Auch gut getestete Schlösser sind leicht zu knacken

Den besten Diebstahlschutz stellt immer noch ein gutes Schloss dar. Am besten sind Bügelschlösser und die noch vergleichsweise junge Gattung der Faltschlösser. Sie sind gut verstaubar und gegen Seitenschneiderangriffe recht immun. Doch auch sehr gute Schlösser lassen sich mittels Schlagschlüssel durch so genanntes Picking innerhalb von Sekunden öffnen. Leider sind nur die wenigsten Schlösser dagegen immun. Wir verraten, worauf Sie achten müssen, damit das Fahrrad nicht so schnell auf unrechtmäßige Art den Besitzer wechselt.

Richtig gesichert ist das Fahrrad nur bei fester Verbindung. Am besten mit zum Beispiel einem Geländer oder einem Laternenpfahl. Doch Bügelschlösser sind oft zu klein, um auch Laufrad und Rahmen abzuschließen.

Mit Spiralkabelschlössern ist es dagegen kein Problem. Aber Spiralschlösser bieten keinen tollen Schutz. Die Stiftung Warentest hat festgestellt, dass geschickte Diebe fürs Durchschneiden nur Sekunden brauchen. Testurteil: mangelhaft – für alle Spiralkabel im Test aus dem Jahr 2007. Rahmenschlösser bieten sich nur an, wenn man mal kurz das Rad abschließen möchte, beispielsweise, um in die Bäckerei zu gehen. Bei Elektrofahrrädern bieten sich dieser Zusatzschutz an, weil die Räder mit 25 bis 30 Kilogramm meist so schwer sind, dass ein Dieb das Rad ungerne wegträgt.

Aber Vorsicht: Banden fahren mit Lkws durch die Lande und räumen ganze Straßenzüge ab. Und denen ist es egal, ob das Rad mit einem Schloss gesichert ist. Dagegen schützt nur das Anbringen an einen festen Gegenstand und ein sehr gutes Schloss.

Hilfreich kann eine Empfehlung des Zertifizierers VdS sein. Die VdS Schadenverhütung GmbH ist ein Unternehmen des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft und vergibt Gütesiegel für Fahrradschlösser. Frank Kloptowski ist beispielsweise „Profiknacker“ beim VdS und berichtet davon, dass er ein handelsübliches Bügelschloss mit einem Schraubendreher und einer Büroklammer in sechs Sekunden geknackt habe. Den Profis sei aber auch das noch zu langsam, die kämen mit Mini-Hebelschneidern, die bequem in jede Hosentasche passen. Auf diese Weise durchtrennen sie Kabelschlösser in Sekundenschnelle.

Ein Anhaltspunkt für ein gutes Schloss, das bei den Schnitt-, Zug- und Torsionsbelastbarkeitstests gut abgeschnitten hat, ist das VdS-Gütesiegel. Die Prüfungen des VdS sind umfangreich und umfassen das übliche Vorgehen eines potenziellen Diebs wie Reißen, Zerren, Sägen, Bohren Kneifen. Zudem wird das Schloss einem speziellen „Tiefkühltest“ unterzogen.  Ganz „schlaue“ Fahrraddiebe verwenden bisweilen spezielle Eis-Sprays, damit soll Metall mürbe gemacht werden. Eigentlich sind die Sprays zur Wundbehandlung gedacht. Die Prozedur ist aber sehr langwierig, höchstwahrscheinlich dauert der Vorgang den meisten Dieben zu lange. Im Labor wird das komplette Schloss auf minus 20° C abgekühlt und „dann mit Hammer und Meißel bearbeitet. Versagen Verriegelung oder Material, ist die Prüfung nicht bestanden“, heißt auf der Seite des VdS. Allerdings ist es umstritten, ob die geringe Fläche der Eissprays in der Praxis wirklich ausreicht, ein Schloss dermaßen stark herunterzukühlen.

Schlösser mit dem VdS-Gütesiegel sind in zwei Klassen unterteilt: „ "A“" zum Schutz für Fahrräder, „"B“" für Motorräder. Das Zusatzzeichen „"+“" erhalten Produkte, die auch die Möglichkeit bieten, den Fahrradrahmen sicher an einem Geländer oder Laternenmast zu befestigen. Eine Liste der VdS-geprüften Schlösser sowie weitere Informationen findet man unter www.polizei-beratung.de oder www.vds.de/2rad
Die Liste in der Datenbank ist bisher noch stark überschaubar. Insgesamt sind neun Schlösser zertifiziert.  Acht davon sind Bügelschlösser, eins ist ein Panzerkabelschloss. Bisher sind keine Faltschlösser zertifiziert und als geprüft eingetragen worden.

