aussehen als seien sie direkt aus dem Genlabor der Fahrradfirmen entflohen.

Wir setzen uns in eine Fahrradachse aus Leder, eingerahmt von Riesenflansche mit dem Umfang von LKW-Reifen, in die man Speichen so dick wie Bambusstöcke stecken könnte. Zurückgelehnt in der wie ein Hot-Dog-Brötchen aufgeklappten Achse blicken wir auf einen Glastisch, dessen Fuß ein Fahrradrahmen ist.

Lenker und Sattel halten die Glasplatte. Nur durch eine Doppelbrückengabel (im Modell von Votec) kippt der Tisch auch nicht um, als Weidland seine Zigarette im von einem Kettenblatt eingerahmten Aschenbecher ausdrückt (unverkäuflich). Der Neuköllner (Tel. 030 / 684 87 36) ist ein liebenswerter Verrückter. Denn schließlich wäre so manch einer froh, wenn er überhaupt erst für sein Fahrrad eine Votec-Gabel haben würde. Ganz davon zu schweigen, dieses rund 1000 Mark teueres Produkt einfach als Tischbein zu benutzen. Der Tisch heißt "Weid-Line" und kostet 3000 Mark. Wer seinen eigenen alten Rahmen vorbeibringt und keine Votec-Gabel braucht, bekommt das Objekt erheblich billiger, verspricht Weidland.

Interessanterweise mußte gar nicht viel am Fahrrad verändert werden, um daraus einen Untersatz für einen Couchtisch zu machen. Doch auf die Idee muß man erst einmal kommen. Nur der Hinterbau des Rahmens wurde verkürzt. Zwischen den "Schenkeln" des Rades klemmt jetzt ein beleuchteter Globus, den Äquator in der Vertikalen.

Über uns hängt eine Halogenlampe. Aber was für eine: Es ist ein Kronleuchter aus 20 kleinen Fahrradfelgen. "Die kleinste Größe, die ich bekommen habe", sagt Weidland: "12,5 Zoll". Sieben Spots wachsen wie Krokusse aus dem Gewirr von Speichen, die vielfach um ihre eigene Achse gedreht wurden. "Weid-Light" heißt das leuchtende Kunstwerk und kann für 700 Mark den Besitzer wechseln. Ein wahres High-Light in der Kollektion.

Torsten Weidland gewährt für seine Produkte zehn bis zwölf Jahre Garantie. Gewiß, die Möbel sind nicht billig, die Qualität teilweise eher durchschnittlich, dafür ist die Idee genial.

In seiner Wohnung stehen nur Prototypen. Für die ersten Entwürfe hat Weidland die alte Ledercouch seiner Mutter recycelt. Da es beim ihm keine Lagerware gibt, geht er freilich gerne auf die Kundenwünsche ein. Einen Monat dauert es durchschnittlich bis zum fertigen Produkt. Der 31jährige sprüht offensichtlich nur so vor Ideen. Manche kommen ihm beim Joint, wie er gesteht. Auch die Idee für die Türklinken, die in seiner Wohnung aus Original-Tretkurbeln bestehen, entstand nach einem kräftigen Luftzug.

Der leidenschaftliche Radfahrer ist eigentlich Zweiradmechaniker, hat für Fahrrad Berger und Helmuts Fahrrad-Center geschraubt. Doch ständig schmutzige Hände zu haben, war nicht seine Welt. So ist er schließlich Künstler geworden, in erster Linie Lebenskünstler, in zweiter ein sehr begabter Newcomer, der nicht länger nur Bikes reparieren wollte.

Gelernt hat er Autosattler. Doch davon kann man nicht mehr leben, sagt er. "Gegen die billige Konkurrenz aus Polen ist man machtlos", stellt der gebürtige Schwedter fest. Das Wissen setzt er nun für Polstermöbel der besondere Art ein. Quasi keinen Sitz mehr für den Porsche, sondern für den Porschebike fahrenden Radfreak. Denn ein wenig Kleingeld braucht man schon, um sich den Traum von den eigenen Radmöbeln zu erfüllen.

Am preiswertesten ist ein Beistelltisch (für 150 Mark) aus einem Fuß mit einem 16-Zoll-Laufrad, während die Glasplatte in ein 26-Zollrad eingefaßt wird. An den Wänden in seiner Wohnung hängen halbe Bikes oder Laufräder mit der dreifachen Anzahl von Speichen. Ein "Stuhl" ist eine überdimensionierte Cantileverbremse mit einen Meter breiten Bremmsgummi. So richtig Sitzen kann man auf dem Reifenprofil nicht. Die Liege ("Weid-Paddama") soll aber ideal für eine "gute Nummer sein", verspricht Weidland. Bevor man sich allerdings um den Nachwuchs kümmern kann, muß man bereit sein, 2000 Mark zu investieren.

Sollte das Geschäft mit den Fahrradmöbeln nicht klappen, sagt er zum Schluß, dann wechselt er die Branche und baut Möbel für Zahnärzte. Eine Idee für einen Backenzahn als Sessel hat er bereits.

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