Unsere Webmagazine

Elektroradtest.de - Der neue Ratgeber für E-Bikes & Pedelecs
Das Reiseradio - Audioreportagen und Interviews
Holidayjournal.de - Magazin für warme und kalte Reisen
Der komplette Reiseführer für Island
Bytetest.de - Der Internet- & Computerratgeber
Anzeige

IFMA 99: Jede Menge Bikes mit tiefem Durchstieg oder Vollfederung

Wenn sich der größte Pulk von Menschen auf einer Fahrradmesse vor einem Fernseher bildet, über den der Sieg von Jan Ullrich bei der Spanien-Rundfahrt übertragen wird, spricht dies eigentlich nicht für die ausgestellten Produkte. Auf dem diesjährigen Internationalen Fahrrad-Markt (IFMA) war es deshalb mit ein wenig Kreativität ziemlich einfach, zumindest auf die Titelseiten der lokalen Presse zu kommen. Die Firma Hase Spezialräder hatte einen ganz guten Riecher und kam auf die Idee, fotogen mit einem Liegerad über den Rhein zu fahren (wozu sie sich zuvor das Dreirad mit zwei aufblasbaren Schwimmflügeln ausgestattet hatten). Weder das Rad noch der schwimmenden Untersatz sind wirklich neu. Doch für ein bisschen kostenlose Werbung reichte es. Die anderen 724 Aussteller aus 73 Ländern hatten es da schon schwerer.

Bezeichnend, dass starke Aufmerksamkeit (wenn auch nicht so viel wie die Live-Übertragung von Jan Ullrich) gerade ein Vierrad bekam. Das ZEM (Zero Emission Machine) ist auf den ersten Blick so eine Art "Kett-Car" für Erwachsene. Ein schnittiger Rennwagen mit vier Sitzplätzen. Dank des vierfachen Antriebs (bei vier tretenden Fahrern) erreicht man mit dem ZEM schnell 40 km/h und mehr.

Sage und schreibe 140 Gänge sind auf die vier Räder verteilt worden. (Zweimal je 21 Gänge hinten und vorne je 49 Gänge). Bevor man allerdings die 12 000 Mark für den "langsamsten Sportwagen der Welt" (Firmenwerbung) bestellt, sollte man sich vom Schweizer Hersteller ZEM (www.zem.ch) auch bestätigen lassen, ob das 1,23 Meter breite Fahrzeug für die deutschen Straßen zugelassen ist. Auf der Messe wußten die Schweizer dies nicht sicher zu beantworten.

Vieles, was als Neuigkeit präsentiert wurde, konnte wir bereits einige Wochen vorher auf der Eurobike in Augenschein nehmen. Die IFMA hat zunehmend das Nachsehen und wird nach der Absage einiger Hersteller, die sich ganz auf einen jährlichen Auftritt (auf der Eurobike in Friedrichshafen) konzentrieren, noch stärker von den Einkaufsgemeinschaften wie Veloring oder ZEG bestimmt. Auch die Taiwanesen kommen lieber nach Köln und zeigen teilweise auch ganz dreist ihre Plagiate an Fahrradteilen.

Einige Trends konnten wir dann doch noch ausmachen: Beispielsweise, dass zum Fahrrad mittlerweile fast wie selbstverständlich eine Federung gehört. Die meisten neuen Räder weisen wenigstens eine gefederte Gabel auf. Mit einer gefederten Sattelstütze kombiniert, ergibt sich auf diese Weise bereits ein großes Plus an Fahrkomfort und Spaß, wenn es sich de facto auch nicht um ein vollgefedertes Fahrrad handelt. Die Vollfederung verbreitet sich nach Mountain- und Trekkingbike nun verstärkt bei Stadträdern. Doch keine Angst, es gibt auch noch das klassische Fahrrad. Nur viel bequemer ist es geworden. "Easy-Boarding Bikes" nennt die Branche diese Art von Fahrrad, die sich vor allem durch einen sehr tiefen Durchstieg auszeichnet. Die Pantherwerke beispielsweise bieten für 649 Mark einen "Stepper" an, mit einem mondsichel-geformten Rahmen, der mit einer Durchstiegshöhe von nur 16 Zentimeter auch nicht mehr ganz biegsame Menschen das Radeln leicht ermöglicht. Apropos leicht: Wie fast selbstverständlich wurde auch dieses Jahr wieder eine weitere Runde beim Rennen um das leichteste Fahrrad eingeläutet. Ein Rennrad von Peugeot wiegt nur noch 6,9 Kilogramm. Bei der Tour de France in diesem Jahr war das Rad bereits im Probe-Einsatz. 7700 Mark wird der Aluflitzer dann für jedermann kosten.

Nur wenige neue Fahrradstudien waren an den Ständen der Hersteller zu sehen. In diesem Bereich stagniert die Entwicklung doch deutlich. Einzig ein Prototyp der Firma Raleigh zeigt in etwa, wo die Entwicklung hingehen kann. Ein Stadtrad mit einarmiger Gabel (die sich doch deutlich von der bereits erhältlichen Ein-Holmgabel für Mountainbikes von Cannondale unterscheidet), einseitiger Hinterradschwinge und tiefem Durchstieg. In dieser Kombination ist dies neu. Die Form spart freilich nicht nur an Gewicht, sondern vereinfacht auch den Radwechsel. Nebenbei wird durch solche "einseitigen" Konstruktion auch der Absatz von Scheibenbremsen gefördert, da herkömmliche Bremsen keinen Halt mehr finden. Zunächst soll eine Kleinserie gefertigt werden. Der Preis der Future-Bikes wird zwischen 2000 und 3000 Mark liegen. Dann wird der reine Stahlrahmen des Prototyps auch gegen einen mit Chrom-Molybdän-Legierung oder aus Aluminium ausgetauscht werden, verspricht der Hersteller.

Im Zubehörbereich wird Sicherheit und einfache Bedienung propagiert. Gleich zwei Hersteller (Spanninga und Busch & Müller) zeigten erste Fahrradlampen und Rückleuchten, die sich automatisch (durch einen Sensor) bei einsetzender Dunkelheit oder bei Tunnelfahrt einschalten. Sinn macht diese Erfindung allerdings nur dann, wenn man seine Lichtanlage auf einen (fast) reibungslosen Nabendynamo umgerüstet hat, der dann ständig läuft.

Mehr Licht bringt eine Akkuleuchte von Sigma, die statt der üblichen drei Watt, die maximal vom Gesetzgeber erlaubten fünf Watt auf die Straße wirft. Leider sind solche Lampen bisher immer noch nur bei Rennrädern bis elf Kilogramm erlaubt.

