Kein Licht: Stichprobe vom ADAC deckt bekannte Mängel auf

Licht- Foto:Oliver Tjaden - ADFCEine bundesweite Stichprobe des Autoclubs ADAC in elf deutschen Städten hat ergeben, dass zu viele Radfahrer es mit der Beleuchtung ihrer Fahrräder nicht allzu ernst nehmen, teilte der Club mit. Danach führen knapp 40 Prozent aller Radler bei Dunkelheit ohne Licht – teils weil das Fahrrad über keine funktionierende Beleuchtung verfüge, teils weil vorhandenes Licht nicht eingeschaltet würde. Soweit keine Überraschung.

Denn genau hier beginnt die Ungenauigkeit der Stichprobe, schließlich sind viele Radfahrer mächtig genervt von abreißenden Fummelkabeln an Dynamo und Lichtanlagen. Und was macht die Presse aus der ADAC-Meldung: "Verkehrsrisiko Radfahrer" texte Süddeutsche.de und Bild.de titelte: "Radfahrer werden immer rücksichtsloser". Klar, gefundenes Fressen. Dabei wirft die Studie (wenn der Begriff für eine Stichprobe überhaupt zutreffend ist) einige Fragen auf. 

Laut ADAC fehlten bei zwölf Prozent Scheinwerfer oder Schlussleuchte. Weniger als die Hälfte war mit vorschriftsmäßig beleuchteten Fahrrädern und so mit der gebotenen Sicherheit unterwegs.Überprüft wurden mehr als 1500 Radfahrer auf Radwegen an vielbefahrenen Kreuzungen. Über welchen Zeitraum und wann die Stichprobe durchgeführt wurde, wurde nicht mitgeteilt. Auch rät der ADAC,  "regelmäßig die Fahrradbeleuchtung zu überprüfen und, falls notwendig, in Ordnung zu bringen". Ja, super. Eine komplette Nullaussage.

Gewiss, es gibt die Idioten, die kein Licht am Rad haben und die auch wie Rowdys durch die Fußgängerzone rasen. Doch warum recherchiert der ADAC nicht mal, warum das Licht nicht geht. Erhebung ist die eine, Beseitigung des Problems die andere Seite. Und warum wird nicht zwischen unverantwortlichen Radfahrern, die ihre Lichtanlage bewusst nicht einschalten und kaputten Anlagen unterschieden, sondern alles in einen Topf geworfen?

Selbst bei hochwertigen Rädern fällt immer wieder mal das Licht aus. Ein Nabendynamo ist zwar super und viel weniger anfällig als Seitenläufer, doch die Schwachstelle sind die Kabelverbindungen. Egal ob SON oder Shimano, beide Systeme sind anfällig und auch die Verkabelung an einem teueren Scheinwerfer wie dem Lumotec von Busch & Müller führt zu Lichtaussetzern. Bei einem PKW würde eine immer wieder bei laufender Fahrt ausfallende Lichtanlage zu einem großen Aufschrei führen. Aber man würde nie den Fahrer beschuldigen sondern kräftig auf die Hersteller einprügeln.

Doch beim Fahrrad werden die Kabel ab Werk so verlegt, dass sie scheuern und unter Spannung stehen. Irgendwann gibt es einen Wackeler. Doch von den bekannten Praxis-Problemen wird in der Pressemitteilung des Automobilclubs nicht berichtet. Warum wird nicht eigentlich auch mal von einem Automobilclub gefordert, dass endlich ein Verbot ausgesprochen wird, dass Fahrräder ohne Lichtanlage verkauft werden dürfen. Der Hinweis "nicht für den Bereich der StVZO zugelassen", hilft ja nicht wirklich weiter.   

In der Pressemitteilung heißt es weiter: "Anlass zur Beanstandung gaben aus ADAC-Sicht auch die Beleuchtungsanlagen. So war bei knapp einem Viertel aller Fahrräder weder der vordere Scheinwerfer noch das Rücklicht vorhanden. Ebenfalls zu bemängeln: Nur gut 14 Prozent aller Radfahrer trugen zu ihrer eigenen Sicherheit helle oder reflektierende Kleidung und nur 13 Prozent hatten einen Helm auf. Auch die bei allen Fahrrädern vorgeschriebenen Reflektoren waren nur bei knapp der Hälfte vorhanden.

Weiter erinnert der Club daran, dass für Mountain-Bikes, die im Straßenverkehr genutzt werden, ebenfalls die Vorschriften der StVZO gelten und sie deshalb gegebenenfalls mit einer Beleuchtungsanlage nachgerüstet werden müssen. Bis zu 25 Euro Verwarnungsgeld können fällig werden, wenn man mit einem Fahrrad ohne funktionierende Lichtanlage unterwegs ist.

Doch auch die Politik könnte etwas unternehmen. Im Frühjahr 2006 lag im Bundesrat ein Entwurf zur technischen Ausstattung von Fahrrädern, der abgelehnt wurde. Der Entwurf sah etwa vor, dass für neue Fahrräder über eine Standlichtfunktion des Rücklichtes verfügen müssen. Auch im Entwurf vorgeschlagen, war die paarweise Verkabelung, statt den Rahmen und Anbauteile wie Gepäckträger oder Schutzbleche als Leiter zu benutzen.

Noch auf ein anderes "Problem" weist der ADAC hin, den Helm. Der Club rät dringend zum Tragen eines Fahrradhelmes. "Dieser kann einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, das Risiko von schweren Kopfverletzungen zu verringern." Soweit die Pressemitteilung. Letzterer Satz hat dann manchen Redakteur auch angespornt, über die bösen Radfahrer herzuziehen, die ohne Helm fahren. So, als gäbe es in Deutschland eine Helmpflicht und die Radfahrer würde diese ignorieren. Noch ist das Tagen völlig freiwillig. Über die Helmproblematik hat sich erst jüngst der Spiegel ausgelassen, und versucht, Pro und Contra objektiv darzustellen.Der Artikel ist sehr lesenswert.

 Mehr Infos zu Licht bekommt man in einem Faltblatt des ADFC

Einen passenden Kommentar zur ADAC-Stichprobe liefert auch die TAZ. 

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