40 Prozent tappen im Dunkeln: Verkehrswacht fordert Licht am Fahrrad

„Sicherheit durch Sichtbarkeit“ ist seit Jahren eine Parole der Deutschen Verkehrswacht und anderer Organisationen, die sich der Verkehrssicherheit verpflichtet fühlen. Gemeinsam mit dem Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer fordert die Deutsche Verkehrswacht Radfahrer auf, gerade in der dunklen Jahreszeit das Licht an ihrem Fahrrad anzuschalten. Hilft vielleicht auch eine Warnwestenpflicht?

Es gibt viele Wege nach Rom. Was hilft also für besseres Sehen und Gesehen werden? Nach Ansicht von Fahrradtest.de sollte es nicht nur bei der schnell ausgesprochenen Forderung und Allgemeinsätzen wie folgenden bleiben. „Die dunkle Jahreszeit stellt uns alle im Straßenverkehr vor Herausforderungen. Das gilt nicht nur für die Autofahrerinnen und Autofahrer", sagte Peter Ramsauer. Jeder sei aufgerufen, seinen Beitrag für mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu leisten. Aus diesem Grund möchte Ramsauer an alle Radfahrerinnen und Radfahrer appellieren: "Schalten Sie Ihr Licht an! Denn sehen und gesehen werden ist ein lebenswichtiges Motto im Straßenverkehr. Gerade jetzt in Herbst und Winter."

Was der Minister verschweigt, sind die Gründe für das dunkle Radeln. Laut Deutscher Verkehrswacht fahren immerhin fast 40 Prozent der Radler fahren ohne Licht. Das belege eine Studie aus dem Jahre 2009. Stichproben in elf deutschen Städten hatten ergeben, dass die kontrollierten Fahrräder entweder über keine funktionierende Beleuchtung verfügten oder das vorhandene Licht nicht eingeschaltet war. Das Ergebnis ist natürlich nicht repräsentativ, doch die Tendenz mag stimmen. Aber was sind die Gründe?

Ist es also schlicht Faulheit? Oder sind es technische Probleme? Abgerissene oder durchgescheuerte Kabel, fummelige Stecker, falsche Erdungen, durchgebrannte Birnchen, durchrutschende Dynamos? Bereits ab Werk falsch verlegte Kabel, die schnell aus der Verankerung reißen? Selbst Radfahrer, die es gut meinen und auch am Tage mit Licht fahren, sehen sich immer wieder mit dem Problem konfrontiert, dass Minikabel, die beispielsweise am Vorderlicht eingesteckt werden müssen, um Strom zum Rücklicht zu führen, sich bei einem kräftigen Einschlag aus der Steckverbindung lösen. 

Noch immer ist es Standard, dass Leiter und Massekabel identische Stecker haben. Die Hinweise an den Lampen sind so winzig, dass selbst geschulte Augen Probleme haben, ohne Lupe und Taschenlampe die Symbole zu erkennen. Kabelschuhe haben eine Qualität die niemand bei der Modelleisenbahn vom Sohnemann verwenden würde. Stecker für Nabendynamos sind von Hersteller zu Hersteller verschieden.Oft wird das lose Kabel einfach einen Plastikschuh gestopft. 

Fahrradtest.de fordert deshalb: Nabendynamopflicht, erst bei Neurädern, mit einer Übergangszeit dann bei allen Fahrrädern (gerne auch mit einer Subventionierung durch das Bundesverkehrsministerium). Denn, dies zeigt sich bei einer Stichprobe an einer vielbefahrenen Fahrradroute in Berlin, Neuräder mit Nabendynamo und LED-Beleuchtung haben auch am Tage oft das Licht eingeschaltet. Alternativ könnte man auch eine Pflicht für eine Einschaltautomatik fordern.  Sinnvoll wäre zudem eine Kontrolldiode oder ein Warnton, wenn das Rücklicht ausfällt. Oft reißt das Kabel während der Fahrt ab und der Fahrer merkt das gar nicht.

Doch Ramsauer sagt nur: "Allen Radfahrern sage ich daher noch einmal: Achten Sie darauf, dass Sie für andere Verkehrsteilnehmer sichtbar sind. Testen Sie Ihr Fahrrad auf Verkehrstauglichkeit, denn gerade bei Dunkelheit und schlechten Wetter werden Sie von motorisierten Verkehrsteilnehmern leicht übersehen. Fahren ohne Licht ist ein unverantwortliches Risiko!"

Interessant wäre es vielleicht auch, über eine Warnwestenpflicht für Radfahrer bei einbrechender Dunkelheit nachzudenken. Eine ähnliche Verordnung gilt seit Oktober in Italien und zwar außerhalb von Ortschaften und von 30 Minuten nach Sonnenuntergang bis 30 Minuten vor Sonnenaufgang. Radfahrer ohne Weste oder Signalstreifen riskieren ein Busgeld zwischen 23 bis 92 Euro.

In Ungarn besteht schon seit 2007 eine Warnwestenpflicht für Radfahrer. Außerhalb von Ortschaften ist sie Pflicht bei schlechter Sicht und Dunkelheit. Eine ähnliche Regelung gilt seit 2008 auch in Frankreich. Eine Warnwestenpflicht innerorts während der Dunkelheit wäre auch eine sinnvolle Ergänzung. So lange muss jeder selbst dafür sorgen, dass er nachts gesehen wird.

Fahrradtest.de ist ein Service von Journalia Kommunikation. Alle Rechte vorbehalten. Diese Inhalte dienen ausschließlich zur privaten Nutzung und zur individuellen Information des Nutzers. Eine Speicherung in Datenbanken sowie jegliche Weitergabe an Dritte im Rahmen gewerblicher Nutzung oder zur gewerblichen Nutzung sind nur mit schriftlicher Genehmigung durch Journalia Kommunikation gestattet. Wir haften nicht bei Fehlern, inhaltlichen oder textlichen Fehlern. Im Übrigen gelten unsere Nutzungsbedingungen. Für den Fall, dass Sie die Inhalte der Webseite Fahrradtest.de weitergeben, speichern oder gewerblich nutzen möchten, bieten wir Ihnen an, Content-Partner zu werden.