Neue Carbon-Aluminiumlaufräder mit nur acht aeordynamischen Speichen stellte der Felgenspezialist Schürmann vor. "Quadro S" ist das erste Verbundlaufrad aus Aluminium und thermoplastischen Kunststoff, welches nicht so viel kostet wie ein komplettes Mountainbikes. Bisher waren diese Laufräder nämlich sündhaft teuer. Felge und Nabe werden im Spezial-Spritzverfahren nahtlos miteinander verbunden. Der Preis soll für einen Komplettsatz bei etwa 400 Mark liegen.

Das Fazit vieler Messeteilnehmer war, dass die IFMA im Vergleich zur Eurobike trotz überarbeitetem Konzept mit vier Markplätzen, wo teilweise sehr interessante Vorträge gehalten wurden, deutlich an Boden verloren hat. Und das lag nicht nur daran, daß erst am zweiten Messetag das Vortragsprogramm aus der Druckerei kam, sondern auch an dem Umstand, dass die Motorradfirmen nun gänzlich nach München abgewandert sind und sich die Eurobike immer mehr zu einen kompletten Messe mausert, die nicht nur Mountainbikes anbietet.

So lange jedoch die Einkaufsgemeinschaften an Köln festhalten, so Branchenkenner, wird die IFMA weiter stattfinden. Und vielleicht wird man im kommenden Jahr dann noch einen vierten Testparcours aufbauen, um die Lücken in den zwei Doppel-Hallen zu füllen.

Das Porscherad: Zwischen Tennischlägern und Armbanduhren

Von Ulf Hoffmann

Zwischen Tennischlägern und Armbanduhren

Porsche bietet erstmalig ein Sport-Tourenrad an / Das Ziel: Mit Accessoires aus dem Katalog den Kunden an die Marke binden

 

Es soll ja immer noch Kritiker geben, die behaupten, die Autofirmen würde ihre Fahrräder nur als Dekomaterial für den Dachträger oder als Bonus beim Autokauf anbieten. Stimmt natürlich nicht (mehr). Doch wenn man in den neuen Zubehör-Katalog von Porsche schaut, so könnte man auf diesen Gedanken durchaus kommen. Zwischen Tennisschlägern auf Seite 55 (für 399 Mark) und Armbanduhren ab Seite 66 (von 698 bis 3990 Mark) werden fünf schicke Fahrräder präsentiert, die zwischen 3490 und 9990 Mark kosten. Für die Preise muss man allerdings in einem Extra-Heft nachschauen, das überhaupt nicht so schön gestaltet wurde. Die Hauptausgabe heisst „Selection“ und im Untertitel „Accessoires von Porsche“. Accessoire nennt der Duden „modisches Zubehör zur Kleidung“. Na ja, mit einem Porsche schmückt es sich schon ganz gut. Also doch nur Masse zum Feilschen?

Es gibt zum Glück auch einen besonderen Katalog nur mit den Fahrrädern. Alles andere wäre auch schlecht fürs Geschäft. Selection erinnert doch sehr an einen Gemischtwarenhandel, oder an das Fanshopangebot eines Fußball-Bundesligisten, der auf Fahrradmessen auftreten würde.

Wir trafen uns in Seewalchen (Österreich) mit den Porscheverantwortlichen zu einer Probefahrt. Es gab zunächst Schnittchen und ein paar nette Worte von Walter Röhrl. Ja, das ist der zweifache Rallye-Weltmeister, der früher immer so rasant mit seinem Copilot Christian Geistdörfer um die Kurven gedüst ist. Heute radelt Röhrl lieber und bevorzugt auf einem Porsche. Deshalb war er auch wohl auch da. Porsche hatte extra für uns Journalisten drei Touren zusammengestellt und mit Fähnchen (die gibt´s noch nicht im Katalog) abgesteckt: fürs Mountainbike, fürs Rennrad und fürs neue Tourenrad.

Ich nahm mir das Sporttourenbike, das das Kürzel „ST“ trägt und fuhr damit die Mountainbikestrecke ab. Wenn schon, denn schon, dachte ich mir. Schlamm und viele Wurzeln erschwerten zwar das Vorankommen, doch selbst 15 Prozent Steigung waren mit der Untersetzung von 28 zu 34 Ritzeln kein großes Problem. Allerdings verklemmte sich die Kette zwischen Nabe und Ritzelpaket. Wie sich herausstellte, ist der Abstand zu den Speichen zu breit, eine Schutzscheibe fehlte völlig. Mit öligen Fingern ging es dann durch den tiefen Wald, so konnten wir sogar die Beleuchtung an unseren Bikes ausprobieren. Leider verlor mein Rad bei der Abfahrt das in den Gepäckträger integrierte Rücklicht (mit Standlichtfunktion). Noch nie ist mir so deutlich geworden, was man genau genommen unter Standlicht versteht.

Die Mountainbikestrecke war wohl ein wenig zu viel des Guten. Dabei kommt das ST-Bike sehr bullig daher. Die fast schon Porsche-typische breite Doppelbrückengabel (60 Millimeter Federweg) ist ein Novum an einem 28-Zoll-Tourenrad. Sie stammt natürlich - wie immer bei Porsche- von Votec und hinterließ von allen Komponenten an diesem Rad den besten Eindruck. Gefolgt von der gefederten Sattelstütze. Die „Cane Creek Thudbuster“ arbeitet nach dem Parallelogramm-Prinzip und ist damit herkömmlichen Federsystemen für das Sattelrohr deutlich überlegen, was sich natürlich auch im Preis niederschlägt, aber ein riesiger Plus an Fahrkomfort bedeutet. Selbst Treppen kann man damit hinunterfahren, ohne aus dem Sattel zu müssen.

Völlig misslungen ist der Gepäckträger. Obwohl nagelneu, gehört er in die Zweiradabteilung eines Verkehrsmuseums. Solch ein Stück mit dicken Alurohren und nur je einer Strebe zur Achse gab´s vor 15 Jahren an Kettler-Alurädern. Ein Tourenrad mit dem man schon gerne einen Ausflug machen möchte, sollte über einen soliden Gepäckträger verfügen. Dort muss man nicht nur einen Korb befestigen können, sondern auch zwei Satteltaschen. Und die finden an dem Silberrohr wenig Halt. Wenn überhaupt, denn die Rohre sind so dick geraten, dass viele Hakensystem buchstäblich passen müssen. Hier zeigt sich dann doch der sportliche Charakter der Firma Porsche. Offensichtlich ist niemand in Zuffenhausen auf die Idee gekommen, mal mit ein paar Satteltaschen eine Proberunde zu drehen. So hart es klingt: Für die Tour ist das ST damit ungeeignet. Über die sonstigen Komponenten braucht man nicht viel böse Worte verlieren. Es wurde fast komplett die Nexave-Gruppe von Shimano verbaut, die wir schon oft als empfehlenswert bewertet haben. Ein nettes Gimmick sind die Schutzbleche aus Carbon. „Sündhaft teuer, aber wunderschön“, nennt sie Porsche-Projektmanager Bernhard Kciuk. Da sie ohne Streben eingebaut wurden, kam es während der Fahrt zu kleineren Reibereien mit dem Vorderrad. Ein Strebenpaar am Vorderrad hätte das Rad auch nicht viel schwerer gemacht. Es wiegt sowieso schon auffallend viel. Laut Hersteller 15,9 Kilogramm (ohne Pedale), also fahrfertig (denn wer fährt schon ohne Pedale?) muss man mit mindestens 16,2 Kilogramm rechnen.

