Fahrradmesse VeloBerlin gut gestartet

Im Vorfeld waren wir skeptisch, auch nach der etwas merkwürdigen Pressekonferenz im Funkturmrestaurant, in der es vor allem um Mobilitätskonzepte (unter anderem auch von Leih-Elektroautos) und weniger um Fahrräder, Technik und Neuigkeiten ging. Die arme Praktikantin, die in die Redaktion zurückkam mit der Nachricht, es gebe jetzt Leihfahrräder in Berlin sowie plattenfreie Reifen und LED-Licht am Fahrrad. Super! Das konnte ja eine Messe werden. Doch wie Berlin dann zur Velo Berlin strömte hat dann doch viele überrascht.

Okay 8450 Besucher sind nichts gegen die Massen in Friedrichshafen bei der Eurobike, und so lange man nicht auf dem Weg zur Messe im Stau steht und selbst mittags noch einen Auto-Parkplatz direkt vor dem Messeingang bekommt, hat sich die Velo Berlin noch nicht richtig herumgesprochen. Auch 160 Aussteller auf 11.000 Quadratmeter Fläche sind nicht wirklich begeisternd, trotzdem, wir sind bescheiden geworden in all den Jahren und schon deshalb froh, dass leere Ausstellungsflächen nicht wieder mit Massagesesseln und sonstigen Klönschnack zugestellt wurden.

Aber wie oft haben wir schon von einer neuen, der ersten Fahrradmesse Berlins gehört? Wie oft wurde uns das schon versprochen? Und wie oft ist es nach ein oder zwei Versuchen wieder eingestellt worden? Nun halfen die Friedrichshafener aus. Keine tolles Bild für die Messe Berlin und die Fahrradhauptstadt Deutschland, dass die Messe Friedrichshafen ins 600 km entfernte  Berlin kommen muss, um den Hauptstädtern zu zeigen, wie´s geht. Zum Vergleich: Selbst Warschau oder Göteborg sind näher an Berlin dran als Friedrichshafen.

Aber da wären wir auch schon bei der Chance der Velo Berlin: Denn was die Eurobike für den Alpenraum darstellt, könnte langfristig die Velo Berlin (vielleicht streicht man dann irgendwann auch noch das "Berlin") für Norddeutschland, Nord- und Osteuropa werden, insbesondere für die fahrradbegeisterten Dänen und Schweden, bei den Polen ist leider ja noch viel Aufklärungsarbeit notwendig....

Überraschender Punkt eins: Der Fahrradhändler aus Spandau oder Buckow mit seinem bunten Kramladen blieb fast vollständig der Messe fern (unter Hand hieß es von Händlern wohl: "Wenn Stadler ausstellt, kommen ich nicht" - na dann stirbt doch langsam!!!)

Überraschender Punkt zwei: Die Hersteller haben sich nicht wie so oft in Berlin mit lokalen Händlern zusammengetan und ein paar Räder präsentiert, sondern einen eigenen Auftritt bezahlt. Eine richtige Fahrradmesse! Wahnsinn! In Berlin! An manchen Ständen, beispielsweise bei Rohloff, in der vielleicht schönsten Ausstellungshalle im Palais am Funkturm, zwischen dem Magazin Fahrstil und Schmidts Nabendynamos, musste man schon drängeln, um überhaupt an den Stand zu kommen. 

Die Messe Friedrichshafen sieht die Velo Berlin als Ergänzung der Ordermesse Eurobike für den Fachhandel im September.  So lange wünschte sich die Fahrradbranche einen Auftritt für die Endverbraucher im Frühjahr: „Diesem Wunsch sind wir gerne nachgekommen“, zog Friedrichshafens Messechef Klaus Wellmann am Sonntag ein positives Fazit der Messe-Premiere. Unterstützt wurden sie von VeloKonzept, die ja ausreichend Erfahrung in der Organisation von Fahrradmessen haben sowie von der lokalen Presse, die erstmals auch eine eigene Beilage produziert haben. Allerdings reichte dort die Themenvielfalt nicht über den Trend E-Bike, das E-Rockit und dem tausendsten und nicht wirklich orginellen Interview mit Berufspromotionradfahrer Tilmann Waldthaler hinaus. Tilmann stand dann übrigens auch mit seinem Rauschebart leibthaftig auf der Messe. Und wenn das kein gutes Zeichen ist, denn Waldthaler nimmt ja nicht alle Promotiontermine war, sondern nur die, die was bringen....