Die Schlösser sind im Einzelnen:

  • Abus Zweiradschloss - Klasse A+/ ABUS Granit Xplus 54/160HB
  • Abus Zweiradschloss - Klasse A+/ ABUS-GRANIT-Plus 51/150HB
  • Abus Zweiradschloss - Klasse B+/ ABUS Granit CityChain X-Plus 1060
  • Inter-Union Profex  Zweiradschloss - Klasse A+/ TY328/65863
  • Kryptonite Zweiradschloss - Klasse A+/ EVOLUTION
  • Kryptonite Zweiradschloss - Klasse B+/ NEW YORK LOCK (New York 3000, New York 3000 MC)
  • Master Lock Zweiradschloss - Klasse A+/ 8195EURDPRO/LW /EURDPROCOL/W
  • Trelock Zweiradschloss - Klasse A+/ BS 510 / BS 550
  • Trelock Zweiradschloss - Klasse A+/ BS 610

Allerdings gilt unabhängig vom Wert: Ein Problem bleibt das Picking, auch Lockpicking oder Picklocking genannt. Im Internet kann jedermann für knapp 20 Euro Universalschlagschlüssel kaufen, mit denen auch beste Schlösser, die nicht so leicht durchgeschnitten werden können und auch der Flex lange Zeit Widerstand leisten, in weniger als einer Minute zu öffnen sind. Bei Youtube findet man entsprechende Videos, die die Technik zeigen. Das Prinzip ist: Mit Hilfe speziell geformter Werkzeuge, die man Picks nennt, geht man in den Schlüsselkanal des Zylinders und drückt durch einen gekonnten Schlag die darin enthaltenen Stifte hinunter. Das Schloss öffnet sich und ist danach weiterhin völlig unbeschädigt zu benutzen, ein manipulativer Eingriff ist nur sehr schwer nachweisbar, was Probleme mit der Versicherung bringen könnte. Um sicher zu gehen, sollte man deshalb darauf achten oder nachfragen, was für ein Zylinder verbaut wurde. Doch Experten sind der Meinung, dass das Picking keine so große Rolle spiele, da man es erst nach ein wenig Übung beherrscht und zudem jeder Zylindertyp anders reagiert.

Um Picking zu verhindern, sollt es Zylinder vom Typus Scheibenzylinder (auch „ "Drehscheibenschloss“" genannt) sein. Da sie keine Federn haben, sind sie gegen Schlagschlüssel resistent. Bei Abus sind dies beispielsweise Schlösser (mit Sicherheit) mit der Bezeichnung „X-Plus“, bei Trelock heißt der Zylinder „PLC-Schließzylinder“.
Die Hersteller schreiben natürlich auf ihre Verpackung nicht drauf: „Nicht geschützt gegen Schlagschlüssel“. Sie formulieren es anders: „Das Schloss gewährleistet sehr hohen Schutz gegen intelligente und gewaltsame Aufbruchversuche.“ Unter intelligenten Aufbruchversuchen werden dann auch jene Schlagschlüsseltechniken verstanden. Das sollte also irgendwo auf der Verpackung zu finden sein. Für den Laien ist es schwer zu erkennen, welcher Zylindertyp eingebaut wurde. Ein Indiz ist der Schlüssel. Hat dieser Löcher? Dann könnte dies auf einen leicht zu manipulierbaren Zylinder handeln. Natürlich hat man auch bei Abus das Video bei YoutTube gesehen, und wohl reagiert, so soll bei seinem Klassiker und Testsieger Bordo der Zylinder ausgetauscht worden sein.  
Schlosshersteller wie Abus und oder Trelock geben eine gewisse Einschätzung. Sie teilen ihre Schlösser in sogenannten Widerstandsklassen ein. Natürlich schreibt kein Hersteller auf sein Spiralkabelschloss: „Hält nur wenige Sekunden stand“. Doch einen gewissen Anhaltspunkt geben die Einordnungen schon: 5 ist weniger stabil als 15.

Die Ziffer findet man auf der Verpackung. Wer auf Nummer sicher gehen möchte (oder höchste Sicherheit wünscht), sollte zu den Schlössern der höchsten Stufe greifen. Bei Abus ist dies beispielsweise „Maximum Level 15“. Beim Hersteller Trelock gibt es sechs Stufen, die höchste ist dort die Nummer 6.
Zur Erinnerung: Dies sind Einschätzungen der Hersteller. Solange dies freiwillig passiert (und nicht durch beispielsweise eine EN-Norm vorgegeben wird), ist ein gutes Urteil der Stiftung Warentest sowie die Empfehlungen des VdS der bessere Ratgeber. Ein Zertifizierungssystem eines unabhängigen Instituts, das die Produkte vieler Hersteller testet und vergleicht, quasi so eine Art „Schloss-TÜV“ also, existiert noch nicht.