Wenn man bedenkt, dass der erkennbar in der  Porschegeometrie gefertigte Rahmen aus Aluminium besteht und das ganze Fahrrad 3490 Mark kostet, ist das Gewicht hoch. Zumal man nicht vergessen sollte, dass es sich trotz gefederter Sattelstütze natürlich nicht um ein vollgefedertes Rad handelt.

Das Ziel von Porsche ist klar. Kciuk möchte mit den Fahrrädern gerne frühzeitig die Kunden an die Marke binden. Während die Knirpse mit dem Tretauto „Junior Porsche“ für 299 Mark (findet man auch im Katalog) ihren ersten Sportwagen lenken sollen, soll die Jugend aufs Rad abfahren. Einmal ein Porsche, immer ein Porsche. Die Bikes gelten somit als „Bestandteil der Porsche Erlebniswelt“ (Kciuk). Wir warten deshalb gespannt auf das erste Kinderrad aus diesem Hause. Eines muss man Porsche zugute halten: Von den Bereichen Marketing und Promotion könnten sich die meisten etablierten Fahrradhersteller ein paar ganz große Scheiben abschneiden. Die Stärken bei Porsches Fahrrädern findet man hingegen bisher eher bei den sehr gut abgestimmten Mountainbikes.



Mutiert aus Muttis Ledersofa

Hilfe, mein Fahrrad ist mutiert", denkt man beim Blick in die Wohnung von Torsten Weidland. Zwei Meter breite Achsen, Riesenzahnkränze mit einem Durchmesser wie eine dicke Eiche, Drehgriffschalter auf denen man bequem Platz nehmen kann. Das Fantasialand für Fahrradfreaks liegt in der Karl-Marx-Straße in Neukölln. Weidland nennt seine Skulpturen Weidstyle. Doch es sind in erster Linie Designer-Möbel: Sessel, Sofas und Tische, die so aussehen als seien sie direkt aus dem Genlabor der Fahrradfirmen entflohen.

Wir setzen uns in eine Fahrradachse aus Leder, eingerahmt von Riesenflansche mit dem Umfang von LKW-Reifen, in die man Speichen so dick wie Bambusstöcke stecken könnte. Zurückgelehnt in der wie ein Hot-Dog-Brötchen aufgeklappten Achse blicken wir auf einen Glastisch, dessen Fuß ein Fahrradrahmen ist.

Lenker und Sattel halten die Glasplatte. Nur durch eine Doppelbrückengabel (im Modell von Votec) kippt der Tisch auch nicht um, als Weidland seine Zigarette im von einem Kettenblatt eingerahmten Aschenbecher ausdrückt (unverkäuflich). Der Neuköllner (Tel. 030 / 684 87 36) ist ein liebenswerter Verrückter. Denn schließlich wäre so manch einer froh, wenn er überhaupt erst für sein Fahrrad eine Votec-Gabel haben würde. Ganz davon zu schweigen, dieses rund 1000 Mark teueres Produkt einfach als Tischbein zu benutzen. Der Tisch heißt "Weid-Line" und kostet 3000 Mark. Wer seinen eigenen alten Rahmen vorbeibringt und keine Votec-Gabel braucht, bekommt das Objekt erheblich billiger, verspricht Weidland.

Interessanterweise mußte gar nicht viel am Fahrrad verändert werden, um daraus einen Untersatz für einen Couchtisch zu machen. Doch auf die Idee muß man erst einmal kommen. Nur der Hinterbau des Rahmens wurde verkürzt. Zwischen den "Schenkeln" des Rades klemmt jetzt ein beleuchteter Globus, den Äquator in der Vertikalen.

Über uns hängt eine Halogenlampe. Aber was für eine: Es ist ein Kronleuchter aus 20 kleinen Fahrradfelgen. "Die kleinste Größe, die ich bekommen habe", sagt Weidland: "12,5 Zoll". Sieben Spots wachsen wie Krokusse aus dem Gewirr von Speichen, die vielfach um ihre eigene Achse gedreht wurden. "Weid-Light" heißt das leuchtende Kunstwerk und kann für 700 Mark den Besitzer wechseln. Ein wahres High-Light in der Kollektion.

Torsten Weidland gewährt für seine Produkte zehn bis zwölf Jahre Garantie. Gewiß, die Möbel sind nicht billig, die Qualität teilweise eher durchschnittlich, dafür ist die Idee genial.

In seiner Wohnung stehen nur Prototypen. Für die ersten Entwürfe hat Weidland die alte Ledercouch seiner Mutter recycelt. Da es beim ihm keine Lagerware gibt, geht er freilich gerne auf die Kundenwünsche ein. Einen Monat dauert es durchschnittlich bis zum fertigen Produkt. Der 31jährige sprüht offensichtlich nur so vor Ideen. Manche kommen ihm beim Joint, wie er gesteht. Auch die Idee für die Türklinken, die in seiner Wohnung aus Original-Tretkurbeln bestehen, entstand nach einem kräftigen Luftzug.

Der leidenschaftliche Radfahrer ist eigentlich Zweiradmechaniker, hat für Fahrrad Berger und Helmuts Fahrrad-Center geschraubt. Doch ständig schmutzige Hände zu haben, war nicht seine Welt. So ist er schließlich Künstler geworden, in erster Linie Lebenskünstler, in zweiter ein sehr begabter Newcomer, der nicht länger nur Bikes reparieren wollte.

Gelernt hat er Autosattler. Doch davon kann man nicht mehr leben, sagt er. "Gegen die billige Konkurrenz aus Polen ist man machtlos", stellt der gebürtige Schwedter fest. Das Wissen setzt er nun für Polstermöbel der besondere Art ein. Quasi keinen Sitz mehr für den Porsche, sondern für den Porschebike fahrenden Radfreak. Denn ein wenig Kleingeld braucht man schon, um sich den Traum von den eigenen Radmöbeln zu erfüllen.

