Radfahrer absteigen!

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Der Mensch hasst den Stillstand, er will stetig voran. Er mag keine Lücken, besonders Baulücken. In der Stadt müssen sie ausgefüllt werden.Das gilt insbesondere, um Yuppies eine Anlagemöglichkeit in Form von Eigentumswohnungen zu bieten. Leider hat sich ja nicht jeder bei Börsengeschäften verspekuliert und nimmt dann Kurs auf die Immobilie als Geldanlage.

 

Wo bisher eine Lücke klaffte, die einem evangelischem Kindergarten als Tummelspielplatz für ihre verzogenen Gören oder Hundehaltern als Kloake für ihre verlausten, kläffenden Tölen diente, entsteht jetzt so eine Yuppieburg.An Baustellen habe ich mich ja gewöhnt, denn der Mensch strebt solange er lebt. Und zwar zu lärmenden Bohrern, schwerem Räumgerät und hässlichen Baukränen. Es geht voran.

Anfangs sieht das harmlos aus, nur ein Schild weist auf das kommende Ungemach hin. Die Grube wird ausgehoben, das läuft noch weitgehend störungsfrei ab. Aber dann, geht’s los. Derrelativ breite Gehweg mitder großzügigen Spur für das radelnde Volk wird gesperrt. Dafür wird ein „Fußgängertunnel“ aus Bretterbudenresten gezimmert, mit Rampe für Rollis und Rollatoren bzw. Rentnerporsches. Es gibt sogar eine Ausleuchtung an den Bretterwänden. Da fühlt sich Oma nachts doch gleich sicherer. Aber es gibt auch diesen schönen deutschen Hang zu Ge- und Verbotsschildern. Das schönste ist: RADFAHRER ABSTEIGEN. Für Autofahrer gibt es nichts vergleichbares, außer dass in diesem Bereich das Parkplatzproblem etwas verschärft wird, aber macht ja nichts, es gibt ja noch Fahrradwege.

Hier fühle ich mich doch wieder akzeptiert, als Verkehrsteilnehmer 2. Klasse. Nun radel ich auf das Verkehrshindernis zu, versuche das Verbotsschild zu ignorieren.  Die Holzrampe –rumpel, rumpel- rauf und schon kommt mir eine junge Mama mit ihrem Kinderwagen entgegen. Also doch: absteigen schieben, sich bitter lächelnd aneinander vorbeidrängen.  „Sehr süß das Kind, ist das ihres?“  Dann kommt man wieder raus muss noch einen Poller umkurven und darf sich wieder ganz normal den Gehweg mit dem gemeinen Passanten teilen.

Radfahrer absteigen, diese rüde Aufforderung (zu BITTE reicht es selten im deutschen Schilderwald) umgehen und rauf auf die in diesem Bereich verengte Straße. Das hinter dir der Spritritter die 120 db seiner Automobilhupe ausprobiert, wertest du alsbesondere Aufmerksamkeit und Zustimmung.

Da wo der Gehweg eh zu schmal ist und Fußgängern in Gruppen oder als Pärchen nur der Gänsemarsch bleibt , wenn sie nicht von Radfahrern überrollt werden wollen, gibt es nur eines: Nicht runter vom Rad, sondern rauf auf die Fahrbahn. Basta.