Prophete-Werbung mit Stiftung Warentest Logo korrekt?

Prophete Alu Rex Foto: HerstellerDie Siegel der Stiftung Warentest können Gold, äh Geld wert sein. Ein positives Testurteil kann den Umsatz deutlich steigern. Manch einer hilft da dann auch gerne nach, mit ein paar kleinen (legalen) und vielleicht auch eher am Rande der Legalität befindlichen Tricks. Doch sind die Tricks immer ganz korrekt? Ein aktueller Fall aus der Werbung:

Vergangenes Jahr im August hat die Stiftung Warentest zwölf Elektrofahrräder getestet. Nicht jeder Hersteller schnitt dabei gut ab. Insgesamt wurde nur drei Mal das Testurteil "gut" vergeben. Auch wenn es - vielleicht auch berechtigte Kritik am Test gab: zum Beispiel: "Kann man wirklich Räder zwischen 900 und 2500 Euro in einer Gruppe testen?", gab es durchaus preiswerte Räder, die sich beachtlich schlugen.

Prophete Werbung Shot HagebaumarktZu denen gehört auch das Prophete Alu Rex für knapp 900 Euro Straßenpreis. Nun taucht dieses Elektrorad in einem aktuellen Zweiradprospekt der Baumarktkette Hagebaumarkt auf. Zu finden ist dort ein - na ja, sagen wir mal - "modifiziertes" Siegel der Stiftung Warentest. Manch ein Hektiker würde vielleicht auch von einer Fälschung sprechen. Jedenfalls stimmt die Aussage nicht.

Wer mit dem Siegel wirbt, muss Datum des Tests, aber auch die Angaben zu den Konkurrenzprodukten machen, in diesem Fall also "12 Elektroräder im Test". Nicht unbedingt notwendig ist die detaillierte Angabe der Urteile, also im Fall der Elektroräder: 3 Gut, 4 Befriedigend, 3 Ausreichend, 2 Mangelhaft. In der Werbung wird korrekt darauf hingewiesen, dass drei Räder mit "gut" bewertet wurden, während das beworbene "nur" ein "befriedigend" bekam.

Soweit also korrekt, doch am Siegel wurde "herumgeschraubt". So wurde dem Original-Siegel ein neuer farblich sehr ähnlicher Kopf verpasst, in dem vom "Preisleistungssieger" die Rede ist. Diese Kategorie gibt es aber nicht bei der Stiftung Warentest (im Gegensatz beispielsweise bei den Tests von Computer Bild).

Stiftung Warentest Siegel Prophete Preisleistungsieger Alu RexDie Rechtsanwältin Anja Jönsson sagt dazu: „ Unter dem Aspekt der Etikettenschwindelei wird suggeriert, dass der Preisleistungssieger als besondere Auszeichnung hervorgehoben wird. Damit wird die an sich neutrale Aussage des Testurteils - hier ja "befriedigend" -  in Richtung Sieger aufgewertet, wenn die Aussage als solche auch nicht falsch ist, wird durch die Manipulation des Siegels eine Intention Seitens der Stiftung hervorgehoben, die so gar nicht existiert- das ist schon irreführend“

Kundeninfo PropheteDoch wer hat hier manipuliert? Der Hersteller oder der Händler? Interessant ist dabei ein Blick ins Archiv und zwar auf die Seite des Herstellers. Dort findet man eine aktuelle Kundeninformation, sowie auch gleich auf der Startseite ein Hinweis auf den Preisleistungssieger.