Am preiswertesten ist ein Beistelltisch (für 150 Mark) aus einem Fuß mit einem 16-Zoll-Laufrad, während die Glasplatte in ein 26-Zollrad eingefaßt wird. An den Wänden in seiner Wohnung hängen halbe Bikes oder Laufräder mit der dreifachen Anzahl von Speichen. Ein "Stuhl" ist eine überdimensionierte Cantileverbremse mit einen Meter breiten Bremmsgummi. So richtig Sitzen kann man auf dem Reifenprofil nicht. Die Liege ("Weid-Paddama") soll aber ideal für eine "gute Nummer sein", verspricht Weidland. Bevor man sich allerdings um den Nachwuchs kümmern kann, muß man bereit sein, 2000 Mark zu investieren.

Sollte das Geschäft mit den Fahrradmöbeln nicht klappen, sagt er zum Schluß, dann wechselt er die Branche und baut Möbel für Zahnärzte. Eine Idee für einen Backenzahn als Sessel hat er bereits.

Messebericht II von der Eurobike 99

Rund 80 Prozent der Deutschen besitzen ein Fahrrad. Kein Wunder, dass deshalb so mancher nach einem individuellen Gefährt Ausschau hält. Das Rad von Stange scheint ausgedient zu haben. Jedenfalls dann, wenn der Kunde auch bereit ist, mehr als 2000 Mark fürs neue Bike anzulegen. Immer mehr Hersteller bieten maßgeschneiderte Räder an, die regelrecht auf den Leib zugeschnitten werden. Die Computertechnik macht´s möglich. So werden passende Rahmengeometrien per Kamera ausgemessen. Die ideale Sitzhaltung errechnet und die gewünschten Komponenten ab Werk montiert. Damit warben jedenfalls auf der Fahrradmesse "Eurobike" in Friedrichshafen einige Anbieter. Wie weit sich diese Technik durchsetzen wird, hängt natürlich auch von der Innovationsbereitschaft des Fahrradeinzelhandels ab. Denn nur dort kann richtig beraten und gemessen werden.

Elektronik wird es in Zukunft auch mehr am Fahrrad geben. Shimano präsentierte eine Studie, bei der neben der Schaltung auch Bremsen und Dämpfer zukünftig per Elektronik gesteuert werden. Noch sitzt die meiste Elektronik allerdings am Lenker und nennt sich Tacho. Neuester Trend: mit integrierten Höhenmesser oder sogar mit Navigator.

Leider funktioniert dieser Minirechner, den "Ciclosport" erstmalig auf der Messe zeigte, nicht wie beim Auto. Der Computer hat also keine Verbindung zu einem Satelliten, wie beim GPS. Der optische Hinweis, den nächsten Schotterweg nach rechts zu nehmen, ist deshalb auf einem Chip gespeichert. 33 Touren sind derzeit verfügbar. Sie führen rund um den Gardasee.

Der klassische Reiseradler braucht allerdings noch mehr für eine gelungene Tour. Dazu gehört beispielsweise ein anständiger Sattel, der keine Nerven an den empfindlichen Stellen abdrückt. Eine neue Sattelform, die wie ein Knochen aussieht, hat "Specialized" im Programm. Die amerikanische Firma nennt das Sitzmöbel werbewirksam "Anti-Impotenz-Sattel". Bei Testfahrten, beispielsweise bei dem knochenharten Marathon von Trondheim nach Oslo in diesem Sommer, reduzierten sich die Rektionsstörungen der beteiligten und untersuchten Fahrer von 15 auf sieben Prozent. Die ersten Sättel sind bereits im Fachhandel erhältlich. Viel billiger als dauerhaft Viagara zu schlucken ist es allemal: denn der gefühlsechte Ritt beginnt mit 70 Mark. Frauen und Mountainbiker sollten sich noch ein wenig gedulden, ab dem kommenden Frühjahr gibt´s auch für sie die passenden Formen.

Ein ähnliches Ziel, wenn auch nicht ganz so aggressiv, verfolgt die Firma Sixt GmbH aus der Nähe von Stuttgart. Sie haben einen Sattel entwickelt, der zum Großteil aus Luft besteht. Den Air Seat kann man mit einer Luftpumpe aufpumpen. Die Satteloberfläche soll "keine technologisch bedingten Druckpunkte mehr aufweisen", heißt es in einer Studie der Uni Cottbus. Der Sattel kostet mit oder ohne Luft 80 Mark.

Etwas billiger, aber auch auf diese Idee muss man erst einmal kommen, ist ein Schutzblech fürs Mountainbike. Muddy heißt es und kostet knapp 20 Mark. Es ist nicht viel länger als zehn Zentimeter, dadurch extrem leicht und hält trotzdem das vom Hinterrad aufgewirbelte Schmutzwasser davor ab, sich seinen Weg zum Rücken des Fahrers zu bahnen. Der bekannte Streifen gehört damit der Vergangenheit an.

Ganz praktisch für die Unterhaltung ist auch eine Stereoanlage fürs Bike. Da es bekanntlich verboten ist, während des Radelns seine Ohren über Kopfhörer mit lauter Musik zu berieseln, hat die Firma "Sport-Garmisch" für den Fahrradhelm ein Visier mit kleinen Lautsprechern und eingebautem Radio entwickelt. Da kein direkter Ohrkontakt besteht, hat dem Sound-Visier auch der TÜV zugestimmt. Ein Anschluss für den Walkman wird mitgeliefert (80 Mark).

Reiseradler verzichten gerne auf die Musikberieselung unterwegs. Ihnen ist ein sicherer Transport wichtiger. Nur hat die Industrie bisher völlig verschlafen, dass auch Tourenbiker gerne ihre Knochen schonen und vollgefedert radeln möchten. Im Gegensatz zum Mountainbiker muss jedoch erheblich mehr Gepäck transportiert werden.

Erstmalig auf der Messe wurde deshalb ein Gepäckträger für eine gefederte Vorderradgabel gezeigt. Das vom Kölner Ingenieur Ulrich Artmann entwickelte Produkt ist mit einer eigenen Federung ausgestattet. Ähnliches wird auch demnächst die Darmstädter Firma Riese und Müller für ihr neues Reiserad "Delite black" anbieten.

Auch Paare können jetzt mit Komfort auf Reisen gehen. Bisher gab es nur wenige reisetaugliche und zugleich gefederte Tandems, mit denen man auch auf unbefestigten Wegen sich wohl fühlte. Der Reiserad-Spezialist Koga Miyata präsentierte ein vollgefedertes Tandem "Twin Traveller" mit einer bulligen Doppelbrückengabel und jeder Menge Flaschenhalter für knapp 6000 Mark.

