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Audio/Video: Schadstoffe in Fahrradanhängern gefunden

Der gemeinsame Fahrradanhänger-Test von ADAC und Stiftung Warentest hat zu teils heftigen Reaktionen in der Fahrradbranche geführt. Und wie fast immer - wenn die Stiftung Fahrräder schlecht bewertet - geht es darum, ob zu hart getestet wurde. In diesem Fall streiten sich die Experten um den richtigen Grenzwert für giftige Substanzen, die die Tester in den Materialien der Anhänger gefunden hatten.

Die Tester fanden in zehn von zwölf Fahrradanhängersystemen gefährliche, weil giftige Substanzen. Bei fünf Modellen war die Konzentration so stark, dass die Produkte mit „Mangelhaft“ abgewertet werden mussten, teilte der Autoclub ADAC mit. „Schadstoffe haben in Fahrradanhängern und Trailern für Kinder nichts zu suchen. Die Produkte müssen nicht nur schadstofffrei produziert, sondern auch als ‚schadstofffrei’ ausgezeichnet sein, damit Eltern auf einen Blick sicher sein können, ihren Nachwuchs nicht unnötig mit Schadstoffen zu belasten“, so ADAC-Vizepräsident für Technik Thomas Burkhardt.

Gefunden wurden so genannte polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK), allerdings in unterschiedlich hohen Konzentrationen und je nach dem, welchen Grenzwert man heranzieht, unter- oder oberhalb der empfohlenen Höchstkonzentration. Dass Grenzwerte manchmal schwer zu ziehen sind, kennen wir ja noch von der isländischen Aschewolke. Aber zurück zu den PAKs. Ab wann ist nun ein Schadstoff für Kids gefährlich? Im Grunde gibt es zwei Grenzwerte für die PAKs, wenn sie mit Kinderhänden in Berührung kommen können: 0,2 mg/kg und 10 mg/kg. Der erste Grenzwert gilt für Materialien, die Kids andauernd und regelmäßig in den Mund nehmen, also beispielsweise Schnuller oder Beißringe. Der zweite Grenzwert bei 10 mg/kg ist der Grenzwert des Öko-Tex Standards 100. An diesem haben sich einige Hersteller orientiert.

So fanden die Tester bei den Croozer-Anhängern Kid 1 im Schiebegriff 1,87 mg/kg, in den Scheiben 6,21 mg/kg, in den Gurten 0,88 mg/kg und in den Sitzstoffen 6,64 mg/kg. Bei dem Kid 2 waren teils ähnliche, teils unterschiedliche Konzentrationen: Schiebegriff 1,99; Scheibe 7,98, Gurte 0,95 und Sitzstoffe 2,95 mg/kg. Aufgrund dieser Werte wurden die Anhänger mit "mangelhaft" bewertet. Das wurmt natürlich den Hersteller. In einer Stellungnahme für das Fachblatt SAZbike verweist Zweipluszwei-Geschäftsführer Andreas Gehlen auf eine Empfehlung des Eco-Instituts, die einen Grenzwert von 10 mg/kg empfehlen und den Anhängern bescheinigt hätten, dass von keinem der untersuchten Textilien eine Gesundheitsgefahr für Kinder oder Erwachsene ausgehe. 

Auf seiner Webseite geht der Hersteller ganz offen mit den Vorwürfen um und verweist auf die eigenen Test, sagt aber auch: " Trotzdem nehmen wir die von Stiftung Warentest angemerkten Aspekte sehr ernst und wollen unsere Produkte ständig weiter verbessern". Insgesamt gelte für alle Schadstoffe das so genannte „ALARA-Prinzip“ (as low as reasonably achievable), d. h. so niedrig wie vernünftig machbar – im besten Fall also Null", heißt es weiter.

