Extremtest des Reiserades "Hurricane Trophy" von Schauff in Island

Reiseradler sind wählerisch, vor allem auf der Suche nach dem richtigen Bike. Schließlich muss es den Fahrer (er)tragen, eben fast wie ein Partner. Und dafür wird es dann getätschelt, gehegt und gepflegt - ja manchmal auch über die Kanten des Lebens getragen.

Doch wie findet man das passende Stück? Am sichersten fährt man zwar mit Rädern der Marke "Eigenbau", doch das ist sehr teuer. Zum Glück hat sich so mancher Hersteller von Weltreisenden breitschlagen lassen und in Sonderanfertigung ein besonders robustes Gefährt gebaut, das man dann nur ein wenig "umbauen" muss. Das "Hurricane Trophy" von Schauff ist so entstanden und erst viel später in Serie gegangen. Die Familie Schauff aus Remagen ist von ihren Produkten überzeugt. Der Beweis: sie waren die Einzigen, die mir ein Rad für eine zweimonatige Testtour durch Island zur Verfügung stellten. Viele andere Firmen waren zwar zuerst begeistert, doch als sie meine Pläne hörten (für die Neuauflage eines Radreiseführers alle wichtigen Pisten abfahren), zuckten sie zurück.

Gefordert war ein zuverlässiges Rad, das 70 Kilo Gepäck trägt, und auch noch nach Wüstentouren rollt. Denn Rad fahren ist in Island eine Materialschlacht: Man quält sich über steinige, kaum erkennbare Pisten, die jahrelang nicht befahren wurden. Viele unüberbrückte Gletscherflüsse behindern das Vorankommen. Und ihr milchig-sandiges Wasser wirkt auf die Lager wie Schmirgelpapier. Nach Regenschauern wiederum reibt der klebrige Aschesand an allen beweglichen Teilen. Zwei Monate in der größten Wüste Europas, im zentralen Hochland von Island, lassen jedes Bike optisch um Jahre altern.

Das Hurricane Trophy ist gewiss keine Schönheit, die Lackierung ist eigenwillig, erinnert im Zebra-Look ein wenig an Daktari, nennt sich aber offiziell "Schauff Team". Das 2500 Mark teure Rad wird serienmäßig mit einer fast kompletten XT-Gruppe von Shimano, dicken Felgen und einem sehr robusten Rahmen aus Chrom-Molybdän-Stahl ausgestattet. Reiseradler, besonders dann, wenn es in ferne Länder geht, schwören auf diesen Werkstoff, schließlich bekommt man Stahl fast auf jedem Bauernhof geschweißt. Auf eine (besonders auf den Hoppelstrecken Islands lohnenswerte) Federung an der Vorderradgabel wurde bei Schauff noch verzichtet, denn erst seit kurzem gibt es überhaupt Möglichkeiten, an diesem Gabeltyp (einigermaßen) sicher Gepäcktaschen zu befestigen.

Den Rahmen gibt es in drei Größen (46, 52 und 60 Zentimeter). Leider wurde aber das Rad in einer 46er-Höhe ausgeliefert, was mir entschieden zu klein war. Um überhaupt halbwegs gesund sitzen zu können, waren einige Umbauten (längere Sattelstütze und höhenverstellbarer Vorbau) fällig. Und der schmale serienmäßige Ledersattel wurde gegen meinen Lieblingssitz ausgetauscht (Body Geometry von Specialized).

Einmal unterwegs, kommt's oft auch auf die Qualität der Gepäckträger an. Schauff hat sich für Produkte unbekannter Hersteller entschieden, die auf den ersten Blick sehr robust aussehen. Fürs Hinterrad wurden (in Fernost) Stahlrohre zusammengeschweißt. Der Vorderradgepäckträger mit tiefem Schwerpunkt, ein so genannter Low-Rider, ist dagegen aus Aluminium.

Erweitert wurde der Träger durch eine Aluminiumplattform (von einem alten EsGe-Träger) in Eigenkonstruktion, um zusätzlichen Stauraum zu schaffen. Weshalb man auf diesen Lowrider gesetzt hat, ist nicht nachvollziehbar. Die serienmäßige Schiene zur Befestigung an der Gabel zwingt zu einer ungewöhnlich tiefen und zudem zu einer zur Fahrbahn schrägen, also nicht parallelen Anbringung der Taschen. Die Folge: Beim Schieben durch unwegsames Gelände, aber auch bisweilen beim Fahren über Grasnarben, berührten die Taschen den Boden und sprangen aus der Halterung.

Trotzdem haben wir die 3900 Testkilometer (nur 400 davon auf Asphalt) heil überstanden: Rahmen, Träger, Speichen und Seilzüge - alles hielt. Die Bilanz kann sich also sehen lassen, obschon die harte Probe ihre Spuren hinterließ. Der hintere Träger rostete leicht an, auch die XT-Bremsen von Shimano trugen schon nach wenigen Regenschauern Patina. Die kleine Schraube zur Einstellung der Bremsbacken drehte nach wenigen Einstellversuchen durch, und das Lager der linken Pedale musizierte bereits nach 50 Kilometern, hielt aber bis zum Ende durch. Die Treter stammten von einem unbekannten Billigproduzenten.

Dann die Übersetzung: Der Berggang mit 28 Ritzeln war zu schwach für mehr als 20-prozentige Steigungen isländischer Bergpässe. Ein Paket mit einem 34er Ritzel ergab eine sehr gute Kombination von 34 zu 24 Zähnen. Auch der serienmäßige Lenker (ITM High-Speed) bot zu wenige Griffpositionen und wurden gegen einen der Firma Scott ausgetauscht. Hinzu kamen ein paar Schutzbleche, eine Lichtanlage und eine Parkstütze.

Solche Veränderungen sind bei Reiserädern durchaus üblich. Schauff hat mit der Bereitstellung des Testrades Mut bewiesen und letztlich gute Qualität geliefert.