Nicht ganz so teuer ist ein schönes Geschenk vielleicht zu Weihnachten. Ein Gürtel aus (ungefahrenen) Fahrradreifen, der in Handarbeit in Leipzig gefertigt wird. Die passende Gürtelschnalle kann man sich auch noch aussuchen, der Verkaufpreis soll bei etwa 60 Mark liegen

Weiter Gerangel um Fahrradmessen

Vielen Firmen geht es einfach wirtschaftlich nicht so gut: Sie können sich zwei Messeauftritte nicht leisten. Die Branche liebäugelt deshalb mit einem neuen (einzigen) Standort. Im Gespräch ist München, wenn auch die Veranstalter in Friedrichshafen (Eurobike) und Köln (IFMA) selbstverständlich versuchen, kräftig für ihren Platz zu werben und die Aussteller langfristig zu binden. Bei der IFMA hat man kürzlich die Termine sogar bis ins Jahr 2002 festgelegt.

Doch zunächst in die nahe Zukunft: Erstmalig wird die Eurobike in der kommenden Woche (2. bis 5. September) eine Messe ausschließlich für Fachbesucher sein. Otto Normalverbraucher kann deshalb getrost zu Hause bleiben. Es sei übrigens der ausdrückliche Wunsch der Branche gewesen, die Allgemeinheit auszuschließen, um mehr Zeit für Fachgespräche zu haben. Vergangene Woche wurde dann am Rande der Outdoor-Messe mitgeteilt, dass es für die Öffentlichkeit im April 2000 eine eigene Veranstaltung geben soll. Das "erste europäische Outdoor & Bike-Festival" wird vom 13. bis 16. April auf dem Messegelände in Friedrichshafen stattfinden. Rolf Mohne, Projektleiter des Festivals, sieht die Veranstaltung als einen Treffpunkt für Verbraucher: zum Testen, Informieren und Beraten.

Ob das Event allerdings über die süddeutschen Grenzen hinaus Beachtung finden wird, muss sich zeigen, schließlich wird auch in Berlin mit der "Fahrrad & Sport" ein ähnliches Konzept verfolgt und auch beim "Bike-Festival" in Willingen (immer im Juni) kann man schauen und testen.

Eine Hoffnung, in diesem Jahr noch ein ausgestelltes Fahrrad zu sehen, bleibt dem an Neuheiten interessierten Biker doch: die IFMA. Sie heißt neuerdings ja nicht mehr "Internationale Fahrrad- und Motorrad-Messe", sondern "Internationaler Fahrrad-Markt". Der Grund: Nachdem man auch noch die letzten motorisierten Zweiräder verloren hat, wollte man wenigsten das Kürzel "IFMA" weiter benutzen. Der Markt wird dieses Jahr am 23. September eröffnet und geht bis zum 26. September. Allerdings sind die ersten drei Tage den Fachbesuchern vorbehalten. Die interessierte Öffentlichkeit wird nur am letzten Messetag "geduldet". Trotzdem, dies bleibt festzuhalten, ist die IFMA die einzige Fahrradmesse mit einem Publikumstag.

Ein leichtes Dach über dem Kopf

Wie wichtig ein Zelt sein kann, stellt man erst dann fest, wenn der Sturm zum Orkan wird und regelrechte Wasserfälle vom Himmel fallen. Besonders Radfahrer, die in Gegenden unterwegs sind, in denen nicht hinter jeder Biegung ein Gasthaus mit einem trockenen Bett lockt, sollten für den "Hauskauf" reichlich Zeit (und eine gut gefüllte Brieftasche) mitbringen.

Ein gutes Zelt kann durchaus Leben retten, aber im einfachen Fall auch "nur" die Stimmung erhalten, wenn es draußen tagelang regnet und stürmt. Mittlerweile werden auch spezielle Radfahrerzelte angeboten. Sie bieten die Möglichkeit, bis zu zwei Räder mit ins Zelt zu nehmen. Das scheint auf den ersten Blick eher ein Gag zu sein. Doch besonders in Ländern, in denen man sein Bike nicht sorgenfrei neben das Zelt legen kann, ist die transportable Garage eine gute Idee. Der zusätzliche Stoff bringt freilich auch ein wenig mehr Gewicht aufs Rad. Zwei Zelte von diesem Typ (neben acht weiteren "normalen" Zelten) hat die Stiftung Warentest in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Test" (Heft 7/99) untersucht: Das "Grand Illusion" (500 Mark) von Jack Wolfskin und das "Monolith" (550 Mark) von VauDe. Das "Monolith" (3,8 Kilogramm) bekam die Testnote 2,4; Das "Grand Illusion" bringt fünf Kilogramm auf die Waage, schnitt aber sonst besser ab (Testnote 1,9).

Die Auswahl an Bikerzelte steigt. "Jack Wolfskin" hat neben dem getesteten Exemplar noch sein "Bike´n Hike" (499 Mark) im Programm, aber auch die Firmen "Hilleberg" und VauDe bieten weitere Varianten an. Für den Bikeport auf Reisen kommen sowohl Tunnel- als auch Kuppelzelte in Frage. Bei entsprechender Konstruktion bieten sie eine ausreichende Höhe, um das Fahrrad einfach unter die Apsis (den Vorhof des Zeltes) zu schieben. Für welchen Typ von Zelt man sich entscheidet, hängt von dem Einsatzgebiet und verschiedenen Faktoren ab. Tunnelzelte gelten als besonders windstabil, Kuppelzelte haben den Vorteil, daß sie im Gegensatz zum Tunnelzelt, oft bereits ohne Abspannungen stehen. Bei einigen Firmen (zum Beispiel VauDe, Hilleberg, Macpac) lassen sich auch Außen- und Innenzelt gemeinsam aufbauen. Besonders wichtig für Einzelreisende oder bei starkem Wind.

Ein besonderes Zelt fanden wir im Katalog von "Brügelmann". Der Radversender bietet für 190 Mark ein Zelt an, welches ohne Gestänge auskommt. Die Zwei-Personen-Behausung wird durch den Rahmen eines Fahrrades gehalten. Ohne Heringe wiegt das Stoffdreieck nur 900 Gramm. Allerdings ist es wirklich nur etwas für Extrembiker, die mit jedem Gramm rechnen (müssen). Es ist wahrlich nicht sehr praktisch, nach einer Schlammschlacht auf einer Schotterstraße das verdreckte Rad mit ins Zelt nehmen zu müssen. Das "Trans-Alp-Biker-Biwak-Zelt" ist an sich eine gute Idee, jedoch nur für schönes Wetter und kurze Touren.

