Crashtest: Unfallforscher warnen vor schnellen Pedelecs

Crash E-Bike Foto:UDVEs ist nicht das erste Mal, dass Organisationen vor den Gefahren der schnellen Pedelecs warnen. Nach einem Test der DEKRA im vergangenen Sommer sind es nun die Unfallforscher der Versicherer (UDV), die nach einer aktuellen Studie mit vier Crashtests zu dem Schluss kommen, " das vor allem die schnellen Pedelecs mit bis zu 45 km/h eine Gefahr für den Fahrer selbst, aber auch für andere Verkehrsteilnehmer sein können, so die UDV in einer Stellungnahme. Doch ist die Kritik berechtigt oder nur Panikmache?

Elektrisch unterstütze Fahrräder (Pedelecs) liegen in Deutschland im Trend. Die Hersteller freuen sich über zweistellige Zuwachsraten und die Radler über den „eingebauten Rückenwind“. Doch die Pedelecs erreichen nicht nur eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit, sondern auch eine höhere Höchstgeschwindigkeit, vor allem am Berg, heißt es beim UDV. Die Unfallforschung kommt daher zu dem Schluss: "Häufigere Überholmanöver sind damit vorprogrammiert und können durch die hohe Geschwindigkeit im Ernstfall mit schweren Unfallfolgen für Radfahrer und Pedelec-Fahrer enden".

E-Bike Crash Foto: UDVDas zweite Problem seien Einfahrten und Kreuzungen: Pedelecs sprechen viele Radfahr-Gruppen an. Senioren genauso wie Eltern mit Kinderanhängern oder sogar sportliche Fahrer. Der UDV ist der Meinung, dass es für Autofahrer künftig schwieriger sei, wie schnell ein Radler unterwegs ist. Auch ein Senior auf einem Citybike kann jetzt dank Elektrounterstützung viel schneller auftauchen, als aus der Erfahrung „gelernt“. Daduch könnten nach Meinung des UDV riskante Situationen an Ausfahrten und Kreuzungen entstehen. Schwere Verletzungen beim seitlichen Anprall an ein Auto sind – wie ein zweiter Crashtest der UDV zeigt – nicht nur bei „unbehelmten“ Radlern zu erwarten.

Ein weiteres Problem sehen die Unfallforscher bei den Fußgängern. Unfälle mit elektrisch unterstützten Fahrrädern können für alle Beteiligten mit schweren Verletzungen enden, wie laut UDV ein dritter Crash-Versuch belegen soll.

Noch ein Problem hat der UDV seiner Meinung nach entdeckt. Die zugelassene Technik: "Die 45 km/h-Pedelecs müssen im Sinne der EU-Richtlinie 2002/24/EG eigentlich wie ein Kleinkraftrad (Klasse L1e) betrachtet werden, heißt es in einer Mitteilung. Sprich, es müsse zum Beispiel ein Motorradhelm getragen werden, ein Bremslicht, Abblendlicht, Spiegel, bauartgenehmigte Reifen etc. vorhanden sein. Da in der Praxis die vorgeschriebene Technik aber oft fehle, bewegen sich die meisten dieser „Schnell-Radler“ illegal auf den Straßen, so der UDV. Die Forderungen der Versicherer: eine neue Fahrzeugklasse für „schnelle“ Pedelecs mit "sinnvollen technischen und zulassungsrechtlichen Regelungen". Dieses solle laut UDV auch eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h, einen maximal 500 Watt starken Motor, Versicherungskennzeichen, Mofa-Prüfbescheinigung, Fahrradhelm und Klingel statt Hupe beinhalten.

Der UDV befürchtet, das es sonst zu mehr Toten und Verletzten komme. Die Pedelec-Konstruktionen müssen auch stabiler werden, fordert der Verband.

Soweit so gut und die Meinung des UDV. Und es war natürlich klar, dass sich die Medien, allen voran die Boulevard-Medien auf das Thema abfahren. "Mehr Tote und Verletzte durch Elektrofahrräder - Unfallforscher: Räder mit Hilfsmotor gefährlich" titelte Bild.de. Die Süddeutsche formuliert ist es weniger reißerisch: "E-Bikes sind eine neues Unfallrisiko". Aber dieses Blatt unterscheidet allerdings auch nicht zwischen den normalen und schnellen Pedelecs. Was beim Leser hängen bleibt: Die sind aber saugefährlich!

Allerdings sind von den verkauften Pedelecs nur eine kleine Zahl wirklich schnelle Pedelecs. Die meisten der verkauften E-Bikes sind "normale" Pedelecs, die eine Unterstützung bis 25 km/h bieten und danach abgeriegelt werden. Hier zeigt sich wieder mal das Problem der Definition: Pedelecs, schnelle Pedelecs, E-Bikes, Elektrofahrräder. Wie soll da auch der normale Verbraucher durchblicken? Und dann sieht er das Video auf YouTube und denkt, nee, das ist mir zu gefährlich.

Der im Youtube-Video zu sehende Crash zwischen einem langsamen und einem schnell fahrenden Biker ist in der Tat nicht schön, ist allerdings ein wenig befremdlich, denn wie sollen Dummies danach noch richtig lenken? Ein (geübter) Fahrradfahrer würde sicherlich nicht so bewegungslos wie die Dummies auf die Fahrbahn klatschen. Denn auch schon heute könnte es zu solchen Unfällen kommen. Es gibt ja auch Fahrradfahrer, die auf ihren Rädern ohne Elektrounterstützung locker 35 km/h fahren, wenn die auf einen mit 15 km/h fahrenden "Senior" treffen, wäre der Ablauf wohl ein ähnlicher.

Nun habe ja gerade in dieser Woche die Verkehrsminister in Potsdam getagt und auch über eine generelle Helmpflicht debattiert, mit dem erfreulichen Ergebnis, diese nicht einzuführen. Trotzdem kann man natürlich nur jeden E-Biker auf einem schnellen Pedelec empfehlen, einen Helm zu tragen. Problematischer als das Touchieren eines anderen Radteilnehmers ist in der Tat der Frontalcrash mit einem PKW. Da ist die Geschwindigkeit wirklich ein Problem. Die Folgen sind ähnlich wie beim Motorrad, wie das zweite Video zeigt.