Steckerlos - Kabelprobleme bei Nabendynamos

SON_sl_Foto_HerstellerDie Technik rund um das Licht am Fahrrad hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Nabendynamos, LED-Leuchten, Standlicht, ja sogar Tagfahrlicht ist mittlerweile bei Neurädern fast Standard. Doch bei der Verkabelung hat sich leider nicht sehr viel getan. So wird es schon als Fortschritt verkauft, dass die Verbindung nun zweiadrig erfolgt. Doch insbesondere beim Anschluss der Kabel an den Dynamo ist noch Technik aus grauer Vorzeit im Einsatz. Eine Lösung könnte die kabellose Verbindung darstellen. Der steckerlose Dynamo von SON ist fertig, was fehlt sind die Hersteller der passenden Gabeln und Fahrradhersteller, die beide Techniken serienmäßig einbauen.

Die Firma Wilfried Schmidt Maschinenbau hat den Nabendynamo SON SL (SL steht für steckerlos) entwickelt. Erste, wenige Räder sollen 2011 zu den Herbstmessen auf den Markt kommen. Son Stecker Foto_Fahrradtest.deAuch Wilfried Schmidt ist mit seiner derzeitigen Verkabelung nicht zufrieden: "Die übliche Nabendynamo-Stecker sind darum immer unbefriedigend, auch die 4,8-mm-Flachstecker, die wir wegen ihrer hohen Betriebssicherheit bevorzugen." Und in der Tat sind die Flachstecker beim SON noch das kleinere Übel, wenn auch weniger die Steckerverbindung das Problem darstellt, als vielmehr die Flachstecker dauerhaft mit dem Kabel zu verbinden. Auf Radtouren empfiehlt sich deshalb immer Ersatzstecker dabei zu haben. Eine Übergangslösung könnte sein, die Flachlitzen am Dynamo mit einem Loch auszustatten, in den man das Kabel zur Not per Hand einsetzen kann. 

Trotzdem bleibt alles sehr fummelig. Viel schlimmer ist allerdings das ja noch viel weiter verbreitete System von Shimano. Shimano liefert seine Nabendynamos mit einem Plastikstecker aus. Genauer gesagt ist es eigentlich nur eine Plastikkappe, son_stecker_buchse_offen_webin die man die Kabel steckt und dann hofft, dass sie Kontakt zum Nabendynamo bekommen. Dies hat viel mit Gefühl, Erfahrung und auch Glück zu tun  (und jede Menge Geduld), damit sich die Kabel nicht in die Quere kommen. Und sollte die Kappe mal verloren gehen, hilft auch basteln oder der Weg zur nächsten Autowerkstatt nur wenig. Hier wurde völlig an der Praktikabilität vorbei geplant und ein System gewählt, welches anscheinend vom Radfahrer nur akzeptiert wird, weil es keine Alternativen gibt.

shimano_dynamo_buchse_webDen Ingenieuren könnte man eigentlich einen Betriebsausflug ins nächste Elektronikgeschäft wünschen (auch ein Blick in die Verkabelung im Automobilbereich würde schon helfen). Selbst wer nur mal bei Conrad in der Kabelabteilung für Modellbau war, findet etliche, bessere Lösungen.  Aber nein, während die Nabendynamos immer besser (und leichter) wurden, die LED-Technik helle Momente ermöglicht, ist bei der Verkabelung weiterhin das Niveau aus drittklassigen Hobbywerkstätten angesagt. 

Der SON SL könnte die Lösung sein. Zumindest hat ein Hersteller das Problem erkannt und
Nabe und Gabel selbst zur Kontaktierung zu verwenden. "Das Laufrad muss ja sowieso ins Ausfallende gesteckt und mit hoher Kraft mit der Gabel verbunden werden", schreibt Winfried Schmidt in seiner Vorstellung. shimano_dynamo_stecker_buchse_nahwebNun ist diese steckerlose Verbindung erstmals 2009 auf der Eurobike vorgestellt worden. Seitdem ist nicht viel passiert. Der SON SL wäre verfügbar. Das  Problem ist die Umsetzung. Denn den neuen Nabendynamo wird es nicht als Nachrüstsatz geben. Beim SONdelux SL ist eine Anlagefläche der Massekontakt. Auf der anderen (rechten) Seite bildet ein zur Achse isolierter Kontaktring den Phasenkontakt. Eine auf dem rechten Ausfallende der Gabel aufgebrachte Kontaktplatte bildet das Gegenstück. Die Masseleitung erfolgt ähnlich wie früher beim Rahmen durch die Gabel. Der Stromleiter soll laut Schmidt innerhalb der Gabelscheide zum Gabelkopf geführt werden.

SON_sl_GabelLaut Schmidt stellen die Gabeln eigentlich nicht das Problem dar. Es sei nicht aufwändig, beschichtete oder unbeschichtete Standardgabeln entsprechend umzuarbeiten. Meist seien die für die Kabelverlegung Bohrungen sowieso vorhanden. Auch Federgabeln könnte man entsprechend ausstatten. Die neuen Gabeln wären auch für normale Nabendynamos einsetzbar.  

Doch Schmidt ist Dynamohersteller und kein Fachmann für die Gabelproduktion. Kann sogar sein, dass seine Idee wieder verschwindet, wenn die Großen der Branche nicht mitziehen. Wenn eine Firma fast 90 Prozent Marktanteil hat, ist es für Kleine der Branche schwer, sich mit ihren Ideen durchzusetzen.