Wer Gewicht sparen will, wird auch bei anderen Herstellern fündig. Der schwedische Zeltexperte Bo Hilleberg hat beispielsweise ein Ein-Personenzelt im Programm (Akto), welches nur 1,75 Kilo wiegt.

Hilleberg gilt unter den erfahrenen Outdoorfreaks als Ausrüster mit Kultstatus. Nicht ganz unschuldig daran ist auch die schwedische Armee, die von Hilleberg ausgerüstet wird und selbst im eiskalten winterlichen Lappland die Soldaten mit dem Zeltsack ins Manöver schickt. "Selten kaufen Anfänger unsere Zelte", sagt Peter M. Carati, bei Hilleberg im mittel-schwedischen Hacksås für den Export zuständig. Seit ein paar Jahren werden die Zelte aus Kostengründen in Estland produziert. Viele andere Hersteller lasse dagegen in Fernost produzieren.

Der Wille, ein gutes Zelt zu kaufen, ist ein Reifeprozeß. Erst, wenn man den Nachteile eines Billigzeltes spüren durfte (es bei läppischen Windstärken den Flat Eric macht), oder die Stoffdächern der mittleren Preisklasse (um die 600 Mark) undicht sind, steigt die Bereitschaft, über 1000 Mark für ein Dach übern Kopf auszugeben. Auch Hilleberg hat zwei Fahrradgaragen im Programm (auf Basis eines Tunnelzeltes). Die großen Apsis des Stalon GT (1490 Mark) und des Keron 4 GT (1775 Mark) lassen zwei Fahrräder im "Bauch" verschwinden. Das Stalon GT wiegt 4,2 Kilo, das Keron 4 GT fünf Kilogramm

Alle guten Zelte bestehen aus zwei Stoffbahnen, dem Innen- und Außenzelt. Diese Konstruktion ist besser für die Ventilation. Denn das vom Menschen verursachte Kondenswasser kann so auf der Innenseite des Außenzeltes kondensieren und ablaufen, während das dünne Innenzelt stets trocken bleibt. Billigzelte mit nur einer "Haut" können diesen Komfort nicht bieten, man schwimmt irgendwann im eigenen "Saft". Einzige Ausnahme sind angeblich die "Single-Wall"-Zelte von VauDe. Die Tettnanger Firma setzt einen speziellen Stoff ein (Cappilar), bei dem die Innenseite mit einem aufflaminierten Drainagesystem ausgestattet sind, so daß das Wasser an der Innenwand abfließt. "Es sammelt sich schließlich am Übergang von Zeltdach und Bodenwanne und wird von dort über eine Sicker-Drainage nach außen geleitet" (Katalog-Wortlaut).

Damit ein Zelt wirklich dicht hält, muß es nicht nur gut verarbeitet sein (verschweißte Nähte, abgedichtete Reißverschlüsse etc.), sondern das Material auch über eine ausreichende Wassersäule verfügen. Die Wassersäule gibt an, mit welchem Wasserdruck (in Höhe und pro Quadratzentimeter gemessen) das Material belastet werden kann, ohne undicht zu werden. Das Dach sollte mindestens 1000 Millimeter aufweisen, rät die Stiftung Warentest. Bei namhaften Herstellern sind aber Werte zwischen 3000 und 4000 mm nicht selten.

Für die viel stärker beantspruchte Bodenwanne reicht dieser Wert nicht aus. VauDe beispielsweise liefert seine Space-Serie mit einer 10000 mm-Wassersäule aus. Aus eigener Erfahrung können wir sagen, daß diese selbst bei Übernachtungen im Sumpf dicht hält. VauDe wirbt auch damit, daß das Material ihrer Zelte bei einem Feuer nur schmilzt und nicht weiterbrennt. Damit läßt sich ein mehr oder weniger großes Loch zwar auch nicht verhindern. Das Zelt aber kann unter glücklichen Umständen noch weiter benutzt werden. Wir machten vor ein paar Jahren die Probe aufs Exempel, logischerweise nicht ganz freiwillig. Ein umgekippter Kocher und schwups brannte die Bodenwanne, Teile des Schlafsacks und die Augenbrauen kringelten sich.

Die Panik war nicht mehr weit, während das Zeltmaterial schmolz. Am schlimmsten brannte dabei die (billige) Zeltunterlage, die dem Zeltboden immer wieder Futter gab. Das Feuer zerstörte auf diese Weise Teile des Bodens, des Innenzeltes und der Apsis. Seitdem achten wir darauf, daß auch die Zeltunterlage schwer entflammbar. Das Zelt (ein Space Plus) mit der geflickten Stelle (zunächst wurde der Zeltbeutel per Hand eingenäht, später durch Flicken aus einem alten Space-Zelt maschinell geschlossen) ist seitdem ein Unikat und auch nach fünf Jahren immer noch im Einsatz. VauDe hat seit diesem Jahr das Zelt aus dem Programm genommen. Wir wissen nicht, ob es daran liegt, daß es an zwei Stellen an der Aufhängung des Innen- am Außenzelt regelmäßig reinregnete. Trotzdem mußten wir nie eine Tasse in der Mitte des Zeltes aufstellen, um das Wasser auffangen zu können, wie wir es bei einem anderen Zelt von etwa zehn Jahren erleben durften.

Ob man also wirklich ein spezielles Zelt mit Fahrradgarage braucht, muß jeder Biker selber entscheiden. Es gibt so viele Kriterien, die zu beachten sind, daß man das Zelt nicht nur danach kaufen sollten, ob der Drahtesel unters Dach paßt.

Wir haben stets unser Rad unter die eine Apsis des Zeltes gepackt und (wenn nötig) ans Zeltgestänge angeschlossen. So blieb der Ledersattel und die geschmierte Kette vor Regen geschützt und ein Dieb hätte erst einmal die Heringe lösen müssen, um das Rad entwenden zu können. Keine Garage gewiß, doch ein guter Kompromiß, mit dem wir stets gut gefahren sind, wenn man uns auch so immer als Radfahrer identifizieren konnte. Wildzelter sollten jedoch auf leuchtende Farben verzichten, nicht nur, daß Gelb oder Rot unzählige Insekten anzieht, auch ein Langfinger könnte auf das mobile signalfarbene Haus aufmerksam werden. Grüne Zelte sind weniger auffälliger.

Vor dem Kauf sollte man das Zelt im Laden aufbauen und zur Probe liegen, ob man nicht ständig gegen das Innenzelt mit den Füßen stößt. Auch die Innenhöhe ist nicht ganz unwichtig, will man Rückenschmerzen vermeiden. Schließlich sollte man testen, wie leicht und schnell man aus dem Zelt herauskommt, und ob dabei bei Regen in den Innenraum tröpfelt.

