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Alu oder Stahl: Nicht jeder fällt aus dem Rahmen

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So wie ein Rahmen zum Bild passen muß, da­mit es nicht aus jenem fällt, muß auch der Fahrradrahmen zum Menschen passen, da­mit dieser nicht ständig auf die Nase fällt, weil er beim Anhalten nicht mit den Füßen den Boden er­reicht.

Der unfreiwillige Kontakt mit „Mutter Erde“ läßt sich durch die richtige Rahmen­größe verhindern, die man wie ganz einfach feststellen kann: Man setzt sich aufs Fahrrad, rutscht vom Sattel nach vorne, so daß man mit den Oberschenkeln das Rad hält. Zwischen Schritt und obe­rem Rohr sollte mindestens eine Handbreit frei sein, bei Mountain-Bikes eher noch ein paar Zentimeter mehr. Leider klappt diese Methode bei Damenrädern nicht immer, da hilft dann nur der Zollstock und die Mathematik: Schrittlänge mit 0,61 multiplizieren ergibt die ungefähre Rahmenhöhe, die je nach Fahrradtyp und Körpergröße variieren kann.

Ist der Abstand zwischen Schritt und Oberrohr kleiner als drei Zentimeter, kann die Erfahrung beim ersten Anhalten äußerst schmerzhaft sein. Fußballer kennen dieses Gefühl, wenn sie bei einem Freistoß in der Mauer standen und die Hände zur betreffenden Zeit nicht am richtigen Ort hatten.

Aber zurück zum Radsport: Ein klassischer Rahmen besteht aus einem Fünfeck, welches durch elf verschiedene Rohre gebildet wird. Diese weitverbrei­tete Rautenform wurde erstmals 1887 in England konstruiert und heißt seitdem in Deutschland Diamantrah­men (weil im Englischen die Raute „diamond“ heißt und die Deutschen nicht richtig übersetzt haben).

So hart wie Diamanten sind die beim Fahrradbau verwendeten Materialien aller­dings nicht. Die wichtigsten Baustoffe sind Stahl (Bau- oder Legierungsstahl) und Aluminium. Baustahl findet man vor allem bei billigen Rädern. Da Baustähle eine ge­ringere Festigkeit aufweisen als Stahllegierungen, müssen sie mit einer grö­ßeren Wandstärke produziert werden. Die Folge ist deshalb ein höheres Gewicht. Stahllegierungen zeichnen sich durch eine hohe Festigkeit aus. Sehr verbreitet sind Chrom-Molybdän-Rahmen, die mit dünneren Rohrwandstärken hergestellt werden können und deshalb auch weniger wiegen.

Noch weniger wiegt Aluminium. Doch das Leichtmetall ist leider nicht nur ein Drittel leichter als Stahl, sondern auch nur ein Drittel so steif. Um bei­spielsweise einem Flattern des Rahmens bei höheren Geschwindigkeiten entgegenzutreten, wird deshalb ein größerer Rohrdurchmesser ge­wählt. Dadurch steigt wiederum das Gewicht, so daß nicht jeder Alurahmen auch wirklich leichter als die Stahlausführung ist. Und noch etwas spricht für den Stahlrahmen: Im Gegensatz zu Alu kann ein Stahlrohr zum Beispiel nach einem Sturz zur Not wieder zurückgebogen werden, ein Alurahmen würde brechen.

Wie sieht man einem Rahmen seine Qualität an? Ein Blick auf die Nähte zwischen den einzelnen Rohren verrät so manch verpfuschte Arbeit. Die elf Rohre können verschweißt, gelötet oder beim Aluminium auch geklebt werden. Weder das eine noch das andere Verfahren ist bes­ser oder schlechter als das andere.

Eine der klassischen Hilfsmethode zwei Rohre mit­einander zu verbinden, sind Muffen. Heutzutage ist es aber auch möglich, sehr stabile Rahmen ohne Verbindungstücke zu löten oder zu schweißen.

Der Vorteil der Muffen ist, daß sie die auf die Rohre wirkenden Kräfte aufnehmen können, dafür müssen sie jedoch genau passen (Abstand höchstens 0,2 mm). Bei einem fertigen Rahmen läßt sich dies nur schwer überprüfen. Zu den Spitzen hin sollten die Muffen dünn auslaufen, um die unter Belastung an den Rohrverbindungsstellen auftretenden Kräfte so sanft wie möglich abzugeben. Gemuffte Rahmen können aber auch schlecht abgesägte Rohre verdecken, denn was sich unter den Muffen befindet, läßt sich - will man den Rahmen nicht aufsägen - nur erahnen.

Eine Hilfe kann ein kleiner Aufkleber sein, der am Rahmen angebracht wird. Während bei Billigrädern meist der Hinweis fehlt, welches Rahmenmaterial benutzt wurde, spielen gute Rahmenhersteller mit offenen Karten und geben Auskunft über die Art der Rohre und das verwendete Material. Gute Rahmenfirmen sind zum Beispiel Tange, Reynolds oder Columbus. Bei der Verarbei­tung läßt sich aller­dings auch das beste Material wieder verpfuschen, weshalb man auch den Markennamen nicht blind vertrauen kann.

Ein Anzeichen für schlechte Rahmen sind Unregelmäßig­keiten bei den Schweißnähten. Wenn Blasen oder Formen, die ans Bleigießen von Sylvester erinnern, zu erkennen sind, deutet dies auch schludrige Verarbeitung hin. Zu Beruhigung bleibt festzustellen, daß auch die schlechtesten Rahmen meist länger halten als viele Anbauteile. Bis ein Rahmen zerbricht, muß man auch ein radelnder Student schon sehr rabiat zur Mensa fahren. Wer ein Billigbike kauft, muß auf mehr als nur den Rahmen achten. Viel öfter zerbrechen Gabeln oder der Lenkervorbau. Das Problem mit der richtigen Rahmenhöhe fällt bei den Billigrädern meist von vorneherein weg, weil es für die Hersteller viel zu teuer wäre, verschiedene Ausführungen herzustellen.

Voll im Trend liegen Rahmen mit dicken Rohren, die neudeutsch gerne als „Over-Sized“ bezeichnet werden. Für sie gilt das gleiche wie für Alurohre. Durch den größeren Durchmesser wird eine höhere Stabilität erreicht. Für den Otto-Normalverbraucher reicht allerdings ein ganz normaler Diamantrahmen, wie vor über hundert Jahren.


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