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Zugrückbleiben

Die Pedalritter der deutschen Hauptstadt schätzen die gute alte Berliner S-Bahn. Bietet sie doch die Möglichkeit, an den Stadtrand oder den Berliner Speckgürtel gebracht zu werden, ohne dass ich das ganze lärmend-stinkige Stadtgebiet durchqueren muss. Nicht nur im Ausflugsverkehr für Fahrten durch das Berliner Umland sondern auch für Huckepackfahrten im Stadtgebiet ist die S-Bahn mit ihren Abteilen besser geeignet als die U-Bahn. Eigentlich.

 

Wenn ich aber in diesen Tagen im Sommer 2009 in Berlin auf die Weise mit meinem Fahrrad unterwegs sein will, erlebe ich mein gelb-rotes Wunder: Überfüllte Bahnsteige, nicht nur zur Rush-Hour, dazu Taktzeiten von 20 Minuten - auch im Berufsverkehr. Die Aggressionen kochen hoch, wenn die verkürzten Züge derart überfüllt sind, dass ich kaum mitkomme und das munter geflötete: ZZZRÜCKKKBLEIMM, hilft noch zusätzlich beim Frustaufbau. Als Radfahrer hast du da die allerschlechtesten Karten und musst wildwestmäßige Lynchjustiz befürchten, wenn du trotzdem versuchst, das eingeschränkte Dienstleistungsangebot der Berliner S-Bahn GmbH mit deinem sperrigen Verkehrsmittel in Anspruch zu nehmen.

Wie kommt‘s? Eine komplette Baureihe S-Bahnwagen (immerhin ca. 33 Prozent des Bestandes) musste vorläufig aus dem Verkehr genommen werden, da bei diesem Typ die Räder schneller schadensanfälliger und unfallgefährdeter sind, als bei den anderen 66 Prozent. Das Eisenbahn-Bundesamt stellte fest, dass die Züge mehr als 1,2 Millionen Kilometer unterwegs waren. Danach müssen die Räder ausgetauscht werden, was nicht passierte. 100 Wagen sind jetzt stillgelegt. Das ist auch für eine Millionenmetropole ein riesiger Fuhrpark.

Trotz saftiger Gewinne (die die DB Tochter an ihre Mamma DB abführte), wird der Personalbestand bei der S-Bahn kräftig ausgedünnt. Oder gerade deswegen. Die vorgeschriebenen Wartungszeiten können da nicht mehr eingehalten werden. Verkehrspolitik auf dem Rücken der Verkehrsteilnehmer.

Die Bahn reagierte schnell : der vierköpfige Vorstand der S-Bahn wurde aufgelöst und ersetzt. Aber die Herren stehen jetzt nicht etwa bei der Arbeitsagentur an, sondern genießen Welpenschutz und fallen weich, da sie im Mutterunternehmen weiterbeschäftigt werden. So ist es recht. Wie war schon im Mittelalter die Praxis des Aufhängens? Zwar haben die auch nur versucht die Vorgaben von Mamma Bahn umzusetzen, aber war das nicht abzusehen? Dafür dauert die Wiedereinsetzung des kompletten Wagenbestands länger. Wenn ich meine Fahrunterlage nicht regelmäßig warte, dann kann ich nur noch meinen Brooks an der Stange durch die Gegend tragen.

Wir StiNo-Radfahrer stehen jetzt da, vorläufig beraubt einer bequemen zusätzlichen Fortbewegungsmöglichkeit: Nicht jeder Pedaltreter ist ein Hochleistungssportler, der 50 KIlometer in gemütlichen 45 Minuten radelt, ohne ein Schweißtröpfchen auf der Nase. Da habe ich mal wieder das schöne Gefühl: nicht der Fußgänger, nein der Fahrradfahrer ist das schwächste Glied in der Verkehrshierarchie.

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