Eine Gabel mit einem Arm

Die wichtigste Tätigkeit eines Fahrradingenieurs ist heute das Weglassen. Die Fahrradbranche ist in manischer Diätstimmung. Runter mit dem Gewicht, rauf mit dem Komfort. Nur bei Federgabeln ging der Trend in die andere Richtung: Mehr Federweg machte die Gabel auch immer schwerer.

Sicherlich: Ein paar Gramm kann man durch neue Werkstoffe einsparen, durch bessere Verarbeitung oder durch intensives Nachdenken. Eine, wenn auch sehr gewagte Idee hatten die Experten der Firma Cannondale (Tel. 0031-541-573580). Auf der Suche nach einer besseren und zugleich leichteren Federung fürs Vorderrad stießen sie bei der herkömmlichen Technik an die Grenze des technisch Machbaren, wenn das Gewicht nicht doch wieder steigen sollte.

Zehn Zentimeter Federweg waren die Vorgabe. Und das Produkt sollte dann auch noch weniger wiegen als die bis dahin leichteste (und vergleichbare) Gabel auf dem Markt, die RockShox SID XL (1724 Gramm). Nach mächtigem Grübeln kamen die Ingenieure zu dem Schluß: Es geht nicht auf dem herkömmlichen Weg. So ließen sie einfach dreist die rechte Hälfte der Gabel weg und orientierten sich daran, mit nur einem Holm zu arbeiten. Das Produkt nannte sie "Lefty", dem englischen Spitznamen für Linkshänder.

Von einer Gabel zu sprechen fällt beim Blick aufs Vorderrad recht schwer, es ist eher ein stumpfer Spieß, mit dem man das Vorderrad aufgabeln kann. Kann man damit auch fahren?, fragt man sich, beim Anblick auf das offene Rad. Ja, man kann, und dazu noch gut. Die Lefty ist zur Zeit die verwindungssteifste Gabel. Nicht nur, daß dies auch in Tests der Zeitschrift "Mountainbike" festgestellt wurde (Ausgabe 6/99).

Mit einfachen Mitteln kann jeder die Eigenschaft der Gabel überprüfen. Fridjof Cunow, wohl Berlins best-informiertester Cannondale-Spezialist (Spitzname: "Mr. Cannondale"), macht es uns vor: Einfach eine sehr gute normale Gabel zwischen die Beine klemmen und den Lenker hin- und herbewegen und sich das Spiel der Holme anschauen. Dann zum Vergleich die "Lefty" einspannen. Das Ergebnis ist eindeutig und überrascht uns doch sehr. Selbst die hauseigenen Federsysteme von Cannondale (Headshok genannt) sind nicht so steif, obwohl die Lefty auf der dort bewährten Vierkant-Führung im Innern der Gabel beruht.

Der eine Arm macht es natürlich auch möglich, schnell und ohne Radausbau bei einen Platten den Schlauch wechseln zu können. Auch dreckt jetzt das Vorderrad nicht mehr so schnell ein. Die Gabel wird mit einer speziellen zylinderförmigen Achse ausgeliefert. Das Vorderradlager wird einfach auf die Achse geschraubt. Lediglich eine Inbusschraube hält das Laufrad an der Gabel, ähnlich wie wir es vom Auto her kennen. Selbstverständlich ist es keine gewöhnliche Nabe, die dort benutzt wird. Sie würde die auftretenden Kräfte gar nicht aushalten. Die Achse ist innen (also am Gabelholm) 25 Millimeter dick und verjüngt sich bis zum äußeren Ende auf zehn Millimeter.

So bekommt man die Gabel nur mit der eigenen, speziellen Achse. Auch die Montage von V-Bremsen ist verständlicherweise nicht mehr möglich. Verzögert wird deshalb per Scheibe. Inklusive Scheibenbremse (von Coda), Bremsgriff und der Coda-Nabe wiegt die "Lefty" 2180 Gramm. Sie ist damit trotz der gewichtsintensiveren Scheibe noch 61 Gramm leichter als die vom Federweg vergleichbare RockShox SID XL mit XTR-Bremsen und Nabe. Vorgabe erfüllt.

Sehr praktisch und typisch für die Vorderradfederung bei Cannondalerädern ist das Blockieren der Luft-Federung. So muß nur ein schwarzer Hebel auf der Brücke in der Nähe des Lenkers umgelegt werden und schon fährt man ungedämpft. Die Öl-Dämpfung läßt sich mit einer rosafarbene Schraube deutlich spürbar im Ansprechverhalten variieren.

Wir sind die Lefty Probegefahren und waren begeistert, auch wenn sich natürlich schon die Frage stellt, ob man diesen Einarmigen wirklich braucht. Das neue Produkt läßt sich in jeden Cannondale-Rahmen mit Headshok-Aufnahme einbauen, serienmäßig wird sie in verschiedenen Cannondale-Modelle der 99er-Produktion verbaut.

Ein großes Risiko geht man nicht ein, wenn sich die Lefty-Technik doch nicht durchsetzen sollte. Die Gabel läßt sich schnell gegen eine herkömmliche aus dem Cannondale-Programm austauschen. Für die Zukunft ist man so gerüstet, und was die in der Fahrradbranche bringt, ist nicht abzusehen. Die "Lefty" kostet einzeln stolze 2290 Mark, was in etwa einen Preis von einer Mark pro Gramm entspricht. So sollte man schon gut überlegen, ob man den Hingucker braucht. Eine Probefahrt ist dabei immer noch die beste Möglichkeit, denn Sinn und Nutzen selber zu testen. Exklusiv ist dies bis Mitte August in Berlin nur bei Fahrrad Berger in Rudow möglich (Tel. 663 50 93). Danach bieten die "Lefty" auch die anderen Händler an. Eine Händlerliste findet man im Internet unter www.cannondale.com. Weitere Informationen zur "Lefty" stehen auch auf der Headshok-Homepage (www.headshok.com).

Nie so lange fahren, bis es knirscht

Sie muss schon mächtig was aushalten, die Felge. Ständig wird sie belastet, über Rinnsteine geschickt und von Bremsschuhen beidseitig in die Zange genommen. Kein Wunder, dass deshalb so manche Felge frühzeitig das Zeitliche segnet, wenn man nicht aufpasst.

Eine Felge ist ein Verschleißteil, doch viele glauben, der Laufring hielte ewig. Felgenbrüche können immer wieder vorkommen. Leider sind sie nicht so einfach vorhersehbar. Erste Anzeichen für einen Bruch lassen sich meist von außen auch nicht erkennen. Erst ein Blick ins Felgenbett macht kleine Risse sichtbar. Spätestens dann sollte man umgehend zum Fahrradhändler fahren, ja besser noch schieben.

