Erfolgreiche Aktion: 156 Fahrräder für Kinder in Ost-Kuba
Eine private Initiative in Bayern sammelte innerhalb weniger Wochen insgesamt 156 Fahrräder für Kinder in Ost-Kuba. Das Beispiel zeigt, wie hier ausgediente Räder in anderen Ländern viel Freude bereiten kann. Das Projekt begann im Oktober mit einem Spendenaufruf der Mittelbayerischen Zeitung in Zusammenarbeit mit der Reise-Journalistin Kornelia Doren. Die kubabegeisterte Münchnerin beobachtete im letzten Jahr, während einer Reise durch den Osten des Landes, dass Drahtesel auf der größten Antillen-Insel echte Mangelware sind.
In Kuba warteten dagegen die Kinder auf die ersehnte Fracht aus Deutschland. Jose Luis konnte zum Beispiel nächtelang nicht schlafen. Zu groß war die Aufregung für den Neunjährigen. Der Grundschüler aus Maguana wusste seit Wochen, es kommen Räder in sein Dorf in der ostkubanischen Provinz Guantanamo. Es sei ein Geschenk ostbayerischer Eltern an Schüler aus Ostkuba. Das hatte der Schulleiter seinen Eltern gesagt. Jose Luis fand das prima, sind auf Kuba doch Fahrräder für Kinder so unerschwinglich wie Autos für Erwachsene. Nur, wann würde es soweit sein? Wie würde das Rad aussehen? Und dürfte er es wirklich behalten?
Die Aufregung war nicht nur für Jose Luis groß. Etliche Schüler im Alter von sechs bis zehn Jahren stellten sich solche Fragen, bis vor wenigen Tagen. Da die Spendenbereitschaft der Leser der Mittelbayerischen Zeitung so überwältigend groß war, war es möglich, dass die geschenkten Räder vielleicht für mehr als zwei Schulen reichen könnten. Vielleicht würden bis zu vier Schulen begünstigt werden, hatten ihnen die Direktoren mitgeteilt. Doch, würden wirklich alle Kinder an den anvisierten Schulen ein Rad bekommen können?
Sie reichten. Nicht nur für insgesamt 154 Schüler an vier Grundschulen, die sich im Umkreis von etwa 20 Kilometern ab Maguana befinden. Sondern auch für zwei Direktoren, mit denen die Kleinen nun sportliche Schulausflüge per Rad unternehmen können. Da im ländlichen Kuba oft außer einem Esel oder Pferd nur ein Fußmarsch hilft, um von einem Dorf zum anderen zu gelangen, sind die gespendeten Kinder-Räder ein besonders nützliches Geschenk für lange Schulwege.
Am 30. November, dem Tag der vier Übergaben, war es vorbei mit dem Rätselraten und den schlaflosen Nächten. Mit großen Augen sahen zunächst 20 Kinder in Schuluniform ab 12 Uhr mittags zu, wie der türkisblaue Laster des kubanischen Erziehungsministeriums scheppernd vor ihrer Schule Antonio Hernandez anhielt. Mit erstaunlich viel Geduld standen sie bereit, ihr Fahrrad vom Lastwagen gegen Unterschrift entgegen zu nehmen. Umgeben vom Schuldirektor Louis, der die Schüler zu sich gerufen hatte, von zwei Lehrerinnen, die mit dem Finger auf die richtige Empfänger-Zeile in der Namens-Liste tippten, schrieben sie in Schönschrift ihren Namen aufs Blatt. Und schon gab es ein Fahrrad in rosa, blau, rot oder silber. Die Kinder konnten auf ihre liebste Farbe und das Modell zeigen. Und wenn der Wunsch mal nicht in Erfüllung ging … kein Problem, dann gab es eben ein anderes Rad. Ein Mädchen, das sein rosafarbenes Wunschrad nicht bekam, war nicht traurig, als ein Junge es erhielt. Sie nahm dafür gelassen ein blaues Rad entgegen, an dem sie sich sichtlich erfreute. Auch der Beschenkte störte sich nicht an der femininen Farbe seines Drahtesels. Er konnte bereits Radfahren, setzte sich gleich drauf und flitzte fröhlich davon, in Begleitung seines Hundes. Hauptsache Rad, so die Kinder.
Nach der „Escuela Antonio Hernandez“ erhielt die Grundschule „Francisco Arguero“ gegen 15.30 Uhr 40 Drahtesel. Die Schule befindet sich in Santa Maria, rund 20 Kilometer westlich von Maguana entfernt. Wieder war die Freude immens groß, ein wahres Dorf-Ereignis. Anschließend bekam die „Escuela José Tey“ 39 Räder und zuletzt, gegen 19 Uhr wurden 55 Kinderfahräder an der Schule „Roberto Amarán“ verteilt. Drei der Schulen befinden sich direkt im „Parque Humboldt“. Die Rektoren und Eltern bedankten sich mit Orangen aus dem eigenen Garten, Kokosnüssen und einer Papaya. Ein schüchterner Junge wurde von seinem Vater begleitet, und überreichte zum Abschied eine duftende Wildrose.
Dank des sozialen und ehrenamtlichen Engagements aller Beteiligten und durch die Hilfe von Sponsoren die sich um den weiten Transport kümmerten (mit gemacht haben unter anderem Zweirad Stadler, Condor, Con Tribute, Gazelle und Leisure Cargo, aber auch kubanische Institutionen wie das Kubanische Fremdenverkehrsamt und die Botschaft der Republik Kuba) landete eine Condor-Maschine mit sechs Flugcontainern am 19. November auf dem Flughafen der Provinz Holguin ein. Zweirad Stadler hatte die Räder „flugtauglich“ gemacht, und auch noch reichlich Ersatzreifen und Flickzeug gespendet. Das Material soll den holprigen kubanischen Landstraßen im Bedarfsfall trotzen.
Kornelia Doren hat das soziale Hilfsprojekt für kubanische Kinder als besonderes Ereignis empfunden. „Ich freue mich außerordentlich, dass alle gespendeten Räder direkt bei den Kindern angekommen sind“, sagt sie. „Nicht nur Schüler, auch Eltern, Lehrer, Großeltern und die Direktoren haben gestrahlt. Es war eine Hilfsaktion der Verbundenheit unter Menschen, die sich gar nicht kennen. Und die doch für einander da sind. Das ist für mich echte Solidarität. Die spontane Hilfsbereitschaft in und außerhalb Ostbayerns hat mich sehr berührt, sagte die Journalistin.
Tipps für spendeninteressierte Kuba-Reisende:
- Fluggesellschaften wie Condor und Air France nehmen kostenlos ein zusätzliches Gepäckstück mit, wenn sie es beim Check-in als Spendengepäck deklarieren. Nützlich sind auf Kuba zum Beispiel Kinderkleidung, Babyschuhe, Buntstifte, Spielzeug, kleine Taschenlampen oder Regenschirme (gegen die Sonneneinstrahlung). Solltest Du bis zur Abreise nicht wissen, wem Du das Spendengepäck geben kannst, nimmt es die Rezeption Deines Hotels oder der Reiseleiter für eine Verteilung gern entgegen.
- Unter dem Motto "Hin und weg für den guten Zweck" nimmt Condos Hilfswerk Con Tribute auch kleine Spendenbeträge für hilfsbedürftige Kinder entgegen.
Infos über Ost-Kuba (Maguana und Umgebung) unter www.cubainfo.de





