Typenkunde – Trekkingbike

Nahezu jedes dritte in Deutschland verkaufte Fahrrad ist ein Trekkingbike. Damit ist ein Trend ungebrochen, der schon seit den frühen Neunzigern anhält: der Run auf vielseitig verwendbare, solide Räder mit jeder Menge Reserven. Trekkingräder sind sozusagen die SUVs unter den Fahrrädern, dabei ohne die Komponenten Unvernunft und Umweltverschmutzung. Ursprünglich als Räder für längere Touren und Radreisen konzipiert, haben sich Trekkingbikes längst als ideale Alltagsfahrzeuge etabliert und das weit weniger sportliche Citybike dabei arg in Bedrängnis gebracht. Für den Einsatz auf der Langstrecke bieten sich spezielle Reiseräder an (siehe dort).

1. Trekkingbike
Die Eckdaten des Trekking-Archetyps sind schnell aufgezählt: Alu- oder Stahlrahmen, oft mit Federgabel, 28-Zoll-Laufräder mit robuster Bereifung, Mountainbike-Komponenten, sowie eine komplette StVZO-Ausstattung aus Schutzblechen, Lichtanlage und Heck-Gepäckträger. Wer ins Detail geht, entdeckt am richtigen Trekkingbike einen am Hinterbau montierten Ständer, der das Rad auch bei voller Beladung in der Senkrechten hält; besonders reisetaugliche Modelle verfügen über Befestigungspunkte für einen „Lowrider“, einen zusätzlichen Gepäckträger an der Gabel. Meist ebenfalls an Bord: Federsattelstütze und verstellbarer Lenkervorbau, der Lenker selbst ist entweder eine Mountainbike-Stange mit Lenkerhörnchen, oder ein sogenannter Ergo- oder Schmetterlingslenker mit mehreren Griffpositionen, der aber etwas aus der Mode gekommen ist. Trekkingräder sind zwar auch in der Unisex-/Einrohr-Variante erhältlich, werden aber vorzugsweise als Damen- (Trapezrahmen) oder Herrenmodell (Diamantrahmen) geordert. Ein typisches Beispiel: das Domingo De Luxe von Winora für 999 Euro, das neben den oben genannten Merkmalen noch über ein Rahmenschloss und einen Kettenschutz verfügt. Im Bereich der Trekkingräder mit hochwertigem Stahlrahmen wäre ein exemplarischer Vertreter das Modell Roadster von Utopia, das im Baukastensystem ab 1.599 Euro erhältlich ist.

2. Trekking Light
Der Trend zum superleichten Rennrad hat auch die übrige Fahrradwelt beeinflusst. Das geht los beim Carbon-Mountainbike und hat mit „Trekking Light“ auch die Welt des Alltags- und Urlaubsfahrrades erreicht. Und so wird’s gemacht: Auf eine Federung wird verzichtet, für den Rahmen wird zu hochwertigere, leichtere Materialien gegriffen. Insgesamt sind die Komponenten wertiger; leichte Lenker, Vorbauten und Sattelstützen aus dem MTB-Segment sparen einige Hundert Gramm, teilweise sind Zweifach-Kurbelsätze vom Rennrad an Bord. Auch Reifen, Laufräder und Anbauteile wie Gepäckträger und Pedale müssen einem Gewichts-Check unterzogen werden. Während Standard-Trekkingbikes schnell mal 17 Kilo wiegen, bringen Light-Modelle unter 13 Kilo auf die Waage, so zum Beispiel das Exell Light von Traditionshersteller Hercules: Rahmen und Gabel aus Aluminium sorgen in Verbindung mit Shimanos XT-Gruppe für ein Gesamtgewicht von 12,5 kg – bei einem Preis von 1.149 Euro.


Extreme Diät-Trekkingräder erreichen sogar eine Zehn vor dem Komma. Das geht dann allerdings nur, wenn die Gabel oder gleich der ganze Rahmen aus Carbonfasern besteht – wie etwa beim Ontario von Staiger. Dessen 10,9 Kilo müssen allerdings auch mit 1.999 Euro bezahlt werden.