Knistert es sogar merkwürdig aus dem Laufrad, kann es bald in der Felge kräftig knacken und am Ende knallen. Das war dann der geplatzte Schlauch, die geborstene Felge blockiert das Rad und der Fahrer stürzt. Schwere Verletzungen können die Folge sein.

Dass dieses Problem in den vergangenen Jahren verstärkt auftrat, liegt nicht etwa an den schlechter gewordenen Qualität der Felgen, sondern an den modernen Felgenbremsen. Während die Bremsen, wie V-Brakes, am Fahrrad immer besser zupacken, geschieht dies eindeutig auf Kosten der Haltbarkeit der Felge, die einfach nicht mit der Entwicklung neuartiger Bremsschuhe mithalten konnte.

Heutzutage würde sich wohl sowieso kein Konstrukteur mehr trauen, eine Bremse zu entwickeln, die ständig Stück für Stück Teile der Felge wegschmirgelt. Schließlich ist der Metallring ein wichtiges, tragendes und sicherheitsrelevantes Fahrradteil.

Zwar kann man dem Verschleiß ganz einfach vorbeugen, in dem man Scheiben- oder Trommelbremsen einbaut. Nur praktizieren dies nur wenige Hersteller. Selbst bei teuren Rädern wird weiterhin auf Felgenbremsen gesetzt, auch deshalb, weil die V-Bremsen ähnlich gut verzögern wie eine Scheibenbremse.

In Zukunft soll aber wenigstens der Grad des Verschleiß auch für den Laien besser erkennbar sein. Seit dieser Saison werden Felgen mit einem Verschleiß-Indikator produziert. Dieser Lackmus-Test für sicheres Fahren zeigt eine dunkle Linie, die dem Fahrer signalisiert: Felge auswechseln.

Hintergrund ist die bereits früher in einem Artikel beschriebene DIN-Norm 79100-2, die dies bei Alufelgen vorschreibt. Der Felgenhersteller Schürmann nennt seine Erfindung einen "Safety-Indicator", der Hersteller Grünert "Security Rim".

Das Neue besteht darin, dass Reifensitz und Bremsfläche mittels Hohlkammer voneinander getrennt sind. Beim Verschleiß und der Zerstörung der Bremsfläche bleibt die tragende Funktion der Felge für den Reifen erhalten.

Unabhängig davon kann jeder Radfahrer selber etwas gegen den Verschleiß tun. Eine unsaubere Felgenflanke führt zu besseren Bremsergebnissen. Gleiches gilt für die verwandten Bremsschuhe. Wer so lange wartet, bis der Alufuß auf der Felge schleift, muß sich nicht über tiefe Kerben in der Felge wundern. Doch auch eingeklemmte Steine können bei einem Bremsvorgang kräftig reiben. Das Schlimme: Während der Stein wieder herausfällt, setzt sich die abgeriebene Aluspäne im Gummi fest und bewirkt den zerstörerischen Kreislauf. Immer mehr Aluminium wird aus der Felge gefräst.

Ein regelmäßiger Austausch der Bremmsgummi, selbst wenn sie noch nicht vollständig abgefahren sind, kann deshalb Ärger vermeiden und letztendlich auch Geld sparen. Auch gute Bremsgummis können helfen, beispielsweise der Firma "Kool Stop". Die Klötze sind zwar mit zwölf Mark pro Paar nicht billig, ihr Geld aber allemal wert.

Eine spürbare Verkürzung des Bremsweges lässt sich auch durch keramikbeschichtete Felgen erreichen. Bei diesem hochwertigen Typ ist eine Alu-Felge mit einer Keramikschicht bespritzt worden. Verwandt wird dabei eine Mischung aus Aluminium- und Tintanoxid. Die Oberfläche wird dadurch spürbar rauher, so dass sich vor allem auf nasser Fahrbahn der Bremsweg um mehr als die Hälfte im Vergleich zu herkömmlichen Felgen verkürzt. Allerdings nutzt sich die Keramikbeschichtung im Laufe der Zeit auch ab.

Wie lange eine Felge durchschnittlich hält, lässt sich nur schwer sagen. Zu unterschiedlich können die Belastungen, zu verschieden das eingesetzte Material sein. Grundsätzlich gilt allerdings, dass eine dickere Wandstärke nicht schaden kann. Unter einem Millimeter Wandstärke wird´s kritisch. Wer selber nachmessen will, kann eine Felgen-Schiebelehre von Cutting Crew (149 Mark) benutzen. Je besser das Material (je härter das verwendete Aluminium), desto länger hat man Freude am Fahren. Doch auch die verwendeten Bremsgummis spielen eine wichtige Rolle. Einige Hersteller mischen dem Gummi Stahlstaub bei, um das Naßbremsverhalten verbessern. Anders verhalten sich weiche Gummis: Diese nutzen sich zwar schneller ab, malträtieren jedoch auch weniger die Aluflanke. Zudem können sie unter Umständen kleine Steine oder andere Fremdkörper "schlucken" und somit das Abschleifen der Felge verhindern. Daher ist es wichtig, dass die Bremsgummis öfters nach eingelagerten Schmutzpartikeln untersucht werden, das das Verschleißrisiko vermindert.

Das Problem zeigt, dass eine engere Zusammenarbeit zwischen Felgen- und Bremsenherstellern wünschenswert ist. So könnten dann auch seitens der Felgenproduzenten Empfehlungen für bestimmte Bremsgummitypen ausgesprochen werden. Aber vielleicht will man dies ja gar nicht, schließlich würden dann die Aluringe auch länger halten und der Umsatz sinken.

Immer mehr Elektronik fürs Bike

Bislang ist der Radfahrer weitgehend von zuviel Elektronik an seinem Bike verschont geblieben. Zum Glück werden viele sagen, schließlich kann auf diese Weise auch wenig kaputt gehen. Noch dominiert die klassische Mechanik den Radausflug. Allenfalls ein elektronischer Tacho - meist nur als Zubehör erhältlich - zeugt auch am Rad von der Entwicklung, die die Elektro- und Mikrosystemtechnik in den vergangenen Jahren durchlaufen hat. Doch der Wunsch nach mehr Komfort und einfacher Wartung (beispielsweise der Federung), gepaart mit weniger Störungen bei der Funktion (beispielsweise des Lichts oder der Schaltung), ruft dagegen regelrecht nach mehr Bits und Bytes, nach dem Mini-Computer fürs Rad.

Weiterlesen...

Fahrradtest.de - Ein Projekt der Journalia Kommunikation Multimediaagentur

Fahrradtest.de ist optimiert für Firefox, Chrome, Opera & Safari. Benutzer von IE8 sollten ihren Browser updaten.

Copyright © 2016. Alle Rechte vorbehalten.