In der Kundeninformation ist die Rede von: "Mit der Gesamtnote 2,9 ist das Alu-Rex ungeschlagener Preisleistungssieger. (...) Von allen getesteten Rädern ist das Alu-Rex mit einem Preis von 900 € das günstigste, konnte jedoch auch gegenüber der Konkurrenz aus dem Fachhandel problemlos mithalten und sichert sich damit den Titel des Preisleistungssiegers. "
Dies könnte man noch als persönliche Einschätzung werten, doch auch in der "Kundeninformation" taucht das modifizierte Test-Siegel auf, zudem darunter der Satz "Preisleistungssieger der Stiftung Warentest (Ausgabe 08/2011)“. Spätestens hier wird suggeriert, die Stiftung Warentest hätte diesen Preisleistungssieger gekürt.
Mag sein, dass während der gemeinsamen Pressekonferenz von Stiftung Warentest und ADAC dieses Wort fiel, auch andere Medien (z.B. Stern.de) kamen zu der Einschätzung eines Preisleistungssiegers. Soweit auch okay, und in der Tat ist es natürlich beachtlich, wenn sich ein Rad für 900 Euro so gut in einem Feld mit doppelt und zweieinhalbfach so teuren Rädern schlägt. Aber es gibt keinen Titel des Preisleistungssiegers!

In der Anzeige wird übrigens auch von einem UVP von 999,99 € gesprochen und damit geworben, dass man 100 € spare, dabei wirbt selbst die Firma Prophete mit dem Preis von 900 Euro. Maximal spare mal wohl eher einen Cent...
In der Kurzbeschreibung zum Rad schreibt übrigens die Stiftung Warentest im Heft 08/2011:
"Preiswert. Leistungsstarker, gleichmäßiger Vorderradantrieb, der aber verzögert einsetzt und nachläuft. Sendet elektrische Störungen aus. Neigt bei höherer Geschwindigkeit zum Flattern. Rahmenschloss. Gepäckträger nur bis 15 kg. Ungenaue Akkuanzeige. Akku kann am Rad geladen werden. Kein Tacho. Konformitätserklärung fehlt".

Dass immer noch Elektrofahrräder ohne CE-Kennzeichen und Konformitätserklärung in den Verkehr gebracht werden, war auch Thema auf dem Fahrradkongress Vivavelo Ende Februar in Berlin. Aktuell klagt auch ein Händler aus Cloppenburg gegen die Gazelle GmbH auch wegen des fehlenden CE-Kennzeichens und der fehlenden Beachtung der Maschinenrichtlinie. Doch die fehlende Kennzeichnung in diesem Falle ist wieder eine andere Masche. Doch zurück zur eigentlichen Geschichte:

In den Nutzungsbedingungen der Stiftung Warentest steht unter Artikel 1 Punkt 1: "Die Werbung mit den Untersuchungsergebnissen der Stiftung Warentest ist nur gestattet, wenn ihre Verwendung bei den Verbrauchern keine falschen Vorstellungen über die vorgenommene Beurteilung der Produkte oder Leistungen entstehen lässt. Die Verwendung der Untersuchungsergebnisse ist daher insbesondere nur gestattet,

a) wenn die Aussagen in der Werbung, die sich auf die Untersuchungsergebnisse der Stiftung Warentest beziehen, von anderen Aussagen des Werbenden abgesetzt sind,
b) wenn die Aussagen der Stiftung Warentest vom Werbenden nicht mit eigenen Worten umschrieben werden."

Wenn also in der Werbung unmittelbar über dem Logo in ähnlicher Schrift die Aussage "Preisleistungssieger" genannt wird, widerspricht dies nach Meinung der Fahrradtest.de-Rechtsanwältin Anja Jönsson den Nutzungsbedingungen, da eine falsche Vorstellung über die vorgenommene Beurteilung entstehen lässt.

Zitat eines VersandhändlersImmer wieder komme es vor, dass Hersteller mit falschen oder veralteten Logos werben, sagt Jönsson.  Oder die Testurteile würden auf Nachfolgeprodukte übertragen. Immer wieder wird deshalb auch der Bundesverband Verbraucherzentrale (Vbz) aktiv und spricht Abmahnungen aus. Die Stiftung Warentest selber kann übrigens nicht abmahnen.

Auch Verbraucher können sich bei Verdachtsfällen an den Bundesverband Verbraucherzentrale wenden.

Verbraucherzentrale Bundesverband
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