Und dieses ALARA-Prinzip haben ADAC und Stiftung Warentest eben bei Null gesetzt: Schadstoffe hätten in Fahrradanhängern nichts zu suchen. Bei anderen Herstellern sieht es noch dramatischer aus und dort kann man sich auch nicht mit Hilfe des Öko-Tex-Standards herausreden. Der "Monz Blue Bird"-Anhänger wurde auch mit "Mangelhaft" bewertet. Im Griffüberzug fanden die Tester eine PAK-Konzentration von 15,58 mg/kg, also auch deutlich über dem zweiten Grenzwert. Wenig beruhigend ist es allerdings, wenn dem Hersteller daraufhin kein besseres Krisenmanagement einfällt, als darauf - wenn auch zu Recht - zu verweisen, dass es auch für den Grenzwert von 10 mg/kg keine gesetzliche Grundlage gäbe. 

Eine Frage muss natürlich erlaubt sein: Warum finden Tester eigentlich immer wieder giftige Stoffe wie PAKs in den Griffen von Kinderrädern und Anhängern? Wären sie völlig schadstofffrei, gäbe es auch keine Diskussion um einen wie auch immer gezogenen Grenzwert. Interessant ist übrigens, dass die Hersteller in ihren Stellungnahmen so gut wie nie den (den sehr mächtigen) ADAC erwähnen, sondern sich auf die bei ihnen ungeliebte Stiftung Warentest konzentrieren (die man ja schon länger auf dem Kieker hat).

Bei der teilweise schon sehr panisch in den Meldungen von Presseagenturen und in den Artikeln der Zeitungen geführten Diskussion um die PAK-Konzentration ist der eigentliche Test ein wenig untergegangen: Bester Fahrradanhänger wurde der Chariot Cougar 2 mit der Bewertung „gut“. Er besticht durch seinen Gesamteindruck und seine Vielseitigkeit. Weniger gut fanden die Tester: Er hat kein serienmäßiges Rücklicht. Schlusslicht bei den reinen Fahrradanhängern wurde der Prophete Art 2906 nicht nur, weil bei ihm die höchsten Schadstoffwerte entdeckt wurden. Auch bei Regen biete er kaum Schutz. Allerdings ist der Prophete schon für 120 Euro zu haben, während der teuerste Anhänger fast 850 Euro kostet.

Getestet wurden auch Add-Bikes. Größere Kinder, die ihre Eltern schon aktiv auf der Fahrradtour begleiten können, auf einem Fahrradtrailer oder eine einfache Tandemstange mitreten. Trotzdem sind die gegen Stürze und körperliche Überforderung geschützt. Allerdings so der ADAC: "Aber auch bei den Trailern finden sich in Lenkergriffen und Sätteln Weichmacher und andere Substanzen, denen man lieber aus dem Weg gehen sollte". Den besten Eindruck der drei getesteten Trailer machte der Fun-Trailer Ft-Two/6 mit der Note „gut“. Bei den Fahrradzugsystemen, das sind im Prinzip lediglich Verbindungsstangen zwischen zwei Rädern, erwies sich die Tandemstange Profex Koala II wegen schlechter Haltbarkeit als „mangelhafter“ Totalausfall.

Exemplarische Sicherheitsüberprüfungen in Form eines Crashtests mit seitlichem Aufprall haben gezeigt, dass die Fahrradanhänger tendenziell etwas sicherer sind als die anderen Systeme. Der ADAC rät jedoch in jedem Fall dazu, einen Fahrradhelm zu tragen. Bei den Trailern, bei denen das Kind entscheiden kann, ob es sich nur ziehen lässt oder aktiv mitstrampelt, besteht die Gefahr, dass Kinder unterwegs einschlafen und vom Rad fallen. Der ausführliche Test ist in der Mai-Ausgabe der ADAC Motorwelt sowie im Heft Test 5/2010 nachzulesen.

Audiobeitrag zum Anhängertest

 Videobeiträge zum Anhängertest
  • Videoberichte der Stiftung Warentest und vom ADAC

Infos zu Grenzwerten bei PAKs

Grenzwerte des Öko-Text Standard 100

PDF-Infos zur Schadstoffprüfung des Croozers

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